Gold: 2.242,15 € 0,93 %
Silber: 29,67 € 2,45 %
Stand: 13.05.2024 von Hannes Zipfel
In den kommenden Handelstagen stehen wichtige Wirtschaftsdaten auf der Agenda. Neben frischen Inflationszahlen und Einzelhandelsumsätzen aus der weltweit größten Ökonomie, den USA, meldet sich auch der einflussreichste Notenbanker der Welt, US-Fed-Chef Jerome Powell, zu Wort. Insgesamt sind zwölf Termine für Reden von Fed-Gouverneuren angesetzt.
Spannende Woche: US-Wirtschaft im Fokus

Für die Finanzmärkte, auch für die Edelmetallmärkte, steht dabei viel auf dem Spiel. Mittlerweile senden sowohl die US-Konsumenten als auch der US-Arbeitsmarkt sehr deutliche Schwächesignale wegen der anhaltend hohen Zinsen bei gleichzeitiger Rekordverschuldung aus.

Doch die hartnäckige Inflation zwingt die US-Notenbank zur Beibehaltung ihrer restriktiven Geldpolitik, was Zinssenkungen verhindert.

Das Ergebnis könnte erneut eine Stagflation sein (Inflation und wirtschaftliche Stagnation). Eine der ungemütlichsten ökonomischen Szenarien, von dem in der Historie Gold profitierte und das auch die US-Präsidentschaftswahlen Anfang November stark beeinflussen könnte.

Ausgesuchte kursrelevante Termine für Gold, Silber & Co. in der 20. Börsenwoche 2024:

  • Montag: Wirtschaftsprognosen der Europäischen Union zu den einzelnen Mitgliedsstaaten sowie der EU insgesamt (11:00 Uhr), Reden von Fed-Gouverneur Jefferson und Offenmarktausschuss-Mitglied Mester (15:00 Uhr MESZ).
  • Dienstag: ZEW-Konjunkturerwartungen Deutschland für Mai (11:00 Uhr | e: 44,9 | April: 42,9), ZEW-Konjunkturerwartungen Euro-Zone für Mai (11:00 Uhr | e: 46,1 | April: 43,9), Optimismus kleinerer US-Unternehmen (NFIB) im April (12:00 Uhr MESZ | e: 88,1 | März: 88,5), US-Erzeugerpreis-Index für April im Jahresvergleich (14:30 Uhr MESZ | e: +2,3 % | März: +2,1 %), US-Notenbankchef Jerome Powell äußert sich zur Konjunktur, der Inflation und der US-Geldpolitik (16:00 Uhr MESZ), Rede von Fed-Gouverneurin Cook (15:15 MESZ).
  • Mittwoch: Vorl. Bruttoinlandsprodukt der Eurozone im Q1"24 gegenüber Vorquartal (11:00 Uhr | e: +0,3 % | Q4"23: -0,1 %), US-Verbraucherpreisinflation im April gegenüber Vorjahresmonat (14:30 Uhr MESZ | e: 3,4 % | März: 3,5 %); im April gegenüber Vormonat (14:30 Uhr MESZ | e: 0,4 % | März: 0,4 %), US-Einzelhandelsumsätze (nominal) im April gegenüber Vormonat (14:30 Uhr MESZ | e: 0,2 % | März: 1,1 %).
  • Donnerstag: Vorl. Bruttoinlandsprodukt Japans im Q1"24 gegenüber Vorquartal (1:50 Uhr MESZ | e: -0,4 % | Q4"23: 0,1 %), Ergebnis der Überprüfung der Finanzstabilität in der Eurozone (10:00 Uhr | EZB), U. S. Philly Fed Herstellungsindex für Mai (14:30 MESZ | e: 7,7 | April: 15,5), Rede von Fed-Vize Barr (16:00 Uhr MESZ), Rede von Offenmarktausschuss-Mitglied Harker (16:30 Uhr MESZ), Rede von Offenmarktausschuss-Mitglied Bostic (21:50 Uhr MESZ).
  • Freitag: US-Konjunkturfrühindikatoren im April (16:00 Uhr MESZ | e: -0,3 % | März: -0,3 %), Rede von US-Notenbank-Gouverneur Waller (16:15 Uhr MESZ), Terminmarktdaten der US-Aufsichtsbehörde CFTC (COT-Report) für Gold, Silber, Platin und Palladium (21:30 Uhr MESZ).

Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.

Das Dilemma der US-Notenbank

Die Geldpolitiker in der nominal größten Volkswirtschaft der Welt, den USA, sind wahrlich nicht zu beneiden. Aktuell stehen sie von zwei Seiten massiv unter Druck:

  • Zum einen verharrt die Inflationsrate trotz massiver Zinsanhebungen und dem Entzug von Liquidität aus der Wirtschaft und den Finanzmärkten mit aktuell 3,5 Prozent deutlich über der Zielmarke von ca. 2,0 Prozent pro Jahr.
  • Zum anderen hinterlassen die höheren Zinsen (Kreditkosten) immer tiefere Spuren, vor allem bei den hoch verschuldeten unteren Einkommensschichten sowie den KMUs (kleine und mittelständische Unternehmen).

Die am vergangenen Freitag veröffentlichten Daten der Universität von Michigan (University of Michigan) zum US-Verbrauchervertrauen für den Monat Mai stürzten regelrecht ab, nachdem die Zinsen wieder signifikant anstiegen und somit die Kreditkosten erneut auf den Stand der Weltfinanzkrise ab 2008 nach oben trieben:

USA: Konsumentenvertrauen (Daten der Uni Michigan)

Gleichzeitig stieg die Inflationserwartung der Konsumenten, die als Motor der US-Wirtschaft gelten, von zuvor 3,2 Prozent pro Jahr auf 3,5 Prozent pro Jahr an:

USA: Inflationserwartungen (Daten der Uni Michigan)

Aus dieser Gemengelage von im Trend wieder anziehenden Inflationserwartungen und sinkendem Konsumentenvertrauen ergibt sich für die US-Notenbank eine schwierige Situation. In Anbetracht der Rekordzinszahlungen US-amerikanischer Schuldner (in ihrer Gesamtheit) von über 5 Billionen US-Dollar in diesem Jahr müsste die Fed die Kreditkosten und somit ihre Leitzinsen eigentlich senken.

Aber ihrem Mandat zur Wahrung der Preisstabilität wird sie bei der jetzigen Preisanstiegsdynamik nicht gerecht: Das Inflationsziel liegt 150 Basispunkte niedriger bei 2,0 Prozent pro Jahr.

US-Konjunktur droht Schwächeanfall bei Rekordverschuldung

Besonders wirtschaftlich schwächere Haushalte und Unternehmen kommen nun erneut von zwei Seiten unter Druck; weiter steigende Preise und deutlich gestiegene Kreditkosten.

Die Situation verschärft sich dadurch, dass immer mehr US-Amerikaner auf Pump leben und sich die Gesamtverschuldung gegenüber der Weltfinanzkrise mehr als verdoppelt hat.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) konnte dabei kaum mit der Schuldenentwicklung mithalten.

Mit zum Schuldenanstieg beigetragen hat zuletzt auch die geopolitisch erzwungene, gleichwohl volkswirtschaftlich wenig produktive Explosion der Rüstungsausgaben. Waffen und Munition gelten als reine Abschreibungsobjekte ohne produktiven Charakter. Rüstungsausgaben sind daher rein konsumtiver Natur, die lediglich kurzfristig in der Phase des Ausbaus der Produktions-kapazitäten zu Wachstum durch Investitionen und Personalaufbau führen. Die hergestellten Rüstungsgüter produzieren anschließend jedoch nichts, sondern sind zum Großteil der Vernichtung preisgegeben – mit unsicherem Ausgang auf dem Schlachtfeld.

Keine einfache Situation für die US-Geldpolitiker – vor allem in einem Präsidentschaftswahljahr, wo zusätzlich zum Teil indirekt, zum Teil aber auch ganz offen politischer Druck auf die Notenbanker ausgeübt wird, die Stimmung der Konsumenten und Wähler nicht zu belasten.

Zumal auch der Arbeitsmarkt zuletzt deutlich enttäuschte: Im Monat April (Veröffentlichung im Mai) wurden nur noch 175.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft (NFP) geschaffen. Erwartet wurde ein Zuwachs von 238.000 nach 315.000 Stellen im März. Der April gilt eigentlich im Zuge der Frühjahrsbelebung als Jobmotor.

USA: Beschäftigte außerhalb der Landwirtschaft (NFP)

Sollte sich dieser eingetrübte Trend am Arbeitsmarkt, der als konjunktureller Spätindikator gilt, bei gleichzeitig hartnäckig hoher Inflation fortsetzen, hätte die US-Notenbank im Präsidentschaftswahljahr ein echtes Problem.

Gold stabil nahe Rekordnotierungen

Der Preis des gelben Edelmetalls konnte von dem ungünstigen Datenmix profitieren und sich zuletzt in der Nähe seiner Allzeithochs stabilisieren. Dadurch entwickelt sich eine Seitwärtskonsolidierung auf hohem Niveau.

Eine Feinunze (31,1 Gramm) kostet in der Gemeinschaftswährung aktuell ca. 2.171 Euro:

Goldpreis in Euro pro Feinunze

In US-Dollar müssen am Spot-Markt momentan 2.343,47 pro Unze bezahlt werden. Eine größere Korrektur unter die wichtige Marke von 2.200 US-Dollar blieb nach dem steilen Anstieg im März und April auch in der Weltleitwährung bislang aus:

Goldpreis in US-Dollar pro Feinunze

Neben dem zunehmenden Risiko einer Stagnation in den USA sind dafür nach wie vor die umfangreichen Käufe der Zentralbanken, allen voran der Peoples Bank of China (PBOC) verantwortlich, die in erster Linie auf geopolitische Entwicklungen zurückzuführen sind.

Die anhaltenden weltweiten Konflikte, gepaart mir den unsicheren ökonomischen Perspektiven in den USA, Japan und China dürften den Goldpreis auch weiterhin in hohen Preisregionen verharren lassen.

Schafft die neue Börsenwoche Klarheit?

Erfahrungsgemäß bringt eine Woche, vollgestopft mit wichtigen Konjunkturdaten und öffentlichen Äußerungen von Notenbankern, mehr Unsicherheit als Orientierung.

Dies liegt an den oft widersprüchlichen Aussagen der Geldpolitiker, die Anhänger unterschiedlicher ökonomischer Denkrichtungen sind und aus verschiedenen Positionen heraus eher klar oder eher diplomatisch diffus argumentieren.

In die letzte Kategorie dürfte der US-Notenbankchef Jerome Powell fallen, der sich am Dienstag um 16:00 Uhr MESZ zur aktuellen Konjunkturlage und der geldpolitischen Ausrichtung der von ihm geführten Institution äußern wird.

Der von unterschiedlichen Seiten auf ihn einwirkende Druck wird aber wohl dazu führen, dass die Fed handlungsunfähig bezüglich einer Zinswende bleibt und die Aussagen Powells wenig Klarheit bringen dürften.

Mehr Orientierung könnten die ökonomischen Fakten liefern, sofern man den staatlichen Statistiken in einem Wahljahr bedingungslos vertraut. Wichtig werden hier vor allem die Entwicklung der US-Produzentenpreise am Dienstag sowie die US-Einzelhandelsumsätze und die US-Inflationsdaten jeweils am Mittwoch.

Die kurzfristige Schwankungsbreite des Goldpreises dürfte in dieser Woche, abhängig von den Daten und Notenbanker-Statements, hoch sein.


Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von solider Anleger | 19.05.2024, 16:04 Uhr Antworten

Wer gibt einem hochverschuldeten Land schon gegen niedrige Zinsen einen Kredit? Die Träume davon werden den $ zerreißen. Nichts Neues im Westen und Goldanleger können ganz beruhigt schlafen, Schön wenn Silber auch endlich mal wieder nach langer Zeit auferstanden ist. Sicherlich in volatiler Zeiten was für die Rendite, aber Kaufaufschläge des Verkäufer wollen erstmal verdient sein.

von Zinseszins | 13.05.2024, 20:15 Uhr Antworten

Nachdem es den Exponenten zerrissen hat, folgt eine lange Phase der Ruhe. Interessant dabei: Neutrinos sind in der Praxis schneller als Licht. Photonen interagieren zu viel mit was auch immer ihnen im Weg ist. Wir werden ES also erst sehen, wenn es schon zu spät ist. Zum Glück haben wir Herrn Zipfel, der unsere Sinne schärft: Auf den Exponenten kommt es an. Und den kann man sich auf einem Blatt Papier wunderbar veranschaulichen! (Fakultät ist auch nicht zu vernachlässigen)!

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