Stand: 21.08.2020
Bargeld ist in Deutschland beliebt wie in kaum einem anderen Land. Dennoch werden auch hier die Möglichkeiten der Barzahlung sukzessive eingeschränkt, Stichwort: Bargeld Obergrenzen. Wo liegen die Limits aktuell, wie war die Entwicklung, wie sieht es in anderen europäischen Ländern aus?
Das Wichtigste in Kürze
  • Keine allgemeine Bargeld-Obergrenze in Deutschland
  • Ab bestimmten Beträgen müssen Verkäufer aber Identität feststellen
  • Ab 2.000 Euro bei Edelmetallen und Diamanten
  • Ab 10.000 Euro bei allen anderen Gütern
  • In vielen anderen Ländern strengere Bestimmungen
Bargeld Obergrenzen

Was heißt eigentlich "Bargeld Obergrenze"?

Damit ist das Limit gemeint, bis zu dem Bargeldzahlungen allgemein erlaubt sind.

In Deutschland gibt es derzeit keine allgemeine Beschränkung der Barzahlung. Man kann also auch große Geschäfte bar abwickeln, etwa den Kauf einer Immobilie.

Viele andere Länder sind da deutlich restriktiver. In Italien etwa gilt die Grenze von 2.999.- Euro. Ist der Betrag größer, darf in Italien nicht bar bezahlt werden.

Unterschied Obergrenze anonyme Barzahlung

Dies meint jene Summe, bis zu der bar bezahlt werden kann ohne dass ein Verkäufer oder Händler verpflichtet ist, die Identität des Zahlenden festzustellen. Häufig liegt diese Grenze deutlich tiefer als bei der allgemeinen Bargeld Obergrenze. Es gilt dann: Wer einen höheren Betrag in bar zahlen will, kann das tun, muss sich aber dann ausweisen.

In Deutschland liegt die aktuelle Obergrenze für anonyme Barzahlung bei 9.999.- Euro.

Unterschied anonymes Tafelgeschäft bei Edelmetallen

Beim anonymen Kauf von Edelmetallen wie Gold oder Silber ist die Grenze oftmals noch enger gezogen. In Deutschland etwa gilt aktuell die Obergrenze von 1.999.- Euro. Warum das Limit beim Edelmetallkauf seit Jahren immer weiter heruntergesetzt wird, die Hintergründe hierzu sowie den Gesetzgebungsprozess hat GOLD.DE hier dokumentiert: Stirbt der anonyme Goldkauf?

Wer für eine höhere Summe Gold oder Silber bar kaufen will, kann das natürlich tun, aber dann ist der Edelmetallhändler verpflichtet, die Identität des Käufers festzustellen. Man muss dann seinen Ausweis vorlegen. Mehr: Gold anonym kaufen - was erlaubt ist, was nicht

Bargeld Obergrenzen in Deutschland

  • Es gibt keine allgemeine Höchstgrenze für Bargeldzahlungen
  • Wer Beträge über 9.999.- Euro in bar bezahlen möchte muss sich aber ausweisen
  • Wer Gold oder Edelmetall über 1.999.- Euro in bar bezahlen möchte, muss sich ebenfalls ausweisen

Bargeld Obergrenzen in Europa

Stand: August 2020, Auflistung nach Ländern alphabetisch sortiert

Land Gesetzliche Obergrenze für Barzahlungen1
Belgien Gesetzliche Obergrenze bei 3000 Euro; grundsätzliches Verbot von Barzahlungen bei Immobilienkäufen.
Bulgarien Gesetzliche Obergrenze bei 9.999 Bulgarischen Lew (ca. 5.100 Eur)
Dänemark Keine gesetzliche Obergrenze bei Waren. Bei Dienstleistungen teilweise Einschränkungen ab 10.000 Dänische Kronen.
Estland Ablehnung von Bargeld ab 50 Geldstücken oder Geldscheinen zulässig. Gilt allerdings nicht für Banken.
Finnland Keine gesetzliche Obergrenze; keine Verpflichtung zur Annahme von Bargeld für Händler.
Frankreich Gesetzliche Obergrenze 1.000 Euro für Franzosen, 10.000 Euro für Ausländer. Zahlungen von privat an privat sind ausgenommen, hier muss aber ab 1.500 EUR eine Rechnung ausgestellt werden zum Nachweis
Griechenland Gesetzliche Obergrenze bei 500 Euro; Käufe von Fahrzeugen sind ausgenommen.
Irland Keine gesetzliche Obergrenze
Island Keine gesetzliche Obergrenze
Italien Gesetzliche Obergrenze bei 2.999 Euro.
Kroatien Gesetzliche Obergrenze bei 15.000 Euro.
Lettland Keine gesetzliche Höchstgrenze für Barzahlung
Litauen Keine Höchstgrenze für Barzahlung
Luxemburg Keine Höchstgrenze für Barzahlung
Malta Keine Höchstgrenze für Barzahlung
Niederlande Keine Höchstgrenze für Privatpersonen; Verpflichtung zur Meldung "verdächtiger Zahlungen" ab 2000 Euro für Banken, Casinos, Versicherer etc.
Norwegen Keine Obergrenze für Waren. Bei Dienstleistungen ab 10.000 Norwegischen Kronen teilweise Einschränkungen
Österreich Keine Höchstgrenze für allgemeine Bargeldzahlungen. Für anonymen Goldkauf gilt die Obergrenze von 9.999.- EUR
Polen Gesetzliche Obergrenze 15.000 Euro
Portugal Gesetzliche Obergrenze bei 1.000 Euro; Zahlungen von privat an privat sind ausgenommen
Rumänien Gesetzliche Obergrenze bei 10.000 Rumänischen Leu (RON) pro Tag und Person.
Schweden Keine gesetzliche Obergrenze; vertragliche Ablehnungen von Bargeld als Zahlungsmittel zulässig.
Schweiz Keine gesetzliche Grenzen. Ab 100.000 CHF Barzahlung sind Händler aber verpflichtet, die Identität des Käufers festzustellen. Bei Edelmetallkauf ab 15.000 CHF
Slowakei Gesetzliche Obergrenzen bei 15.000 Euro für Verbraucher (privat an privat); bei 5.000 für Händler und Kaufverträge zwischen Händlern und Verbrauchern.
Slowenien Keine gesetzliche Obergrenze
Spanien Gesetzliche Obergrenze 2.500 Euro für Spanier, 15.000 Euro für Ausländer.
Tschechien Gesetzliche Obergrenze bei 350.000 Tschechische Kronen (ca. 13.000 EUR)
Ungarn Keine gesetzliche Obergrenze für Verbraucher; Limit bei 1,5 Millionen Ungarischen Forint (ca. 5000 Euro) für mehrwertsteuerpflichtige Einzelpersonen, Unternehmerverbände und juristische Personen.
Vereinigtes Königreich Keine gesetzliche Obergrenze. Händler, die Barzahlungen über €15.000 Euro annehmen, müssen sich dafür registrieren lassen.
Zypern Keine Höchstgrenze für Barzahlungen

Bargeld Mitnahme beim Grenzübertritt

Auch für die erlaubte Menge an Bargeld, die beim Übertritt über eine Grenze mitgeführt werden darf, gibt es Regelungen. Innerhalb der EU muss auf Nachfrage des Zöllners wahrheitsgemäß mündlich Auskunft gegeben werden, es gibt aber keine Obergrenzen.

Bei Staaten, die nicht zur EU gehören, sind die Regelungen strenger. Barmittel im Gesamtwert von 10.000 Euro oder mehr müssen vor der Ein- oder Ausreise schriftlich beim Zoll angemeldet werden. Das Formular gibt es hier: "Anmeldung von Barmitteln“

Limits und Kosten beim Bargeld abheben

Das Limit beim Bargeld abheben ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt und hängt vom Kreditinstitut und vom Kartentyp (Visa Card, Girocard / EC-Karte etc.) ab. Typischerweise unterscheiden die Banken zwischen einem Tages- und einem Wochenlimit für Bargeldabhebungen. Ob den Bankkunden eine individuelle Anpassung der Obergrenze gestattet wird, liegt im Ermessen der Bank beziehungsweise des Herausgebers der Karte.

Bei der Hausbank sowie den dazu gehörenden Bankautomaten ist Bargeldabhebung in der Regel kostenlos. Auch viele Supermärkte bieten inzwischen diesen Service kostenlos an. Wer bei fremden Banken oder im Ausland Bargeld abheben möchte, muss aber meist mit Kosten rechnen.

Warum gibt es überhaupt Obergrenzen?

Hintergrund ist der Kampf gegen organisierte Kriminalität, Geldwäsche und Terrorismusfinazierung. Unzweifelhaft ist, dass Bargeld als Bezahlung für kriminelle Handlungen sehr beliebt ist. Es hinterlässt keine Spuren, und es lässt sich gut waschen. Geldwäsche ist nötig, denn wer ein Vermögen angehäuft hat durch illegale "Aktivitäten" wie Erpressung, Diebstahl, Menschenhandel, Drogenverkauf oder Schwarzarbeit, der ist gezwungen zumindest einen Teil dieses Geldes irgendwann wieder dem offiziellen Geldkreislauf zurückführen. Man muss ja vor dem Finanzamt glaubhaft erklären, woher das Geld für die Luxusvilla kommt.

Genauso unzweifelhaft ist aber auch, dass es andere Möglichkeiten gibt um illegale Tätigkeiten zu "entlohnen". Und dass mit zunehmender Einschränkung oder gar Abschaffung der Barzahlung der Bürger immer gläserner wird und dessen Abhängigkeit von Banken wächst. Bestimmte Interessengruppen haben durchaus ein Interesse, den bargeldlosen Zahlungsverkehr so weit wie möglich als Standard zu etablieren. Dazu zählen Banken, die Finanzindustrie oder auch die Werbebranche. Das Thema wird also kontrovers diskutiert. Mehr: Bargeldabschaffung - die Diskussion, die Hintergründe

Dieser Kampf gegen Geldwäsche hat seinen Niederschlag gefunden in den EU-Richtlinien zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, salopp auch Geldwäschegesetz genannt ("GWG"). Jeder Mitglieds-Staat ist verpflichtet, diese Richtlinien auf nationaler Ebene in Gesetze und Regelungen umzusetzen. Auch Nicht-EU Staaten haben das Thema natürlich auf der Agenda, mit teils ähnlichen Regelungen, wie etwa die Schweiz.

In diesem Zusammenhang darf übrigens auch die Abschaffung des 500 Euro Scheins gesehen werden. Es ist zwar noch gültiges Barzahlungsmittel, wird aber nach und nach aus dem Verkehr gezogen.

Bargeld: Die Vorteile, die Nachteile

Vorteile

  • Es gehört einem
  • Banken haben keine Verfügungsgewalt darüber (Stichwort Negativzins)
  • Anonymität
  • unabhängig von technischen Voraussetzungen
  • Manchmal Skonto möglich bei sofortiger Barzahlung (Rabatt, Preisnachlass)
  • Man gerät nicht so leicht in die Verschuldungsfalle (Dispo)

Nachteile

  • Beliebt in der kriminellen Schattenwirtschaft
  • Unsicherer, weil attraktiver für Räuber
  • Viel Kleingeld im Geldbeutel ist unpraktisch
  • Viele Menschen empfinden Bargeld als unhygienischer
  • Auch Bargeld muss besorgt werden (="Geld abheben" am Bankautomat etc.)

Was heißt überhaupt "Bargeld"?

Darunter versteht man Geld, das man anfassen kann und was als gesetzliches Zahlungsmittel definiert ist. Bargeld sind also Münzen und Scheine. Im Gegensatz hierzu steht das Giralgeld oder Buchgeld. Also Geld, was nur als virtuelle Buchung existiert, etwa auf Bankkonten.

Bargeld wird von den Zentralbanken geschaffen und über Geschäftsbanken in Umlauf gebracht. Für Deutschland und den EU-Raum ist das die Europäische Zentralbank (EZB). Sie hat das ausschließliche Recht, Euro-Banknoten innerhalb der EU zu genehmigen und zusammen mit den nationalen Zentralbanken auszugeben. Die Euroscheine werden auf der Passivseite der Zentralbank-Bilanz ausgewiesen, sie stellen somit eine Forderung an das Zentralbanksystem dar. Die Ausgabe von Euro-Münzen obliegt den Mitgliedstaaten.

Interessant in diesem Zusammenhang ist übrigens ein immanenter rechtlicher Widerspruch. "Gesetzliches Zahlungsmittel" bedeutet ja, dass jeder, der privat oder gewerblich eine Ware oder Dienstleistung verkauft, verpflichtet ist, Bargeld vom Käufer anzunehmen als Schuldbegleichung. Das Gesetz spricht hier auch von einem schuldbefreienden Annahmezwang. Bei Banknoten ist diese Annahmepflicht unbegrenzt. Bei Münzen auf maximal 50 Münzen begrenzt.

Beispielhaft den Finger in diese Wunde gelegt hat hier der bekannte Wirtschaftsjournalist Norbert Häring, der juristisch durchsetzen will, seine GEZ Gebühr in bar begleichen zu dürfen. Aktuell liegt der Fall beim zuständigen europäischen Gerichtshof. Zu den möglichen rechtlichen Folgen spekuliert Häring in seinem Blog wie folgt:

"Es würde bedeuten, dass auch Finanzämter und andere Behörden die Annahme von Bargeld nicht länger verweigern dürfen. Über der Rechtmäßigkeit der in einigen Ländern der EU eingeführten Barzahlungsobergrenzen würde ein sehr großes Fragezeichen auftauchen."

Mehr zum aktuellen Stand hier: Norbert Härings Bargeld Prozess

Quellen:

(1) Europäisches Verbraucherzentrum Deutschland / Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz e. V., www.evz.de

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von oribasius | 09.07.2020, 15:29 Antworten

Wir Alle bewegen uns in einer gefährlichen Zeit, welche unbestritten nicht nur gute Veränderungen mit sich bringt. Globalität bedeutet nicht nur mehr Produktivität sondern auch mehr Risiko. Spätestens seit 2008 wissen kluge Staaten, dass das eigene Sicherheitsnetz nicht mehr ausreicht.

Dumme Staaten haben haben diese elementare Erkenntnis leider auch im Jahr 2020 immer noch nicht begriffen.

Grund genug sich abzusichern. Was der Staat dann mit den Besitzrechten von Edelmetall oder Diamatenkäufer anstellt bleibt dahingestellt. Mit Sicherheit aber dürfen wir davon ausgehen, dass in Krisenzeiten auch Rücklagen nicht mehr sicher sein werden. Es liegt an jedem Anleger selbst wie er sich diesen Herausforderungen einmal stellen und bewältigen wird.
Eines ist jedoch sicher: "die Klugen werden sich zu schützen wissen..."

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