Gold: 2.221,55 € 0,00 %
Silber: 28,96 € 0,00 %
Stand: 02.11.2023
Beim Kauf von Silber, Platin oder Palladium ganz legal Mehrwertsteuer sparen - wer wollte das nicht? Zollfreilager bieten diese Möglichkeit. Diesem Vorteil stehen aber auch Nachteile gegenüber. GOLD.DE informiert: Was Anleger über Zolllager wissen müssen, für wen es sich lohnt, für wen nicht.
Zollfreilager für Edelmetalle
Das Wichtigste in Kürze
  • Edelmetall Verwahrung im Zolllager möglich
  • Dadurch entfällt Mehrwertsteuer beim Kauf
  • Anleger schließen Verwahrvertrag ab
  • Kostenvorteil erheblich bei Weißmetallen
  • Trotzdem genau rechnen
  • Vergleich von Preisen und Modalitäten schwierig
Zollfreilager für EdelmetalleZollfreilager: Überlegung wert für Anleger, die Weißmetalle kaufen wollen

Anbieter

Es gibt mehrere größere Edelmetallhändler, die diesen Service anbieten, dazu einige Spezialanbieter. Nachfolgend ein alphabetischer Überblick ohne Wertung und Anspruch auf Vollständigkeit:

Stand: November 2023, Angaben ohne Gewähr.
Hinweis: Lagerkosten sind teils gestaffelt, bei höheren Anlagebeträgen gelten meist günstigere Konditionen.

Auf GOLD.DE gelistete Anbieter Lagerkosten p.a.
(bis 100.000 €)
Details/weitere Kosten
Degussa
Diverse: Deutschland, Schweiz, London, Madrid
Gold, Platin, Palladium: 0,5 %
Silber 1,25 %
zusätzliche Gebühren für Einlagerung, Auslagerung oder Transport
Flexgold (SOLIT-Gruppe)
Verwahrort: Schweiz
Abhängig von Investitionssumme Auch Sparplan möglich. Zusätzliche Kosten für phys. Auslieferung
GoldSilberShop (SOLIT-Gruppe)
Deutschland, Schweiz, Liechtenstein, Kanada
Gold, Platin, Palladium: 1,40 % p.a.
Silber: 1,60 % p.a.
Mindestanlagebetrag: Je nach Lagerort ab 5.000 €
Geiger Edelmetalle
Diverse: Deutschland, Schweiz
Silber: 1,4 %
Andere Weißmetalle: 0,7 %
Mindestgebühr: 150 €
zusätzlich Auslagerungs-, Zollabwicklungs- und Lieferkosten
Goldvorsorge.at
Diverse: Deutschland, Österreich, Schweiz, Singapur, USA und weitere
a.A. Mindestgebühr ab 98.- p.a. €
Zusätzliche Kosten a.A.
GranValora
Deutschland
Gold 0,8 % p.a.
Silber 0,9 % p.a.
Weitere Gebühren a.A.
philoro Edelmetalle
Diverse: Dtld., Österreich, Schweiz
Gold, Platin, Palladium: 0,72 % p.a.
Silber 1,2 %p.a.
Mindestgebühr: 240 € p.A.
Weitere Kosten a.A.
pro aurum
Deutschland, Schweiz
Gold, Platin, Palladium: 0,75 % p.a.
Silber 1,75 % p.a.
Mindesteinlagerungswert: 10.000 CHF. Weitere Kosten a.A.
Weitere Anbieter Lagerkosten
p.a.
Kosten/Details
BullionVault
Lagerung: Schweiz. Zentrale: London
Gold 0,12 % p.a.
Silber, Platin, Palladium: 0,48 % p.a.
Transaktionsgebühr: ja
Mindestgebühr: 48 - 96 US$ pro Jahr. Weitere Kosten a.A.
Einkaufsgemeinschaft für Sachwerte
Deutschland, Schweiz
a.A. a.A.
Elementum Deutschland
Deutschland, Schweiz
Gold, Platin: 0,75 % p.a.
Silber, Palladium: 1,65 % p.a.
Weitere Gebühren a.A.
Taurus Sachwerte AG
Lichtenstein, Schweiz
Gold 1,5 %
Silber 1,5 %
"Abschlussgebühr" bis max. 5 % der Einlagerungssumme

Was ist ein Zollfreilager?

Ein Zollfreilager, auch Zolllager genannt, ist ganz allgemein ein Lagerort, wo Waren unverzollt und unversteuert zwischengelagert werden. Meist liegt dieser Lagerort im Nicht-EU Ausland.

Zolllager können aber auch innerhalb der EU oder sogar in Deutschland liegen. Sind bestimmte Voraussetzungen erfüllt, dann gilt auch dort eingelagerte Ware als nicht in das Wirtschaftsgebiet von Deutschland eingeführt.

Um den Vorteil der Mehrwertsteuerbefreiung zu nutzen, muss die Ware aber in jedem Fall im Zollfreilager verbleiben.

Für wen ist ein Zollfreilager sinnvoll?

Von einigen Ausnahmen abgesehen, unterliegen Weißmetalle wie Silber, Platin, Palladium oder Rhodium beim Kauf dem vollen Mehrwertsteuersatz von 19%, auch Umsatzsteuer genannt. Aus Anlegersicht sind das erhebliche Zusatzkosten, die das Investment erstmal wett machen muss.

Ein Zolllager ist daher eine Überlegung wert für Anleger, die beim Kauf ganz legal diese Mehrwertsteuer vermeiden wollen. Besonders sicherheitsbewusste Anleger schätzen bei Zollfreilagern im Ausland zudem die Möglichkeit zur Länderdiversifikation.

In der Praxis wird ein Zollfreilager aber nur für größere Investoren in Frage kommen, da es oft Mindestuntergrenzen bei der Anlagesumme gibt. Zudem sind die Kosten für eine zollfreie Lagerung durchaus relevant.

Für Goldanleger entfällt der Vorteil der Mehrwertsteuerbefreiung, da der Kauf von Anlagegold in Deutschland grundsätzlich mehrwertsteuerfrei ist. Hier ist ein Zolllager sinnvoll höchstens aus Gründen der Länderdiversifikation.

Vorteile und Nachteile im Überblick

Vorteile Nachteile
19 % Umsatzsteuer sparen (dieser Vorteil entfällt bei Anlagegold) Edelmetall nicht im eigenen Besitz
Hoher Schutz, professionelle Sicherung Edelmetall nicht jederzeit verfügbar (Öffnungszeiten, Distanz etc.)
Versicherung in der Regel inkludiert Oft Mindestanlagesumme erforderlich
Risikostreuung, Stichwort: Länderdiversifikation Auswahl an Händlern und Dienstleistern überschaubar
  Beschränkte Produktauswahl, meist werden nur gängige Produkte angeboten
  Späterer Verkauf erfolgt i.d.R. über den Dienstleister, also keine Möglichkeit zum Preisvergleich

Edelmetall kaufen ohne Mehrwertsteuer?

Die Kostenersparnis durch den Wegfall der Mehrwertsteuer ist auf den ersten Blick immens. Angenommen, man kauft Silberbarren im Wert von 10.000 Euro. Dann kommen beim aktuell gültigen Mehrwertsteuersatz von 19 % Mehrkosten in Höhe von 1.900 Euro on top dazu.

Das sind Mehrkosten, die das Investment aus Anlegersicht erstmal durch Kurssteigerung wett machen muss, bevor überhaupt die Renditezone erreicht wird. Denn als Privatanleger kann man bei einem späteren Verkauf diese 19 % Mehrwertsteuer nicht in Rechnung stellen.

Diese Kosten spart man sich im Zollfreilager.

Trotzdem sollte mit spitzem Stift gerechnet werden. Denn dagegen stehen erhöhte Lagerkosten im Vergleich zu einer Aufbewahrung hierzulande.

Edelmetalle hält man üblicherweise mit einem Anlagehorizont von Jahrzehnten. Angenommen, die Mehrkosten für eine zollfreie Lagerung in der Schweiz belaufen sich auf 1 % pro Jahr, dann addiert sich mit der Zeit ein hübsches Sümmchen. Der Steuervorteil relativiert sich also auf Dauer.

Wo und wie wird gelagert?

Zolllager für Edelmetalle befinden sich oft im Ausland. Hier dürften für die meisten Anleger grenznahe Staaten interessant sein wie die Schweiz, Liechtenstein oder Luxemburg. Es gibt auch Zollfreilager in Übersee.

Standorte in Deutschland gibt es auch, angeboten etwa von Degussa oder Geiger Edelmetalle. Möglich ist dies, weil diese Lager formaljuristisch als außerhalb des Wirtschaftsgebiets der Bundesrepublik Deutschland liegend angesehen werden, obwohl sie sich räumlich auf deutschem Territorium befinden.

Professionelle Sicherheitsvorkehrungen, Versicherungsschutz sowie Überwachung durch Wirtschaftsprüfer oder Notare sollten selbstverständlich sein.

Üblich ist die Sammelverwahrung. Einzelverwahrung wird gelegentlich auch angeboten, ist aber in der Regel teuerer. Über Details informiert der jeweilige Dienstleister.

Zollfreilager Gold & Silber In Zollfreilagern können Gold und Weißmetalle wie Silber sicher und steuerfrei gelagert werden
Weitere Informationen im Ratgeber: Gold sicher lagern

Kauf und Verkauf

Wer sich für eine Zollfreilager Verwahrung interessiert, wendet sich an einen Händler oder Dienstleister, der diesen Service anbietet. Der Unterschied besteht darin, dass man nach dem Kauf sein Edelmetall nicht physisch ausgehändigt bekommt, sondern einen Nachweis erhält über die zollfreie Lagerung. Im Prinzip schließ man also eine Art Verwahrvertrag mit dem Anbieter ab. Der Service ist natürlich kostenpflichtig.

Tipp: Achten Sie darauf, dass der Anbieter das Lager als Sondervermögen ausgewiesen hat. Im Falle einer Insolvenz des Anbieters geht Ihr Edelmetall dann nicht in die Konkursmasse ein, sondern gehört Ihnen weiterhin.

Auch ein späterer Verkauf erfolgt sinnvollerweise direkt aus diesem Zollfreilager. Andernfalls entfällt der Vorteil der Umsatzsteuerbefreiung. Für den Verkauf wendet man sich also an denselben Edelmetallhändler/Dienstleister und lässt sich den aktuellen Gegenwert auszahlen.

Auslieferung und Entnahme

Grundsätzlich ist auch eine Auslieferung möglich. Formal gesehen ist das aber eine Entnahme aus dem Zolllager und daher nicht zu verwechseln mit einem Verkauf. Das liegt daran, dass diese Lagerorte zollrechtlich als Transitbereich gelten.

Bei einer Auslieferung bzw. Entnahme gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten:

  1. Das Edelmetall wird dem Zollfreilager entnommen, verbleibt aber weiterhin innerhalb der vier Wände des Lagers. In diesem Fall fällt keine Mehrwertsteuer an.
  2. Das Edelmetall wird dem Zollfreilager entnommen, verbleibt aber in dem Land wo sich das Lager befindet (=Ausland). In diesem Fall ist der Mehrwertsteuersatz des betreffenden Landes nachzuentrichten. Dieser kann durchaus günstiger sein als in Deutschland.
  3. Das Edelmetall wird dem Zollfreilager entnommen und überschreitet die Grenze, wird also nach Deutschland importiert. In diesem Fall ist der deutsche Mehrwertsteuersatz von aktuell 19 % nachzuentrichten.

Gegebenenfalls kommen dann noch weitere Kosten dazu für Auslieferung und Transport.

Preise und Kosten

Preise für die Verwahrung variieren je nach Anbieter. Grundlage der Kostenberechnung ist in der Regel der aktuelle Edelmetallkurs. Danach richten sich prozentual anteilig die Lagergebühren. Auch pauschale Einrichtungsgebühren sind gängig.

Zollfreilager Kosten im Detail können dann gestaffelt sein nach Höhe der Anlagesumme, Art des Edelmetalls oder Abrechnungszeitraum. Auch der aktuelle Wechselkurs der jeweiligen Landeswährung kann ein Faktor sein. Oft sind Mindestanlagesummen verpflichtend.

Preisvergleich?

Preise für Zollfreilager vergleichen ist schwierig, da Modalitäten sehr unterschiedlich sind. Trotzdem sollten Anleger sich die Mühe machen und zumindest 2-3 Anbieter genauer vergleichen. Bei einem Zollfreilager Vergleich sollten aber nicht nur die reinen Kosten, sondern auch allgemeine Konditionen in Betracht gezogen werden.

Fazit

Den Vorteilen, die Zollfreilager bieten, stehen auch einige Nachteile gegenüber. Hier muss jeder Anleger für sich entscheiden. Auch die auf den ersten Blick erhebliche Kostenersparnis durch den Wegfall der Mehrwertsteuer relativiert sich, wenn man die Lagerkosten gegenrechnet, welche auf lange Sicht entstehen.

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