Stand: 18.07.2018 0 Kommentare

Bargeld ist in Deutschland nach wie vor so beliebt wie in kaum einem anderen europäischen Land. Obergrenzen für Barzahlungen existieren hierzulande bisher nur für anonyme Bargeschäfte ab 10.000 Euro. Die Einfuhr aus Ländern außerhalb der EU ist ab 10.000 Euro schriftlich meldepflichtig. Die Verausgabung von Banknoten in Deutschland obliegt der Bundesbank, die Münzprägung wird vom Bundesfinanzministerium in Auftrag gegeben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Keine allgemeine Bargeld-Obergrenze in Deutschland
  • Anonyme Barzahlungen bis 9.999,99 Euro möglich
  • Anlagegold ist Mehrwertsteuer frei
  • Bargeldeinführungen ab 10.000 Euro von außerhalb der EU anmeldepflichtig
  • Banknotenmonopol bei der Deutschen Bundesbank
  • Bundesfinanzministerium für Verausgabung von Münzen verantwortlich

Bargeld Obergrenzen in Deutschland und Europa

Die Forderungen nach einer gesetzlichen Obergrenze für Bargeldzahlungen werden von Ökonomen und Politikern in Deutschland immer wieder vorgetragen.

Tatsächlich gehört Deutschland innerhalb der Europäischen Union zu einer Minderheit von nur fünf Staaten, in denen es keinerlei Form eines Limits für Barzahlungen gibt. In den meisten europäischen Ländern gelten entweder feste Obergrenzen oder partielle Einschränkungen für Barzahlungen.


Land Gesetzliche Obergrenze für Barzahlungen
Deutschland Keine gesetzliche Obergrenze
Österreich Keine gesetzliche Obergrenze
Island Keine gesetzliche Obergrenze
Slowenien Keine gesetzliche Obergrenze
Zypern Keine gesetzliche Obergrenze
Irland Keine gesetzliche Obergrenze; in der Praxis lehnen Händler oft größere Bargeldsummen ab.
Vereinigtes Königreich Keine gesetzliche Obergrenze; Händler, die Barzahlungen über €15.000 Euro annehmen, müssen sich dafür registrieren lassen.
Norwegen Keine gesetzliche Obergrenze; teilweise Einschränkungen bei Dienstleistungen ab 10.000 Norwegischen Kronen
Schweden Keine gesetzliche Obergrenze; vertragliche Ablehnungen von Bargeld als Zahlungsmittel zulässig.
Finnland Keine gesetzliche Obergrenze; keine Verpflichtung zur Annahme von Bargeld für Händler.
Estland Keine gesetzliche Obergrenze; Ablehnung von Bargeld ab 50 Euro zulässig, allerdings nicht für Banken.
Ungarn Keine gesetzliche Obergrenze für Verbraucher; Limit bei 1,5 Millionen Ungarischen Forint Euro für mehrwertsteuerpflichtige Einzelpersonen und juristische Personen.
Niederlande Keine gesetzliche Obergrenze; Verpflichtung zur Meldung "verdächtiger Zahlungen" ab 2000 Euro für Banken, Casinos, Versicherer etc.
Dänemark Keine gesetzliche Obergrenze; teilweise Einschränkungen bei Dienstleistungen ab 10.000 Dänischen Kronen.
Belgien Gesetzliche Obergrenze bei 3000 Euro; grundsätzliches Verbot von Barzahlungen bei Immobilienkäufen.
Frankreich Gesetzliche Obergrenze bei 1.000 Euro für Franzosen und bei 10.000 Euro für Ausländer; Zahlungen von privat an privat sind ausgenommen.
Spanien Gesetzliche Obergrenze bei 2.500 Euro für Spanier und bei 15.000 Euro für Ausländer.
Portugal Gesetzliche Obergrenze bei 1.000 Euro; Zahlungen von privat an privat sind ausgenommen.
Italien Gesetzliche Obergrenze bei 2.999 Euro.
Kroatien Gesetzliche Obergrenze bei 15.000 Euro.
Griechenland Gesetzliche Obergrenze bei 15.000 Euro; Käufe von Fahrzeugen sind ausgenommen.
Bulgarien Gesetzliche Obergrenze bei 14.999 Bulgarischen Lew.
Rumänien Gesetzliche Obergrenze bei 10.000 Rumänischen Leu pro Tag und Person.
Slowakei Gesetzliche Obergrenzen bei 15.000 Euro für Verbraucher (privat an privat); bei 5.000 für Händler und Kaufverträge zwischen Händlern und Verbrauchern.
Tschechien Gesetzliche Obergrenze bei 350.000 Tschechischen Kronen
Polen Gesetzliche Obergrenze bei 15.000 Euro

9.999,99 Euro - die Grenze für anonyme Bargeschäfte

In Deutschland existiert kein Limit für Barzahlungen, es gibt jedoch eine Obergrenze für anonym getätigte Käufe, die bei 9.999,99 Euro liegt. Wer beispielsweise ein Auto, Gold oder Silber für 10.000 Euro oder mehr in bar kauft, muss sich grundsätzlich ausweisen.

Rechtliche Grundlage für diese Regelung ist das verschärfte Geldwäschegesetz auf Basis der die 4. Geldwäscherichtlinie der EU. Die Richtlinie wurde von Deutschland im Juni 2017 in nationales Recht übersetzt.

Der Verkäufer, im Sinne des Geldwäschegesetzes ein Verpflichteter, muss die folgenden Daten des Käufers dokumentieren:

  • Name
  • Geburtsdatum
  • Geburtsort
  • Staatsangehörigkeit
  • Anschrift

Obergrenzen und Kosten beim Bargeld abheben

Das Limit beim Bargeld abheben ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt und hängt vom Kreditinstitut und vom Kartentyp (Visa Card, Girocard / EC-Karte etc.) ab.

Typischerweise unterscheiden die Banken zwischen einem Tages- und einem Wochenlimit für Bargeldabhebungen. Ob den Bankkunden eine individuelle Anpassung des Limits gestattet wird, liegt im Ermessen der Bank beziehungsweise des Herausgebers der Karte.

Einführen von Bargeld nach Deutschland

Bei der Einfuhr oder Ausfuhr von Bargeld und gleichgestellten Zahlungsmitteln (außer Kurs gesetzte Banknoten und Münzen, zum Beispiel D-Mark) nach Deutschland wird zwischen EU-Staaten und Staaten außerhalb der Europäischen Union unterschieden.

Reisen Sie in einen EU-Staat aus oder aus einem EU-Staat ein, müssen Sie auf Nachfrage des Zollbeamten mündlich wahrheitsgemäße Auskünfte geben.

Bei Staaten außerhalb der EU gelten strengere Regelungen. Barmitteln im Gesamtwert von 10.000 Euro oder mehr müssen Sie vor der Ein- oder Ausreise schriftlich mit dem Vordruck „Anmeldung von Barmitteln“ beim Zoll anmelden.

Zuwiderhandlungen werden mit hohen Geldbußen geahndet. Die Anmeldepflicht stellt keine Obergrenze dar. Gesetzliche Grundlage für die Einfuhr und Ausfuhr von Barmitteln ist §12a des Zollverwaltungsgesetzes.

Argumente für und gegen die Obergrenze von Barzahlungen

Befürworter einer Einschränkung von Barzahlungen, wollen mit der Einschränkung von Barzahlungen einen Beitrag zur Bekämpfung der Geldwäsche, Terrorfinanzierung und Schwarzarbeit leisten.

Dasselbe Argument wird die inzwischen beschlossene Einstellung der Produktion von 500-Euro-Banknoten Ender 2018 vorgebracht.

Existierende 500-Euro scheine werden ab diesem Zeitpunkt ihren Status als gesetzliches Zahlungsmittel nicht verlieren, sondern kontinuierlich aus dem Verkehr gezogen und nicht mehr ersetzt.

Gegner einer Obergrenze bezweifeln allerdings die Verfassungsmäßigkeit der Bargeldbeschränkung, da sie einen nicht gerechtfertigten Eingriff in die Freiheitsrechte der Bürger darstellen würde.

Andere Kritiker betonen die Bedeutung der Barzahlungen in Deutschland, die mehr als 70 Prozent der Transaktionen an Verkaufsstellen ausmachen und dabei für mehr als 50 Prozent des Umsatzes verantwortlich sind.

Auch die Legitimität des Arguments, mit einer Bargeld Obergrenze ließe sich Geldwäsche und Terrorfinanzierung eindämmen, wird angezweifelt, da Geldwäsche schon heute auch auf elektronischem Weg stattfindet.

Welches Bargeld ist in Deutschland als Zahlungsmittel zulässig?

Deutschland ist Mitglied der 19 Länder umfassenden Eurozone, die im Jahr 2002 durch die 3. Stufe der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion ins Leben gerufen wurde.

In diesen Ländern ist die Gemeinschaftswährung Euro das gesetzliche Zahlungsmittel. Münzen und Banknoten der Vorgängerwährung Deutsche Mark sind allerdings in Deutschland nach wie vor umtauschbar. Für Barzahlungen stehen die folgenden Banknoten und Euromünzen zur Auswahl:

Euro-Banknoten Euro-Umlaufmünzen
5 Euro 1 Cent
10 Euro 2 Cent
20 Euro 5 Cent
50 Euro 10 Cent
100 Euro 20 Cent
200 Euro 50 Cent
500 Euro (Produktionsstopp 2018) 1 Euro
2 Euro

Banknoten der Bundesrebuplik Deutschland


Nationale Münz-Seiten der BRD Umlaufmünzen


Münzen der Bundesrebuplik Deutschland


Rechtlich gesehen sind auch die deutschen Gedenkmünzen mit Euro-Nominal gesetzliches Zahlungsmittel und damit zulässiges Bargeld. Deutschland gibt 2-Euro-Gedenkmünzen aus einer Kupfer-Nickel-Legierung, 10-Euro-Gedenkmünzen aus Silber (2002 bis 2015), 20 Euro-Gedenkmünzen aus Silber (ab 2016) sowie 100- und 20-Euro-Gedenkmünzen aus Gold heraus. Seit 2016 erscheinen außerdem 5-Euro-Gedenkmünze mit einem Ring aus Polymer.

Von diesen Gedenkmünzen erfüllen jedoch lediglich die 2-Euro-Gedenkmünzen in der Praxis tatsächlich Bargeldfunktion. Die Goldmünzen und Silbermünzen sind reine Anlage- oder Sammlermünzen und geraten wegen ihres gegenüber dem Nominalwert höheren Edelmetallwerts nicht in Umlauf.

Ein grundsätzlicher Unterschied zwischen Banknoten und Münzen liegt in ihrer Beschränktheit im tagtäglichen Zahlungsverkehr. Banknoten sind unbeschränkte Zahlungsmittel. Das bedeutet: Wer in Deutschland Waren anbietet, ist zur Annahme von Banknoten verpflichtet.

Große Banknoten wie die 200- oder 500-Euro-Banknote können allerdings vom Verkäufer von der Annahme ausgeschlossen werden. Voraussetzung sind entsprechende Hinweisschilder an der Verkaufsstelle, zum Beispiel an Tankstellen.

Münzen sind im Gegensatz zu Banknoten beschränkte Zahlungsmittel, die für die Bezahlung kleinerer Beträge gedacht sind. Verkäufer dürfen die Annahme von Münzen ablehnen, wenn der Betrag 50 Euro übersteigt.

Wer stellt Bargeld in Deutschland her?

Für Banknoten ist im gesamten Euroraum die Europäischen Zentralbank in Zusammenarbeit mit den nationalen Notenbanken. Innerhalb der Nationalstaaten besitzt die nationale Notenbank das Banknotenmonopol und beauftragt Spezialdruckereien mit der Produktion.

In Deutschland liegt das Banknotenmonopol bei der Deutschen Bundesbank. Die Bundesdruckerei GmbH mit Sitz in Berlin stellt die deutschen Euro-Banknoten her.

Die Verausgabung von Münzen im Euroraum obliegt den Nationalstaaten. In Deutschland beauftragt das Bundesministerium für Finanzen die fünf aktiven deutschen Prägestätten mit der Prägung der Euro-Münzen:

  • Staatliche Münze Berlin

  • Bayerisches Hauptmünzamt

  • Staatliche Münzen Baden-Württemberg am Standort Stuttgart

  • Staatliche Münzen Baden-Württemberg am Standort Karlsruhe

  • Hamburgische Münze

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Bargeld
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