Stand: 07.10.2020
Was genau ist eine Punzierung, was eine Punze? Wie sind die gesetzlichen Regelungen? Was bedeutet Feingehalt, Karat und Lot? Warum punzieren Hersteller, und werden Punzen auch für Betrug missbraucht? GOLD.DE hat die Antworten.
Punzierungen: Das Wichtigste in Kürze
  • Kleine Stempelprägung mit Angaben zum Feingehalt in Gewichts-Promille
  • Punzierung im Schmuckbereich Standard
  • Bei Barren erst ab 50 Gramm anzutreffen
  • Punzierungen sind nicht verpflichtend
  • Stempelgesetz regelt nur das "Wie"
Punzierungen Beispiele für Punzierungen: Goldschmuck, Silberschmuck, Goldbarren

Was heißt punzieren?

Die Punzierung im engeren Sinne ist eine kleine eingestempelte Prägung an unauffälliger Stelle bei einem Schmuckstück, einer Uhr oder Essbesteck. Der Stempel gibt Auskunft über den Edelmetall Feingehalt, ausgedrückt in Tausendteilen vom Gewicht. Oft auch als Feingehaltsstempel bezeichnet.

Als Werkzeug dient hierzu ein Schlagstempel, auch Punziereisen genannt. Mit einem Hammerschlag wird der Abdruck in die Oberfläche gedrückt. Eine Punzierung ist also stets ein Negativabdruck, der in einen Gegenstand hinein getrieben wird. Dies kann bei handwerklich hergestellten Stücken auch manuell geschehen durch den Goldschmied, Juwelier oder Uhrmacher.

Oft wird auch abgekürzt von der Punze gesprochen. Die Punze kann daher sowohl Stempelabdruck als auch Stempelwerkzeug sein.

Punzierungen waren und sind vor allem im Schmuckbereich und bei Silberwaren verbreitet. Im weiteren Sinn versteht man aber darunter jede Art von Prägung. Diese kann auch zu dekorativen Zwecken erfolgen, wie etwa bei Leder. Und natürlich kann diese Kennzeichnung auch weitere Informationen beinhalten wie Gewicht, Jahrgang, Seriennummer, Prüfzeichen einer amtlichen Behörde, Stadtwappen, Beschauzeichen, Meistermarken oder Hersteller.

Punzierungen sind vor allem im Schmuckbereich üblich. Goldpunzierungen geben Auskunft über den Feingehalt an Gold, Silberpunzierungen geben Auskunft über den Feingehalt an Silber.

Punzierungen bei Münzen und Barren

Bei Münzen spielen Punzen heute kaum eine Rolle. Sie werden in großen Auflagen geprägt. Geprägte Angaben zum Feingehalt finden sich zwar auf vielen Münzen, aber nicht auf allen. Gelegentlich sind Punzierungen bei Münzen am Rand zu finden. Früher war das anders. In der Antike und im Mittelalter waren vielen Münzen punziert, in der Regel handelte es sich dabei aber nicht um Angaben zum Feingehalt, sondern um hoheitliche Kennmarken.

Bei Barren muss unterschieden werden. Kleinere Barren, Motivbarren oder Tafelbarren werden, wie Münzen, geprägt. Bei Barren in größeren Gewichtsklassen, so diese gegossen werden, sind Punzierungen aber verbreitet. Dies fängt verstärkt bei 100 Gramm Goldbarren an, vereinzelt auch schon bei 50 Gramm. Standard bei Barren sind neben Angaben zum Feingehalt noch Gewicht und Hersteller. Bei größeren Barren auch die Seriennummer.

Punzierungen bei Münzen sind heute unüblich, bei größeren Barren aber verbreitet.

Ist eine Punzierung Pflicht?

Eine Punzierung ist nicht verpflichtend vorgeschrieben. Zudem darf jeder punzieren, es ist kein Qualifikationsnachweis nötig. Wird aber eine Angabe zum Feingehalt gemacht, dann muss diese wahrheitsgemäß und nach den geltenden Regelungen erfolgen.

Die Regelungen sind niedergeschrieben im "Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren", kurz auch Stempelgesetz genannt.

Wichtigste Vorschrift: Der Feingehalt muss in Tausendteilen (Promille) vom Gewicht angegeben werden. Eine Markierung in Karat ist heute nicht mehr erlaubt, auch wenn Karatangaben bei Gold noch immer gebräuchlich sind aufgrund der langen historischen Tradition.

Weitere Vorschriften, die das Gesetz beinhaltet, sind erlaubte Toleranzen sowie Untergrenzen. So darf etwa bei Goldgeräten erst ab 585 Promille punziert werden, bei Silbergeräten erst ab 800 Promille. Mit "Geräten" sind etwa Uhren gemeint. Die Toleranz darf bei goldenen Geräten nicht mehr als fünf, bei silbernen Geräten nicht mehr als acht Tausendteile unter dem angegebenen Feingehalt bleiben.

Schmuck darf dem Gesetz zufolge in jedem Feingehalt gestempelt werden, dabei darf aber die Fehlergrenze generell zehn Tausendteile nicht überschreiten. Allerdings gibt es weitere und international teils unterschiedliche Regelungen, was genau als "Goldschmuck", "vergoldet" oder nur "goldhaltig" verkauft werden darf.

Ein Verstoß gegen das Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren gilt als Ordnungswidrigkeit.

Das Stempelgesetz

Das Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren entstand 1884 und trat 1888 in Kraft. Mit Änderungen gilt es im Wesentlichen bis heute.

Wie kam es dazu? Schon kurz nach Gründung des deutschen Kaiserreiches im Jahre 1871 ergab sich die Notwendigkeit, die bis dahin unterschiedlichen Gepflogenheiten der einzelnen Regionen bei der Stempelung zu vereinheitlichen. Im Rahmen dieser gesetzlichen Regelung wurden auch der Reichsgoldstempel und der Reichssilberstempel eingeführt.

Der Reichsgoldstempel besteht aus der Reichskrone in der Sonne. Die Sonne wird durch einen Kreis symbolisiert, der die Krone umschließt. Dazu können weitere Angaben gemacht werden zum Feingehalt in Tausendstel sowie zur Firma oder Schutzmarke.

Der Reichssilberstempel besteht ebenfalls aus der Reichskrone, ergänzt um eine stilisierte Mondsichel. Auch hier können noch zusätzliche Angaben erfolgen.

Reichsgoldstempel und Reichssilberstempel Punzierungen: Reichsgoldstempel und Reichssilberstempel

Für Platin und Palladium existiert zwar keine gesetzliche Regelung in Deutschland, dennoch wird auch Schmuck aus Platin oder Palladium in der Regel punziert mit Angaben in Tausendteilen.

Feingehalt, Karat, Lot: Was ist was?

Alle drei Angaben geben Auskunft über den Massenanteil eines Edelmetalls in einer Legierung, auch Feingehalt oder Feinheit genannt.

Die heute gesetzlich in Deutschland einzig zulässige Angabe zum Feingehalt muss als dreistellige Zahl in Promille, also in Tausendsteln, angezeigt werden.

Karat und Lot sind dagegen historische Begriffe. Karat wurde früher zur Kennzeichnung von Goldlegierungen verwendet, Lot oder Lötigkeit für Silberlegierungen. Im Goldstempel abgekürzt als „K“ oder „Kt“, bei Uhrengehäusen häufig als „C“. Ein Karat entspricht einem vierundzwanzigstel Gewichtsanteil. Beim Silberstempel entspricht ein Lot einem sechzehntel Gewichtsanteil.

Ausgewählte Beispiele:

Feingehalt (Promille) Entspricht Karat (bei Gold) Entspricht Lot (bei Silber) Anmerkung
999,9 24k 16 Praktisch reines Edelmetall, auch Feingold oder Feinsilber genannt.
958,3 15 Nur bei Silber. Auch Britanniasilber genannt
925 15 Nur bei Silber. Auch Sterlingsilber genannt
916 22k Legierung für Krügerrand Goldmünze. Im indischen und arabischen Raum auch beliebt für Schmuck
900 21,6k (rechnerisch) 14 Bei Gold auch als "historisches Münzgold" bekannt
830 13 Nur bei Silber. Auch als "skandinavischer Standard" bekannt
750 18k 12 Als 18 Karat verbreitete Goldschmucklegierung
585 14k Nur bei Gold. Populäre Goldlegierung für Schmuck
333 8k Nur bei Gold. Auch als "Drittelgold" bekannt

Legierungen - oder: Was die Punzierung nicht sagt

Die Punzierung gibt nicht Auskunft über Anteil und Art anderer Legierungsbestandteile. Das kann aber beim Ankauf von Altgold durchaus relevant sein. So kann etwa Weißgold als weitere Bestandteile Silber als auch Palladium enthalten. Silber ist bekanntlich deutlich günstiger als Gold. Aber der Palladiumpreis etwa steht, Stand August 2020, teurer als Gold. Auch Platinpreis stand zeitweise höher als Gold.

Professionelle Altgold Ankäufer sind in der Lage, dies zu analysieren und werden das beim Ankaufspreis entsprechend berücksichtigen und ausweisen.

Weitere Punzierungen

Bei Tafelsilber bezeichnet die Punzierung nicht den Silber Feingehalt, sondern die Stärke der versilberten Oberfläche. Referenz ist hierbei eine definierte Fläche von 2400 cm2, die als Norm für 12 Esslöffel und Gabeln betrachtet wird. Die Werte 90 bzw. 100 bedeuten, das 90 g bzw. 100 g Silber verwendet wurden, um diese Fläche zu versilbern. Weitere Begrifflichkeiten:

"American" oder "Amerikaner":

Der Gegenstand ist vergoldet

"Double":

Der Gegenstand ist vergoldet

"Alpaka" oder "Neusilber":

Kennzeichnet eine Kupfer-Zink-Nickel Legierung

Falsche Punzierungen - und wie man sich schützt

Genaugenommen wird ja nicht die Punzierung gefälscht, sondern man stempelt eine irreführende Angabe zum Feingehalt, um ein höherwertiges Produkt vorzugaukeln. Wird diese Ware verkauft, handelt es sich um Betrug.

Fachkenntnisse vorausgesetzt, ist es nicht allzu schwer, selber zu punzieren. Das hierfür nötige Werkzeug ist ein längliches Stück Werkzeugstahl, an dessen Ende die nötigen Informationen sitzen. Diese Stempelmarkierung wird dann einfach in das Objekt eingeschlagen. Das öffnet missbräuchlichen Anwendungen natürlich Tür und Tor. Da wird schonmal hauchdünn vergoldetes Messing mit einer falschen Punzierung versehen.

War früher vor allem Goldschmuck das bevorzugte Revier der Gauner, so hat sich dies in jüngerer Vergangenheit in Richtung Anlagemetalle verlagert, vorzugsweise Anlagegold in Barrenform.

Da Gold viel wertvoller ist als Silber, ist es für Betrüger generell attraktiver, eine falsche Goldpunze einzustempeln. Aber auch falsche Silberpunzen werden in betrügerischer Absicht angebracht.

Experten können solche Goldfälschungen erkennen. Sie verfügen über Expertenwissen und die nötigen Prüfgeräte. Der Laie hat da aber nur sehr begrenzte Möglichkeiten. Daher der Rat: Kaufen Sie niemals Gold oder Silber auf der Straße oder von fliegenden Händlern. Auch auf den bekannten Internet-Marktplätzen oder Auktionsportalen werden immer wieder Fälschungen angeboten.

Ob Schmuck, Münzen oder Barren: Den besten Schutz bietet der Kauf beim seriösen Fachhändler.

Punzenverzeichnis und Silberpunzen-Katalog

Insbesondere bei historischen Punzierungen vor 1884 müssen auch Experten Fachliteratur zur Punzenbestimmung zu Rate ziehen. Die Vielfalt von Markierungen und Stempelungen ist hoch, vor allem bei Silberzeichen. Entsprechend zahlreich sind auch die Nachschlagequellen.

Erwähnenswert und ohne Anspruch auf Vollständigkeit sind:

Punzenverzeichnisse und Kataloge
  • Eva Link: "Ullstein Silberbuch", Ullstein 1968. Gute geschichtliche Übersicht, insbesondere zu Silbermarken auf den Seiten 262-267
  • Dombi, Höfler, Loschek: "Bruckmann's Silber - Lexikon", Bruckmann, München, 1982. Das Buch behandelt die wichtigsten Beschauzeichen einiger europäischer Länder
  • Seling / Domdey-Knödler: "Europäische Stadtmarken", C.H. Beck 1984. Typologie alter Goldschmiedemarken
  • Marc Rosenberg: "Der Goldschmiede Merkzeichen", hansebooks 2017. Im Original erschienen 1922-28, gilt noch immer in vielen Bereichen als wichtiges Nachschlagewerk

Service

Tipps für Schmuck-Interessierte:

Museum / Ausstellung Link
Schmuckmuseum Pforzheim www.schmuckmuseum.de
Technisches Museum der Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie www.technisches-museum.de
Deutsches Goldschmiedehaus Hanau www.goldschmiedehaus.com
Fabergé Museum Baden-Baden www.faberge-museum.de
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"