Gold: 1.751,02 € -0,33 %
Silber: 19,94 € -1,85 %
Stand: 28.06.2022 von Hannes Zipfel
Die Sanktionsspirale dreht sich weiter und erfasst nun auch den Handel mit russischem Gold zwischen den G7-Staaten sowie den Import in diese Länder. Wie bei vielen Maßnahmen zuvor sind die Umgehungsmöglichkeiten mannigfaltig und die Nebenwirkungen schwer kalkulierbar.
G7-Gold-Boykott, Verbraucherpreise & Konsumklima

Weitere für die Entwicklung der Edelmetalle relevante Datentermine in der Börsenwoche 26:

  • Montag: Verfall der Juli-Optionen auf Gold und Silber, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank (BuBa) zur Konjunktur und Inflation
  • Dienstag: Auslaufen der Juni-Future-Kontrakte auf Gold und Silber, GfK-Konsumklima Deutschland, letzter Tag des G7-Treffens auf Schloss Elmau
  • Mittwoch: Verbraucherpreisindex Dtl. Juni (vorl.) auf Jahresbasis (e.: 8,0 % | Mai: 7,9 %), Ansprachen von EZB-Präsidentin Lagarde und Fed-Präsident Powell (jew. 15:00 Uhr MESZ)
  • Donnerstag: Einkaufsmanagerindex China für Juni (Industrie und Dienstleistungen), Einzelhandelsumsätze Dtl. für Mai auf Jahresbasis (e: -2,0 % | Apr.: -0,4 %)
  • Freitag: Einkaufsmanagerindex (EMI) Verarbeitendes Gewerbe Juni für Dtl. (e: 52,0 | Mai: 52,0), EMI Verarbeitendes Gewerbe USA für Juni (e: 55,0 | Mai: 56,1)

Gold-Boykott der G7-Staaten

Seit Sonntag treffen sich in dem idyllischen und gut abgeschotteten Schloss Elmau in den bayerischen Alpen die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada.

Das letzte Treffen dieser Art auf deutschem Boden fand 2015 ebenfalls auf Schloss Elmau nahe der Grenze zu Österreich statt. Das hat laut Angaben des Eigentümers und Hoteldirektor Dietmar Müller-Elmau gegenüber der Deutschen Welle (DW) folgende Gründe:

„Es gibt kaum einen Ort in Deutschland, den sie so gut schützen können, wie Schloss Elmau und der so abgeschieden ist und trotzdem nicht so weit weg von allem“.

Bereits am Wochenende wurde im Rahmen des aktuellen Gipfeltreffens eine neue Sanktion gegen Russland als Reaktion auf die Invasion in die Ukraine beschlossen, die der US-Präsident Joe Biden bekannt gab:

„Gemeinsam werden die G7 verkünden, dass wir den Import von russischem Gold verbieten werden, einem wichtigen Exportgut, das Russland Dutzende Milliarden Dollar einbringt.“

Darüber hinaus soll auch der Handel mit russischem Gold zwischen den G7-Staaten verboten werden.

Das flächenmäßig größte Land der Welt ist der drittgrößte Goldproduzent hinter Australien und China mit ca. 10 Prozent der gesamten Gold-Jahresproduktion (Quelle: US Geological Survey).

Goldproduzent

Interessant ist im Zusammenhang mit den nun bereits beschlossenen Gold-Sanktionen der G7, dass die Schweiz als größter Standort für die Weiterverarbeitung und Distribution des Edelmetalls in Europa seit Mai dieses Jahres wieder russisches Gold importiert (Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung )

Schweiz seid Mai dieses Jahres wieder russisches Gold importiert

Die Schweiz gehört der G7 nicht an und ist bislang von dem Boykott auch nicht direkt betroffen.

Der Handel mit russischem Gold fand bereits vor der jetzt beschlossenen Sanktion nicht primär mit westlichen Staaten, sondern mit Ländern aus Fernost, allen voran China und Indien statt.

Der Zugang zur Shanghai Gold Exchange, der größten Gold-Termin-Börse der Volksrepublik China für den Handel mit Edelmetallen (Gold, Silber und Platin) ist für Russland nach wie vor möglich.

Waren Terminbörse

Risiken und Nebenwirkungen

Der Verzicht auf russisches Gold könnte gravierende Folgen für die westlichen Volkswirtschaften haben:

Zum einen war es Russland, dass im März 2020, also zum Hochpunkt der Corona-Panik, dem Westen physisches Gold lieferte, sodass die Terminmärkte in London und New York den Handel mit dem gelben Edelmetall mangels Metalls nicht einstellen mussten. Dies wiederum hätte unabsehbare Folgen für den Goldpreis und die Finanzmarktstabilität haben können.

Bereits die Sanktionen in anderen Bereichen führten zu starken Marktverwerfungen: So stiegen die Preise für Nickel am 7. März kurzzeitig um 75 Prozent an und die London Metal Exchange (LME) setzte daraufhin den Handel mit Nickel-Kontrakten am 8. März aus.

Die Lieferfähigkeit war wegen Panik-Käufen nicht länger gegeben.

Russland verfügt weltweit über die viertgrößten Nickel-Reserven und war bis zum Jahr 2021 der zweitgrößte Produzent hinter Indonesien.

Noch dramatischer stellte sich die Lage zwischenzeitlich bei Palladium dar, wo Russland vor Südafrika im Jahr 2020 mit 93 Tonnen am meisten zur jährlichen Förderung des weißgrauen Edelmetalls beitrug. Ohne Palladium steht die weltweite Automobilproduktion in großen Teilen still, da das Metall hauptsächlich zur Abgasreinigung in Otto-Motor-Katalysatoren eingesetzt wird (Benziner).

Aktuell gibt es zudem starke Verspannungen am Markt für Zink, das u. a. bei der Stahlproduktion, aber auch bei der Batterieherstellung zum Einsatz kommt. An der LME in London stieg das Aufgeld für sofort lieferbares Zink gegenüber den Future-Kontrakten am vergangenen Dienstag auf den höchsten Stand seit 1997 und damit seit 25 Jahren.

Der Grund für die Spannungen am Terminmarkt sind Knappheitsängste der Marktakteure in der Folge von bereits etablierten und zukünftig noch möglichen Sanktionen gegen Russland.

Weitere wichtige Daten in dieser Woche

Für die größte Volkswirtschaft Europas werden vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden an diesem Mittwoch um 14:00 Uhr die vorläufigen Zahlen für den Anstieg der Verbraucherpreise (VPI) in Deutschland für den Mont Juni veröffentlicht.

Im Konsens erwarten die Analysten eine nochmalige Beschleunigung der Preisinflation auf +8,0 Prozent gegenüber dem Juni 2021 nach +7,9 Prozent im Mai. In den Vormonaten wurden die Prognosen von den tatsächlich gemeldeten Zahlen regelmäßig nach oben übertroffen.

Dennoch entspräche der prognostizierte Anstieg bereits der höchsten Inflationsrate seit Beginn dieser Datenerhebung im Jahr 1948 (Quelle: DeStatis)

Verbraucherpreis Index VPI 2022

In der für alle Staaten im Euroraum harmonisierten Berechnungsmethode (HVPI) wird sogar mit einem jährlichen Anstieg der Verbraucherpreise um offiziell 8,8 Prozent in Deutschland gerechnet. Auch dies wäre ein neuer Inflationsrekord seit Einführung der Gemeinschaftswährung als Buchgeld im Januar 1999 bei gleichzeitig rekordtiefen Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB):

Leitzinsätze der EZB

Es dürfte daher wenig verwundern, wenn die am Dienstag von der Gesellschaft für Konsumforschung aus Nürnberg (GfK) um 8:00 Uhr zur Veröffentlichung anstehenden Daten zum Konsumklima ebenfalls auf den niedrigsten jemals gemessenen Stand von prognostizierten -27,6 Punkten fallen würden.

Im Vormonat waren es noch -26 Punkte.
nd der Corona-Pandemie lag im April 2020 bei -23,1 Punkten. Zuvor pendelte das GfK-Konsumklima bei Werten zwischen max. 16,8 (April 2001) und minimal -3,5 (April 2003). Selbst während der Finanz- und Eurokrise fiel der Index niemals unter null.

Deutschland GFK - konsumklima

Weitere wichtige Daten-Termine inklusive Prognosen und den Historien finden Sie hier.

Autor: Hannes Zipfel
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von ich | 29.06.2022, 12:46 Antworten

Sobald endlich die Matroschka Puppen im europäischen Raum verboten wurden, wird Russland an seine Grenzen geraten!

von Advocatus Diaboli | 28.06.2022, 21:00 Antworten

Gold Boykott LOL Russland kann Gold überall hin verkaufen nach China Indien.... Putin
lacht sich tot. Wer soll damit beeindruckt werden ? Auf wen wirkt sich das wirklich aus. Alles nur noch eine Farce entweder von gekauften oder völlig verblödeten....

von Freiheitsbetrag | 28.06.2022, 13:09 Antworten

Prima Artikel. G7 steht wohl nicht für Grün7, wenn bald Palladium fehlt, dafür aber Haubitzen und Raketen ihre Abgase freisetzen.
In früheren Artikeln waren wir bei den 70ern, in diesem bereits in den 40ern, wenn der Nächste von den 20ern handelt wissen wir wie schnell man ein bequemes Gebäude zum Einsturz bringen kann.

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