Recyceltes Gold stellt nach neu gefördertem Minengold den größten Anteil am weltweiten Goldangebot. Es wird überwiegend aus Schmuck und anderen Produkten mit einem hohen Goldgehalt gewonnen. Ein relativ kleiner Teil stammt aus der Industrie. Für die Wiedergewinnung und Aufbereitung des Edelmetalls sind Scheideanstalten zuständig. Wesentliche Faktoren, die das Angebot an Altgold beeinflussen, sind der Goldpreis und die wirtschaftliche Situation der Goldbesitzer.

Das Wichtigste in Kürze
  • Gold aus unterschiedlichen Quellen wird zum Recycling verwendet
  • Scheideanstalten recyceln Gold
  • Der Goldpreis beeinflusst das Volumen von Goldrecycling
  • Goldbarren aus 100 % recyceltem Gold sind erhältlich

Was genau ist Goldrecycling?

Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet Goldrecycling jede Art der Goldgewinnung aus verarbeiteten goldhaltigen Goldprodukten. Die Definition des World Gold Council (WGC), einer der wichtigsten Organisationen der Goldindustrie, ist allerdings enger gefasst:

Als recycelt gilt Altgold nur dann, wenn jemand dafür bezahlt. Verkauft ein Endabnehmer zum Beispiel Zahngold an eine Scheideanstalt und werden aus diesem Gold neue Produkte hergestellt, bestehen diese aus recyceltem Gold.

Wenn derselbe Verbraucher jedoch seinen alten Goldring zum Juwelier bringt und sich daraus ein neues Schmuckstück anfertigen lässt, handelt es sich dabei streng genommen nicht um Goldrecycling.

Auch Gold, das in industriellen Produktionsprozessen als Rest anfällt und dann vom selben Hersteller gesammelt und erneut verwendet wird, ist zwar im allgemeinen Sinn wiederverwendet, nicht aber recycelt. Statistiken zu recyceltem Gold von Organisationen wie dem WGC beruhen auf dieser enger gefassten Definition.

Wo wird Gold recycelt?

Für das Recycling von Gold und anderen Edelmetallen sind Scheideanstalten zuständig. Bekannte deutsche Scheideanstalten sind zum Beispiel:

  • AGOSI (Allgemeine Gold- und SIlberscheideanstalt)

  • die ESG Edelmetall-Service GmbH

  • Heimerle + Meule GmbH.

Das wichtigste Zentrum der Edelmetallscheidung in Deutschland liegt in Pforzheim.

International wird das Goldrecycling von Scheideanstalten mit Sitz in der Schweiz dominiert. Hier sind der globale Marktführer Valcambi, die weltweite Nummer 2 Metalor und zahlreiche weitere renommierte Scheideanstalten wie PAMP Suisse und Argor Heraeus zu finden.

Wie funktioniert Goldrecycling? - Das Verfahren:

Die Scheideanstalten wenden unterschiedliche Verfahren an, um Gold (zurück) zu gewinnen. Teilweise kommen auch mehrere Verfahren nacheinander zum Einsatz.

  • Bei der mechanischen Aufbereitung wird das Scheidgut  geschreddert, gemahlen und gesiebt, um eine homogene Struktur zu erhalten.

  • Das Pyrolyseverfahren besteht aus einer Kombination aus Veraschung des Scheidguts bei hohen Temperaturen und anschließender Einschmelzung.

  • Beim nasschemischen oder Aufschlussverfahren wird das Gold zunächst mit einer Salz- und Salpetersäuremischung (Königswasser) gelöst, dann mit Schwefeldioxid reduziert und schließlich mittels Elektrolyse isoliert.

Kann man recyceltes Gold kaufen?

Nachdem dem Recycling wird das Gold wieder zum Teil des globalen Goldangebots. Wer als Goldkäufer aus ethischen Gründen kein Primärgold, also neu gefördertes Minengold, sondern ausschließlich recyceltes Gold kaufen möchte, findet am Markt die entsprechenden Angebote.

In Deutschland bieten zum Beispiel die ESG sowie C. Hafner und in Österreich die ÖGUSSA Goldbarren an, die ausschließlich aus recyceltem Gold bestehen.

Bei Goldbarren und Goldmünzen, die nicht ausdrücklich als Recycling-Gold ausgewiesen sind, kann es sich dennoch um solches Gold, aber auch um Minengold oder eine Kombination aus Minengold und recyceltem Gold handeln.

Qualitätsunterschiede zwischen Minengold und recyceltem Gold bestehen nicht!

Welche Faktoren beeinflussen das Angebot an recyceltem Gold?

Der wichtigste Faktor für das Angebot an recyceltem Gold ist der Goldpreis. Bei einem niedrigen Preis ist es für Goldbesitzer nicht lukrativ, sich von ihrem Edelmetall zu trennen. Steigende Preise setzen entsprechend stärkere Verkaufsanreize.

Der Zusammenhang lässt sich beispielhaft am Jahr 1999 erkennen. Damals entfiel nur 17 Prozent des Angebots auf recyceltes Gold. Zugleich markierte der Goldpreis in diesem Jahr mit 252,80 US-Dollar je Feinunze den niedrigsten Stand seit 1979.

Neben dem Goldpreis hängt die Bereitschaft der Goldbesitzer, Schmuck, Münzen oder Barren zu verkaufen auch vom aktuellen eigenen Geldbedarf ab. In Zeiten finanzieller Schwierigkeiten dient das Edelmetall oft als der buchstäbliche Notgroschen.

Ein solcher Fall trat zum Beispiel in der Asienkrise von 1997/98 ein. Damals stieg das Angebot an recyceltem Gold in asiatischen Ländern deutlich an.

Im Jahr 2009 trafen diese Faktoren zusammen.
Unmittelbar nach Finanzkrise 2007/2008 hatte sich die wirtschaftliche Situation weiter Bevölkerungsteile verschlechtert, insbesondere in den USA. Zugleich erreichte der Goldpreis mit 972,35 US-Dollar einen neuen historischen Höchststand. Das Rekordvolumen beim Goldrecycling von 1.728 Tonnen oder 42 Prozent des Angebots ist auf diese beiden Ursachen zurückzuführen.

Welche Bedeutung hat Goldrecycling für den Goldmarkt?

Für das Goldangebot spielt Recycling von Gold nach neu gefördertem Minengold die zweitwichtigste Rolle. Im Zeitraum zwischen 1995 und 2016 lag der Anteil im Durchschnitt bei rund einem Drittel.

Langfristig nimmt die Bedeutung von Goldrecycling zu, allerdings sind sehr starke Schwankungen feststellbar. So entfielen 1999 nur 17 Prozent des Angebots auf recyceltes Gold. im Jahr 2009 wurde mit 1.728 Tonnen oder 42 Prozent ein Allzeithoch markiert. Bis 2015 gingen diese Werte wieder auf 1.117 Tonnen oder knapp 30 Prozent zurück.

Gemessen an allem Gold, das jemals gefördert wurde und zumindest theoretisch zur Verfügung stünde, ist das Recycling-Volumen winzig. Die historische Goldfördermenge bis 2016 beläuft sich auf 187.200 Tonnen. Das Rekordvolumen an recyceltem Gold aus dem Jahr 2009 entspricht noch nicht einmal 1 Prozent dieser Menge.

Welches Gold wird recycelt?

Recyceltes Gold lässt sich grob in zwei Kategorien einteilen:

Altgold mit hohem Goldanteil: Goldschmuck, Goldbarren, Goldmünzen und Goldmedaillen stellen gemeinsam 90 Prozent des weltweit recycelten Goldes. Goldbarren und moderne Goldmünzen bestehen zu mehr als 90 Prozent oft sogar mehr als 99 Prozent aus Gold.

Bei Goldschmuck aus China und Indien, den beiden mit Abstand wichtigsten Schmuckmärkten liegt der Goldgehalt meist ebenfalls zwischen 90 und 99 Prozent.

Goldschmuck aus westlichen Ländern enthält zwar häufig einen höheren Anteil an Legierungsmetallen, der aber selten 50 Prozent überschreitet. Das Recycling für diese Goldprodukte mit hohem Goldanteil wird in der Regel lokal und ohne lange Transportwege rund um den Globus durchgeführt.

Dies geschieht entweder durch (oft europäische) Unternehmen wie Umicore, die in verschiedenen Ländern Scheideanstalten unterhalten oder durch regional etablierte Goldraffinerien, die auch Rohgold aus Goldminen verarbeiten. Zu diesen Raffinerien zählen die Rand Refinery in Südafrika und die Perth Mint in Australien.

Recyceltes Gold aus der Industrie: Gold, das aus industriell gefertigten Produkten und Bauteilen gewonnen wird, stellt nur einen kleinen Anteil von fünf bis 10 Prozent am gesamten Volumen. Zahngold, früher eine wichtige Quelle für Goldrecycling, spielt inzwischen nur noch eine untergeordnete Rolle.

Die wichtigsten Branchen sind heute IT, Telekommunikation und Konsumentenelektronik. Bei dem gewonnenen Gold handelt es sich überwiegend um Bonddrähte oder um hauchdünne Goldbleche, die zum Beispiel als Beschichtungsmaterial in Leiterplatten zum Einsatz kommen.

Verglichen mit dem Goldgehalt von Goldmünzen, Goldbarren und Goldschmuck ist die Goldausbeute beim industriellen Recycling gering. So lassen sich aus einer Tonne ausrangierter Leiterplatten einige hundert Gramm des Edelmetalls gewinnen.

In Endprodukten für Verbraucher wie Mobiltelefone befindet etwa 1/40 g Gold pro Handy oder Smartphones. Diese Mengen sind für ein rentables Goldrecycling jedoch völlig ausreichend.


So viel Gold enthält ein Smartphone / Handy!
Ein durchschnittliches Handy hat ein Gewicht von 150 g. Davon sind 24 mg Gold, was rund 90 Cent entspricht (Stand März 2017)

THEMA INHALTE:
Goldrecycling
Edelmetall Recycling in Scheideanstalt
Edelmetall Recycling in einer Scheideanstalt
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