Gold: 2.210,65 € -0,04 %
Silber: 26,62 € -0,15 %
Stand: 24.08.2023 von Hannes Zipfel
Wie erwartet gab es in Sachen goldgedeckter Gemeinschaftswährung auf dem 15. Gipfel der BRICS-Staaten noch keinen Durchbruch. Nicht einmal konkrete Pläne wurden präsentiert. Warum steigt der Goldpreis trotzdem?
Goldpreis steigt auch ohne BRICS-Währung

Goldgedeckte BRICS-Währung noch in weiter Ferne

Zweifellos hat mit der Erweiterung der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) um sechs weitere Staaten (Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Argentinien, Ägypten, Iran und Äthiopien) eine Zeitenwende begonnen.

Insgesamt wollen sich über 50 Staaten dem BRICS-Block anschließen.

Noch vor Kurzem waren es "nur" 40 Staaten, die ihr Interesse an einer Mitgliedschaft im Klub des globalen Südens bekundeten. Doch der Weg hin zu einer gemeinsamen Währung ist noch weit.

Die Einführung des Euro als Nachfolger des ECU (European Currency Unit) hat ganze acht Jahre gedauert (Start des Prozesses war 1992 mit dem Vertrag von Maastricht). In Sachen BRICS-Währung sind die ersten Schritte gemacht, aber von einer Golddeckung dieser Gemeinschaftswährung war auf dem Gipfel in Johannesburg wenig zu hören.

Vielmehr möchten die Mitglieder zunächst auf bilateraler Ebene oder auf Basis des chinesischen Yuan miteinander Handel treiben. Gold spielt als Zahlungsmittel zwischen den Schwellenländern noch eine stark untergeordnete Rolle.

Fakt ist aber auch, dass vor allem China, Russland und die arabischen Staaten eine goldgedeckte Währung anstreben und ihre Goldreserven in den letzten Jahren massiv aufgestockt haben. Das gilt sogar für das NATO-Land Türkei.

Die Intention dahinter ist nicht nur eine goldgedeckte Währung als Alternative im Falle einer Krise der Welthandels- und Leitwährung US-Dollar, sondern auch, um den eigenen Währungen mehr globale Anerkennung und Stabilität zu verleihen, um sie in Zukunft als Handels- und Reservewährung attraktiv und vertrauenswürdig zu machen.

Damit strebt der globale Süden mehr Macht und v. a. Autarkie an.

Der Ausschluss Russlands aus dem seit 50 Jahren global monopolistischen Zahlungssystem SWIFT wegen des Angriffs auf die Ukraine sowie die Beschlagnahmung russischer Devisenreserven in dreistelliger Milliardenhöhe, kombiniert mit massiven Wirtschaftssanktionen (inkl. Drittstaatensanktionen) durch den globalen Westen haben viele Schwellenländer aufgeschreckt und in die Arme des BRICS-Blocks getrieben.

Der wichtigste Faktor für den Goldpreis ist die Geldpolitik

Dass der Gold- und Silberpreis sich in den vergangenen Tagen deutlich nach oben bewegten, hatte ganz andere Gründe. Die gen Norden gerichtete Dynamik der Kurse beider Edelmetalle entwickelte sich sogar trotz des Anstiegs der Renditen (Kapitalmarktzinsen) und des US-Dollars, was normalerweise Gift für die Kurse beider Metalle ist.

Goldpreis und Silberpreis in US - Dollar im Vergleich.

Der Grund für den Anstieg waren eine Flut deutlich schlechter als erwarteter Konjunkturdaten aus den USA, China und der Euro-Zone, die bei den Anlegern die Erwartung einer schnellere als gedachten Rückkehr der beiden mächtigsten Notenbanken zu einer laxen Geldpolitik mit wieder sinkenden Zinsen weckte (U. S. Federal Reserve und Europäische Zentralbank).

Durch den Anstieg der letzten Handelstage schaffte es der Goldpreis, aus seinem kurzfristigen Abwärtstrend nach oben auszubrechen und sowohl die 1.900er US-Dollar-Marke pro Feinunze (31,1g) als auch die charttechnisch relevante gleitende 200-Tage-Durchschnittslinie hinter sich zu lassen:

Goldpreis in US-Dollar

Damit hat die Unterstützungslinie im Bereich von ca. 1.886 US-Dollar zunächst gehalten.

Rede von US-Notenbankchef am Freitag entscheidend

Neben dem BRICS-Meeting in Südafrika und den wichtigen wirtschaftlichen Frühindikatoren, den Einkaufsmanager-Indizes aus den USA, Deutschland und der Euro-Zone (die allesamt massiv enttäuschten), wird vor allem ein Termin darüber entscheiden, ob Gold und Silber ihre Aufwertung kurzfristig werden fortsetzen können: die Rede des US-Notenbankchefs Jerome Powell am Freitag um 16:00 Uhr MESZ in Jackson Hole, Wyoming anlässlich des 45. geldpolitischen Symposiums.

Hier trifft sich alljährlich das Who’s Who der wichtigsten Notenbanker, Ökonomen, Investoren und Finanzjournalisten. Ausgerichtet wird das Treffen von der Federal Reserve Bank of Kansas City (Kansas-Fed).

Schon des Öfteren gingen von den Reden der Notenbanker in Jackson Hole trendbestimmende Signale für Gold und Silber aus.

Die aktuelle Gemengelage mit nach wie vor steigenden Preisen und sich eintrübender Konjunkturdaten stellen die Geldpolitiker vor enorme Herausforderungen. In den G7-Staaten drohen Rezessionen und Preisanstiege die Gewinne der Unternehmen zu schmälern sowie eine Pleitewelle in besonders betroffenen Branchen, wie z. B. dem stationären Einzelhandel auszulösen.

Die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone, Deutschland, befindet sich bereits in der Rezession. Andere Mitgliedsstaaten, wie Frankreich, die Niederlande und Italien drohen zu folgen.

Weitere wichtige Daten am Freitag

Noch erwartet die Bundesregierung trotz Negativwachstum im ersten Halbjahr ein Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,2 Prozent für das Gesamtjahr 2023. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. (auch bekannt als ifo Institut) geht dagegen von einem Wirtschaftseinbruch in 2023 um 1,0 Prozent aus.

Am Freitagmorgen um 8:00 Uhr werden die endgültigen Zahlen für das deutsche BIP im zweiten Quartal veröffentlicht und mit -0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal erwartet. Im ersten Quartal 2023 gab es einen Wirtschaftsrückgang in gleicher Höhe.

Ebenfalls am Freitag um 10:00 Uhr werden frische Daten zum ifo-Geschäftsklimaindex veröffentlicht, einem der wichtigsten Konjunkturfrühindikatoren für die Bundesrepublik. Nach bereits drei Rückgängen in den Vormonaten wird für den August mit einem weiteren Rückgang von 87,3 Punkten im Juli auf nur noch 86,6 Punkte erwartet.

Die Frage ist nun, wird die Europäische Zentralbank, wie von deren Chefin Christine Lagarde angekündigt, die Zinsen und damit die allgemeinen Kreditkosten weiter erhöhen oder ist der Zinserhöhungszyklus zu Ende. Auch Madame Lagarde wird sich in Jackson Hole zur Inflation, dem Wirtschaftsausblick und der Geldpolitik äußern.

Ihr Amtskollege Jerome Powell von der US-Fed hat bereits angekündigt, nur noch datenabhängig zu agieren. Sollte sich der Strom negativer Meldungen aus der Wirtschaft tendenziell fortsetzen, könnten sich die zinslosen und als sichere Häfen geltenden Edelmetalle im Herbst weiter verteuern.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von solider Anleger | 24.08.2023, 21:30 Uhr Antworten

„Warum steigt der Goldpreis trotzdem?“

Antworten teils am Thema weit vorbei. Hätte bessere Erklärung erwartet, siehe RSI, Momentum und MACD. Kann nur besser werden!

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