Gold: 1.687,17 € -0,31 %
Silber: 21,28 € +0,31 %
Stand: 07.09.2022 von Jörg Bernhard
Am 1. September veröffentlichte die Degussa Goldhandel GmbH ihren aktuellen Marktreport über die Entwicklung an den Goldmärkten. Darin wurden die Leser darüber informiert, was beim US-Dollar, bei Zinsen und Gold häufig übersehen wird.
Ist der Goldpreis unterbewertet?

Korrelationen unter der Lupe

Verantwortlich für die Publikation ist Thorsten Polleit, der Chefökonom des Edelmetallhandelshauses. Normalerweise wird dem Goldpreis nachgesagt, auf einen steigenden (fallenden) US-Dollar negativ (positiv) zu reagieren.

Das heißt: Zwischen dem gelben Edelmetall und der US-Währung besteht eine negative Korrelation.

Seit Januar 2020 hat diese Wechselwirkung allerdings kaum gegriffen. Zu schaffen gemacht hat dem Goldpreis eher der massive Anstieg der Zinsen. Weil der US-Leitzins seit März dieses Jahres um 225 Basispunkte erhöht wurde, gab es vor allem bei US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren einen besonders starken Renditeanstieg auf über drei Prozent p.a. zu beklagen.

Diese Entwicklung führte dazu, dass das Halten von Gold teurer wurde, weil dessen Besitzer darauf verzichten müssen, mit Staatsanleihen Zinsen zu erwirtschaften. Steigende Zinsen erhöhen daher stets die sogenannten Opportunitätskosten von Gold.

Allerdings lässt sich auch hier folgendes festhalten:

Trotz massiv gestiegener Zinsen hat sich der Goldpreis in dem oben erwähnten Betrachtungszeitraum nicht abgeschwächt, sondern tendierte unter erheblichen Schwankungen seitwärts. Für Chefökonom Polleit steht daher außer Frage, dass der Goldpreis weniger empfindlich auf die Veränderungen beim Dollar bzw. Zinsniveau reagiert hat. Weil diese beiden Korrelationen gegenüber früheren Perioden abgenommen hätten, sei der Goldpreis „autonomer“ geworden.

Massive Kaufkraftverluste ante portas?

Laut Degussa-Marktreport ist der Goldpreis „deutlich unterbewertet“. Diese Einschätzung ist vor allem auf ein Schätzmodell zurückzuführen, welches auf verschiedenen makroökonomischen Variablen basiert.

Als „fairer“ Goldpreis wird darin eine Bandbreite zwischen 1.760 und 2.300 Dollar angezeigt.

Da der Goldpreis gegenwärtig die untere Begrenzung unterschritten hat, wird er aktuell als „günstig“ eingestuft. Zugleich sei aber auch damit zu rechnen, dass „diese Unterbewertung früher oder später wettgemacht wird.“

Ein anderer Indikator stellt sich derzeit ebenfalls als ausgesprochen interessant dar: der US-Finanzmarkt-Stressindikator. Dieser zeigt trotz aller Unwägbarkeiten und Risiken eine „relativ entspannte“ Stimmung an. Investoren gehen offensichtlich von zwei Dingen aus.

  • Erstens: Sie rechnen offensichtlich nicht mit Kreditausfällen in größerem Umfang.

  • Zweitens: Zudem gehen sie davon aus, dass die US-Notenbank Fed im Falle einer verschlechterten Lage erneut die Konjunktur und/oder strauchelnde Schuldner retten wird.

Besonders intensiv hat sich Polleit unter dem Kapitel „Inflation, Hochinflation, Hyperinflation“ auf insgesamt vier Seiten dem Thema „Geldentwertung“ gewidmet. In der unten aufgeführten Tabelle „Kaufkraftverlust nach …“ können Geldanleger ersehen, wie sich Geldentwertung bei unterschiedlichen Inflationsraten und Zeiträumen konkret auswirken würde. Sie eignet sich als besonders gutes Kaufargument für den Inflationsschutz in Form von physischem Gold.

Kaufkraftverlust nach …

Inflation p.a. … 2 Jahren … 5 Jahren … 10 Jahren
2 % 3,9 % 9,4 % 18 %
5 % 9,3 % 21,7 % 38,6 %
10 % 17,3 % 38 % 61,5 %
15 % 24,3 % 50,3 % 75,3 %
20 % 30,6 % 60 % 83,9 %
40 % 50 % 81,4 % 96,5 %
Quelle: Degussa-Marktreport vom 1. September 2022

Ausblick für die laufende Woche

Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass in Europa Krieg herrscht und Inflationsraten im zweistelligen Prozentbereich drohen? Mit der Ankündigung der staatlich kontrollierten russischen Firma Gazprom, weiterhing kein Gas über die Pipeline North Stream 1 zu transportieren, dürfte sich die Hoffnung auf sinkende Energiepreise erst einmal erübrigt haben.

Bundesbürgern drohen nach dem Wegfall des Tankrabatts und Neun-Euro-Tickets erhebliche Mehrkosten.

Nun darf man gespannt sein, ob das am Wochenende verkündete neue Entlastungspaket im Gesamtvolumen von 65 Milliarden Euro, die Inflation in Zaum halten kann.

Die Deutsche Bundesbank gab im vergangenen Monat bekannt, dass man bereits im Herbst dieses Jahres mit einer Inflationsrate von über zehn Prozent p.a. rechne. Sollte bei der Geldentwertung ein solch hoher Wert für die Dauer von fünf Jahren Bestand haben, würde sich bei einem repräsentativen Warenkorb die Kaufkraftkraft um 38 Prozent ermäßigen.

Gold mag auf kurze Sicht nicht immer als Inflationsschutz funktionieren, auf lange Sicht gilt diese Eigenschaft hingegen als wichtigstes Kaufargument für Gold in Form von Barren oder Münzen.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist

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