Gold: 2.154,26 € -0,51 %
Silber: 28,94 € -0,58 %
Stand: 30.05.2023 von Hannes Zipfel
Der sich abzeichnende Kompromiss im US-Schuldenstreit, internationale Einkaufsmanagerindizes, frische Inflationsdaten aus Deutschland und die "großen" US-Arbeitsmarktdaten könnten temporär zu einer weiteren Belastung für die Edelmetallpreise führen.
Goldpreis steht eine unruhige Woche bevor

Gleichwohl zeigen aktuelle Konjunkturdaten aus China einen deutlichen Dynamikverlust. Außerdem befindet sich die türkische Lira im freien Fall, und auch die seit über einem Jahr stattfindenden aggressiven US-Zinsanhebungen fordern unerbittlich bei den Konsumenten, am Gewerbeimmobilienmarkt und bei den Banken ihren Tribut.

Wichtige Termine für Gold, Silber & Co. in der KW 22:

  • Montag: Hongkong Exporte in die USA im April (akt.: - 13,0 % | März: -1,5 %), Importe im April (akt.: -11,9 % | März: -0,6 %). Gewinne chinesischer Unternehmen seit Jahresbeginn bis Ultimo April: -20 %
  • Dienstag: Euro-Zone Unternehmer- und Verbraucherstimmung im Mai (e: 96,5 | April: 99,0), US-Verbrauchervertrauen (CB) im Mai (99,0 | April: 101,3)
  • Mittwoch: Deutsche Verbraucherpreise im Mai auf Jahresbasis (e: 7,3 % | April 7,2 %), auf Monatsbasis (e: +0,6 % | +0,4 %), US-Einkaufsmanagerindex Region Chicago für Mai (e: 47,0 | April 48,6), offene Stellen in den USA (JOLTs) im April (9,775 Mio. | März: 9,59 Mio.), Konjunkturbericht der US-Notenbank (Beige-Book; 20:00 Uhr MESZ)
  • Donnerstag: Deutsche Einzelhandelsumsätze April auf Jahresbasis (e: -5 % | März – 8,6 %)
  • Freitag: US-Arbeitsmarktdaten mit den neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft (Nonfarm-Payrolls) für Mai (e: 180k | April 253k); Terminmarktdaten der US-Aufsichtsbehörde CFTC für Gold und Silber (COT-Reports; 21:30 Uhr MESZ)

Weitere Daten-Termine, Details zu den Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.

Staatsbankrott der USA abgewendet?

Nachdem sich die Verhandlungsführer in den USA auf einen windelweichen Kompromiss geeinigt haben, muss die Gesetzesvorlage bis spätestens 5. Juni sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat passiert haben – andernfalls drohen erstmals seit der Einführung des Schuldenlimits vor 110 Jahren Zahlungsausfälle.

In der ersten Kammer des Kongresses verfügen die Republikaner über eine Mehrheit von 222 zu 213 Stimmen. Im Senat haben die Demokraten mit 51 zu 49 Stimmen eine hauchdünne Mehrheit.

Noch ist die Zitterpartie damit nicht vorbei, zumal der im Weißen Haus ausgehandelte Deal zwischen Präsident Joe Biden und dem Mehrheitssprecher im Repräsentantenhaus, Kevin McCarthy, auf massiven Widerstand bei den Anhängern der Konservativen um Donald Trump und den "Progressiven" bei den jungen Abgeordneten der Demokraten trifft.

Vereinbart sind temporäre Einsparungen um lediglich 50 Mrd. US-Dollar, die aber nur bis 2025 gelten sollen. Anschließend sind keine Einsparungen mehr vorgesehen.

Setzt man dieses Volumen in Relation zu dem schuldenfinanzierten Finanzbedarf, der kurzfristig allein bis Anfang September 1,2 Billionen US-Dollar beträgt und zu einer Staatsverschuldung jenseits der Marke von ca. 124,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts führt, dann wird die Dimension des Schuldendilemmas der weltweit nominal größten Volkswirtschaft deutlich:

USA: Zinszahlungen der Regierung pro Jahr in US-Dollar

Es bleibt also vorerst spannend in Sachen Anhebung des Schuldenlimits in den USA. Und selbst wenn man sich in letzter Minute in beiden Kammern des US-Kongresses einigt, ändert das rein gar nichts an dem Schuldendilemma der USA.

Inflation in Deutschland steigt wieder

Seit den revidierten Zahlen zum Wirtschaftswachstum in Deutschland befindet sich die Bundesrepublik nach zwei aufeinanderfolgenden Quartalen mit rückläufiger Wirtschaftsleistung (Q4’22: -0,5% | Q1’23: -0,3 %) offiziell in einer technischen Rezession. Dennoch werden für den Monat Mai weiter steigende Konsumentenpreise auf Jahresbasis erwartet (e: 7,3 % | April: 7,2 %). Veröffentlicht werden die entsprechenden Daten von DeStatis am Mittwoch um 14:00 Uhr.

Wie in der folgenden Grafik gut zu erkennen ist, bleiben die Preise absolut betrachtet hoch und laufen der Entwicklung der Einkommen der Mehrheit der Bevölkerung nach wie vor weit voraus.

Verbraucherpreisindizes für Deutschland

Das Highlight der Woche

Für die weitere Entwicklung der Edelmetallpreise und speziell von Gold und Silber in dieser Woche werden neben den Inflationsdaten, den Preiskomponenten der Einkaufsmanager-Indizes die "großen" US-Arbeitsmarktdaten mit den neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft (Jobs im privaten und öffentlichen Sektor) besonders wichtig.

Hier wird nicht nur die Anzahl der neu geschaffenen Stellen im Fokus der Anleger und der US-Notenbanker stehen, sondern auch die Dynamik der Lohnentwicklung.

Nach der positiven Überraschung im Vormonat April, als der Servicesektor saisonbedingt deutlich mehr Stellen schuf, als der Industriesektor abbaute, rechnen die Anleger nun wieder mit einer moderaten Zahl von ca. 180.000 neu geschaffene Stellen im Mai (180k im Mai nach 253k im April).

Da gerade zu Beginn des Sommers viele Servicekräfte in der Gastronomie, der Hotellerie und im Tourismus nachgefragt werden, könnte es hier zu einer positiven Überraschung kommen, was die Edelmetallpreise belasten könnte. Vor allem dann, wenn die erwarteten Lohnsteigerungen auf Jahresbasis mehr als um die prognostizierten 4,3 Prozent und auf Monatsbasis um mehr als 0,4 Prozent ansteigen würden.

Die nächste Leitzinsentscheidung der US-Notenbanksitzung findet am 14. Juni statt. Aktuell favorisieren die Terminmärkte (CME Group) eine weitere Zinsanhebung um 0,25 Prozentpunkte mit einer Wahrscheinlichkeit von 62,5 %.

Vor einer Woche waren es lediglich 28,1 Prozent der Anleger, die eine weitere Zinsanhebung erwarteten.

CME Hike Odds

(Quelle: FedWatch Tool; CME Group)

Eine nochmalige Zinsanhebung würde gleichwohl nicht nur dem US-Bankensystem, dem US-Gewerbeimmobilienmarkt und dem zu großen Teilen auf Pump finanzierten US-Konsum schaden, sondern auch die zinslosen Edelmetalle Gold und Silber nochmals unter Druck setzen.

Die wirtschaftlichen Kollateralschäden nehmen jedoch im Zuge der Zinsanhebungen bei gleichzeitiger Rekordverschuldung und Liquiditätsentzug durch den Abbau der Fed-Bilanzsumme immer mehr zu und provozieren einen größeren Unfall im Finanzsystem.

Daher bleiben Gold und Silber als Versicherung im Vermögensmix sinnvoll (Unfall mit Ansage).

Eine ausführliche Analyse zu Gold und Silber in diesem herausfordernden Umfeld folgt unter Einbeziehung der dramatischen Entwicklungen um die türkische Lira und das Abschmelzen der Devisenreserven der Türkischen Zentralbank, deren Geldpolitik als großer Nachfrager nach Gold als Devisenreserve auch für den Preis des gelben Edelmetalls von Relevanz ist.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von solider Anleger | 05.06.2023, 12:09 Uhr Antworten

Staatsbankrott abgewendet? Eindeutig Nein, denn letztendlich wird mit den neuen Schuöden nur die Zinsen getilgt. Der Staatsschuldensack für einen Bankrott wird immer größer und die Gläubiger sind zu bedauern. Logischerweise raus aus dem Dollar.

3 Antworten an solider Anleger anzeigen

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