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Stand: 18.11.2022 von Hannes Zipfel
Wegen jahrelanger Preismanipulation und Betrugs wurde der ehemalige Chef-Edelmetallhändler der größten Bank der USA Ende letzter Woche von einem Bundesgericht in Chicago verurteilt. Aus den Gerichtsakten gehen pikante Details und schwindelerregend hohe Gewinne sowie Bonuszahlungen in achtstelliger Höhe für den Angeklagten und seine Mittäter hervor.
Gewinngarantie im Goldhandel bei JPMorgan Chase

Im Schnitt 100 Millionen US-Dollar jährlich

Bereits Mitte August hatte GOLD.DE über den Fall berichtet, bei dem leitende Edelmetallhändler der größten Bank Amerikas, JPMorgan Chase, wegen Betruges und gefälschten „Spoofing“-Aufträgen zur Rechenschaft gezogen wurden.

Zu den Kunden der Abteilung gehörten neben Privatanlegern auch institutionelle Kunden und sogar Zentralbanken.

Nach dem dreiwöchigen und umfangreichsten Prozess dieser Art und mehr als acht Tagen Beratung durch die Jury-Mitglieder wurde der ehemalige Abteilungsleiter für Edelmetalle von JPMorgan Chase, Michael Nowak, für schuldig befunden. Das Strafmaß wird nun durch den Richter festgelegt.

Gerichtsbeobachter halten jedoch aufgrund der Zeitdauer der Straftaten von 2008 bis 2016 und des finanziellen Schadens eine Haftstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung für möglich.

Außerdem kommen Schadenersatzklagen in dreistelliger Millionenhöhe auf Nowak zu.

Mit dem Schuldspruch vom Mittwoch letzter Woche hat das US-Justizministerium bislang die Verurteilung von zehn ehemaligen Edelmetall-Händlern von Finanzinstituten erreicht, darunter von JPMorgan Chase, Merrill Lynch & Co., Deutsche Bank AG, The Bank of Nova Scotia und Morgan Stanley.

Diese Institute sind federführend im globalen Edelmetallhandel.

Wie lukrativ sich diese Manipulation allein für JPMorgan darstellte, zeigen folgende Zahlen:

Gewinne der Edelmetll-Handelsabteilung von JPMorgan Chase

Insgesamt verdiente Amerikas Branchenprimus im Edelmetallhandel im Pandemie-Jahr 2020 eine Milliarde US-Dollar.

Schwindelerregende Vergütung

Weil sich die Übervorteilung der Gegenparteien im Goldhandel von JPMorgan Chase so lukrativ gestaltete und ein Großteil der Gehälter der involvierten JPMorgan-Banker aus Bonuszahlungen speisten, wurden Vergütungen bis in den achtstelligen Bereich ausgeschüttet (US-Dollar).

Das Geschäft war für JPMorgan zunächst ein risikoloser Gewinnbringer, der zwischen 2008 und 2018 jährliche Erträge zwischen 109 und 234 Millionen US-Dollar erzielte. Der Löwenanteil davon stammte aus dem Handel an den Finanz- und Terminmärkten, also nicht aus dem physischen Handel mit Kunden oder institutionellen Gegenparteien. Die größte Rolle spielte das betrügerische Spoofing.

Die Vermutung, dass große US-Investmentbanken an den Finanzmärkten, also quasi an den Papier-Gold-Märkten manipulierten, sind also de facto keine Verschwörungstheorie.

Nebenbei vereinnahmt JPMorgan Chase mit dem Handel, dem Transport und der Lagerung von physischen Edelmetallen jährlich ca. 30 Millionen US-Dollar.

Infobox (Quelle: US District Court, Northern District of Illinois, Chicago)

Die gewinnbringendsten betrügerischen Edelmetallhändler von JPMorgan Chase wurden fürstlich entlohnt:

  • Jeffrey Ruffo, der speziell für Hedgefonds zuständige Händler der Bank, vereinnahmte von 2008 bis 2016 ein Gesamteinkommen von 10,5 Millionen US-Dollar Gesamteinkommen.
  • Gregg Smith, Executive Director und der Top-Goldhändler der Abteilung erhielt im gleichen Zeitraum 9,9 Millionen US-Dollar.
  • Nowak, der Chef der Edelmetallabteilung, verdiente am meisten: 23,7 Millionen US-Dollar.

Nowak brachte der Bank im Gegenzug von 2008 bis 2016 durch seine Geschäfte 186 Millionen US-Dollar ein, darunter 44 Millionen US-Dollar allein im Jahr 2016.

Ans Licht kamen diese Details nur, weil Kronzeugen, die ebenfalls ehemalige Mitarbeiter bei JPMorgan waren und mitangeklagt wurden, detaillierte Aussagen machten.

Gigantischer Marktanteil

JPMorgan Chase ist einer der größten "Spieler" an den Edelmetall-Terminmärkten und lagert physisches Gold im Wert von mehreren zehn Milliarden US-Dollar in den Tresoren in London, New York und Singapur.

Zudem ist die Bank eines von vier Clearing-Mitgliedern der größten physischen Goldbörse der Welt in London (LME), wo die globalen Goldpreise durch wenige Banken festgelegt werden.

JPMorgan Chase ist der größte Akteur in einer insgesamt weltweit kleinen Gruppe von „Barrenbanken“ (Bullion Banks), die die Edelmetallmärkte dominieren. Aufschluss darüber, wie groß diese Dominanz im Falle der Bank mit Sitz in Manhatten ist, gaben Dokumente, die im Zuge des Prozesses vorgelegt wurden:

Im Jahr 2010 wurden beispielsweise 40 Prozent aller Transaktionen auf dem Goldmarkt von JPMorgan Chase abgewickelt.

Damit wird deutlich, was Staatsanwalt Avi Perry in seinem Abschlussplädoyer meinte, als er sagte:

„Sie hatten die Macht, den Markt zu bewegen, die Macht, den weltweiten Goldpreis zu manipulieren“

JPMorgan Chase erklärte sich aufgrund der Ausmaße des Fehlverhaltens im Jahr 2020 bereit, 920 Millionen US-Dollar Strafe zu zahlen, um einen Vergleich mit dem Justizministerium zu erzielen. Dies ist die mit Abstand höchste Geldstrafe eines Finanzinstituts, das der Marktmanipulation seit der Finanzkrise beschuldigt wird.

Gelohnt haben dürfte sich das Geschäft für die Bank dennoch.
Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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