Stand: 26.05.2021
Beim Kauf von Silber, Platin oder Palladium ganz legal Mehrwertsteuer sparen - wer wollte das nicht? Zollfreilager bieten diese Möglichkeit. Diesem Vorteil stehen aber auch Nachteile gegenüber. GOLD.DE informiert: Was Anleger über Zolllager wissen müssen, für wen es sich lohnt, für wen nicht.
Zollfreilager für Edelmetalle
Das Wichtigste in Kürze
  • Edelmetalle können in Zolllager verwahrt werden
  • Dadurch entfällt Mehrwertsteuer beim Kauf
  • Kostenvorteil erheblich bei Weißmetallen
  • Anleger schließen Verwahrvertrag ab
  • Vergleich von Preisen und Modalitäten schwierig

Anbieter

Es gibt mehrere größere Edelmetallhändler, die diesen Service anbieten, dazu einige Spezialanbieter. Nachfolgend ein alphabetisch geordneter Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Stand: April 2021, Angaben ohne Gewähr

GOLD.DE-zertifizierte Anbieter Lagerkosten
p.a.
Lieferung
möglich
Details
Auragentum
Liechtenstein
Silber 1,25 % ja Mindesteinlagerung: 250 oz
Degussa
Deutschland
Gold 0,5 %
Silber 1,25 %
ja Mindestgebühr: 30 €
Mindesteinlagerungswert: 15.000 €
Transaktionsgebühr: je 19 €
Geiger Edelmetalle
Schweiz (Zürich), Deutschland (Rötha bei Leipzig)
Gold 0,7 %
Silber 1,4 %
ja Mindestgebühr: 150 €
Mindesteinlagerungswert: 10.000 €
Goldvorsorge.at
Deutschland (Frankfurt)
Gold 0,48 %
Silber 0,93 %
ja Mindestgebühr: 198 €
Mindesteinlagerung: Silber 1.000 oz, Gold 400 oz
Ophirum
Deutschland (Frankfurt)
Gold 0,5 %
Silber 0,5 %
ja Mindestgebühr: 8,90 €, ansonsten 0,5 % p. a.
philoro Edelmetalle
Schweiz (nahe Flughafen Kloten)
Gold 0,72 %
Silber 1,2 %
ja Einrichtungsgebühr: 50 €
Mindestgebühr: 240 €
Mindesteinlagerungswert: 5000 €
pro aurum
Schweiz (Embrach)
Gold 1,75 %
Silber 1,75 %
ja Mindesteinlagerungswert: 10.000 CHF
Solit / GoldSilberShop
Schweiz (Zürich)
auf Anfrage ja auf Anfrage

Anmerkung: Barren, die in Deutschland in einem Zollfreilager eingelagert sind und von außerhalb der EU stammen, gelten als nicht in das Wirtschaftsgebiet von Deutschland eingeführt.

Weitere Anbieter Lagerkosten
p.a.
Lieferung
möglich
Details
BullionVault
Schweiz
Gold 0,12 %
Silber 0,48 %
ja Transaktionsgebühr: ja
Mindestgebühr: 48 - 96 US$ pro Jahr
Einkaufsgemeinschaft für Sachwerte
Schweiz (Embrach)
Gold 0,96 %
Silber 1,08 %
ja -
Elementum.ch
Schweiz (St. Gotthard)
Gold 0,75 %
Silber 1,69 %
ja Transaktionsgebühr: 8,257 % - 15,966 %
Einrichtungsgebühr: 700 €
Taurus Sachwerte AG
Schweiz
Gold 1,5 %
Silber 1,5 %
ja Einrichtungsgebühr: 5 % der Einlagerungssumme
Zollfreilager für Edelmetalle Zollfreilager: Überlegung wert für Anleger, die Weißmetalle kaufen wollen

Was ist ein Zollfreilager?

Ein Zollfreilager, auch Zolllager genannt, ist ganz allgemein ein Lagerort, wo Waren unverzollt und unversteuert zwischengelagert werden. Meist liegt dieser Lagerort im Nicht-EU Ausland. Zolllager können aber auch innerhalb von Deutschland liegen.

Um den Vorteil der Mehrwertsteuerbefreiung zu nutzen, muss die Ware aber im Zollfreilager verbleiben.

Für wen ist ein Zollfreilager sinnvoll?

Ein Zolllager ist zunächst eine Überlegung wert für Anleger, die beim Kauf von Weißmetallen ganz legal die Mehrwertsteuer vermeiden wollen, auch Umsatzsteuer genannt. Die bekanntesten Weißmetalle sind Silber, Platin, Palladium oder Rhodium. Der Kauf dieser Edelmetalle unterliegt normalerweise dem vollen Mehrwertsteuersatz. Besonders sicherheitsbewusste Anleger schätzen bei Zollfreilagern im Ausland zudem die Möglichkeit zur Länderdiversifikation.

In der Praxis wird ein Zollfreilager aber nur für größere Investoren in Frage kommen, da es oft Mindestuntergrenzen bei der Anlagesumme gibt. Zudem sind die Kosten für eine zollfreie Lagerung durchaus relevant.

Für Goldanleger entfällt der Vorteil der Mehrwertsteuerbefreiung, da der Kauf von Anlagegold grundsätzlich mehrwertsteuerfrei ist. Hier ist ein Zolllager sinnvoll höchstens aus Gründen der Länderdiversifikation.

Vorteile und Nachteile im Überblick

Vorteile Nachteile
19 % Umsatzsteuer sparen Edelmetall nicht im eigenen Besitz
Hoher Schutz, professionelle Sicherung Edelmetall nicht jederzeit verfügbar (Öffnungszeiten, Distanz etc.)
Versicherung in der Regel inkludiert Oft Mindestanlagesumme erforderlich
Risikostreuung, Stichwort: Länderdiversifikation Auswahl an Händlern und Dienstleistern überschaubar
  Beschränkte Produktauswahl, meist werden nur gängige Produkte angeboten
  Späterer Verkauf erfolgt i.d.R. über den Dienstleister, also keine Möglichkeit zum Preisvergleich

Edelmetall kaufen ohne Mehrwertsteuer?

Die Kostenersparnis durch den Wegfall der Mehrwertsteuer ist auf den ersten Blick immens. Angenommen, man kauft Silberbarren im Wert von 10.000 Euro, dann kommen beim aktuell gültigen Mehrwertsteuersatz von 19 % Mehrkosten in Höhe von 1.900 Euro on top dazu.

Aus Anlegersicht ein erheblicher Betrag, der durch Kurssteigerungen wettgemacht werden muss, wenn sich ein späterer Verkauf des Investments rechnen soll.

Trotzdem sollte mit spitzem Stift gerechnet werden. Denn dagegen stehen erhöhte Lagerkosten im Vergleich zu einer Aufbewahrung hierzulande. Edelmetalle hält man üblicherweise mit einem Anlagehorizont von Jahrzehnten. Angenommen, die Mehrkosten für eine zollfreie Lagerung in der Schweiz belaufen sich auf 1 % pro Jahr, dann relativiert sich dieser Steuervorteil mit der Zeit.

Wo und wie wird gelagert?

Zolllager für Edelmetalle befinden sich oft im Ausland. Hier dürften für die meisten Anleger grenznahe Nicht-EU Staaten interessant sein wie die Schweiz, Liechtenstein oder Luxemburg. Es gibt auch Zollfreilager in Übersee.

Standorte in Deutschland gibt es auch, angeboten etwa von Degussa oder Geiger Edelmetalle. Möglich ist dies, weil diese Lager formaljuristisch als außerhalb des Wirtschaftsgebiets der Bundesrepublik Deutschland liegend angesehen werden, obwohl sie sich räumlich auf deutschem Territorium befinden.

Professionelle Sicherheitsvorkehrungen, Versicherungsschutz sowie Überwachung durch Wirtschaftsprüfer oder Notare sollten selbstverständlich sein.

Üblich ist die Sammelverwahrung. Einzelverwahrung wird gelegentlich auch angeboten, ist aber in der Regel teuerer. Über Details informiert der jeweilige Dienstleister.

Zollfreilager Gold & Silber In Zollfreilagern können Gold und Weißmetalle wie Silber sicher und steuerfrei gelagert werden

Kauf und Verkauf

Wer sich für eine Zollfreilager Verwahrung interessiert, wendet sich an einen Händler oder Dienstleister, der diesen Service anbietet. Der Unterschied besteht darin, dass man nach dem Kauf sein Edelmetall nicht physisch ausgehändigt bekommt, sondern einen Nachweis erhält über die zollfreie Lagerung. Im Prinzip schließ man also eine Art Verwahrvertrag mit dem Anbieter ab. Der Service ist natürlich kostenpflichtig.

Tipp: Achten Sie darauf, dass der Anbieter das Lager als Sondervermögen ausgewiesen hat. Im Falle einer Insolvenz des Anbieters geht Ihr Edelmetall dann nicht in die Konkursmasse ein, sondern gehört Ihnen weiterhin.

Auch ein späterer Verkauf erfolgt sinnvollerweise direkt aus diesem Zollfreilager. Andernfalls entfällt der Vorteil der Umsatzsteuerbefreiung. Für den Verkauf wendet man sich also an denselben Edelmetallhändler/Dienstleister und lässt sich den aktuellen Gegenwert auszahlen.

Auslieferung und Entnahme

Grundsätzlich ist auch eine Auslieferung möglich. Formal gesehen ist das aber eine Entnahme aus dem Zolllager und daher nicht zu verwechseln mit einem Verkauf. Bei einer Auslieferung wird deshalb die Mehrwertsteuer fällig, sobald die Ware ausgehändigt ist. Das liegt daran, dass diese Lagerorte zollrechtlich als Transitbereich gelten.

Bei der Entnahme gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

  1. Des Edelmetall wird dem Zollfreilager entnommen, verbleibt aber im betreffenden Ausland. In diesem Fall ist der Mehrwertsteuersatz des Landes nachzuentrichten. Dieser kann durchaus günstiger sein als in Deutschland.
  2. Des Edelmetall wird dem Zollfreilager entnommen und überschreitet die Grenze, wird also nach Deutschland importiert. In diesem Fall ist der deutsche Mehrwertsteuersatz von aktuell 19 % nachzuentrichten.

Gegebenenfalls kommen dann noch weitere Kosten dazu für Auslieferung und Transport.

Preise und Kosten

Preise für die Verwahrung variieren je nach Anbieter. Grundlage der Kostenberechnung ist in der Regel der aktuelle Edelmetallkurs. Danach richten sich prozentual anteilig die Lagergebühren. Auch pauschale Einrichtungsgebühren sind gängig.

Zollfreilager Kosten im Detail können dann gestaffelt sein nach Höhe der Anlagesumme, Art des Edelmetalls oder Abrechnungszeitraum. Auch der aktuelle Wechselkurs der jeweiligen Landeswährung kann ein Faktor sein. Oft sind Mindestanlagesummen verpflichtend.

Preisvergleich?

Preise für Zollfreilager vergleichen ist schwierig, da Modalitäten sehr unterschiedlich sind. Trotzdem sollten Anleger sich die Mühe machen und zumindest 2-3 Anbieter genauer vergleichen. Bei einem Zollfreilager Vergleich sollten aber nicht nur die reinen Kosten, sondern auch allgemeine Konditionen in Betracht gezogen werden.

Fazit

Den Vorteilen, die Zollfreilager bieten, stehen auch einige Nachteile gegenüber. Hier muss jeder Anleger für sich entscheiden. Auch die auf den ersten Blick erhebliche Kostenersparnis durch den Wegfall der Mehrwertsteuer relativiert sich, wenn man die erhöhten Lagerkosten gegenrechnet.

Alternative: Wem beim Erwerb von Silber oder Platin die Kosten für die Mehrwertsteuer zu hoch sind, der kann gezielt nach Produkten suchen, die der Differenzbesteuerung unterliegen. Damit ist auch hierzulande ein Kauf steuerlich günstiger als mit dem regulären Mehrwertsteuerssatz. Differenzbesteuerung gibt es aber nur für bestimmte Platin- und Silberprodukte.

Mehr: Besteuerung von Edelmetallen

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"