Stand: 04.01.2021 von Jörg Bernhard
Wer hätte das gedacht? Mit einer Jahresperformance in Höhe von 25,0 Prozent (in Dollar) wurde 2020 der Vorjahreswert in Höhe von plus 18,3 Prozent signifikant übertroffen (siehe Tabelle).
Goldpreis: Ausnahmejahr mit Rekorden en masse

Schuldenberge und Geldflut rund um den Globus

Das Jahr 2020 war durch zahlreiche Horrormeldungen gekennzeichnet – angefangen von weltweit zu beklagenden Covid-19-Opferzahlen im Millionenbereich über den Verlust von mehr als 22 Millionen US-Jobs in den Monaten März und April gab es in einigen Ländern Konjunktureinbrüche im zweistelligen Prozentbereich zu beklagen.

Auch während dieser "XXL-Krise" reagierten Notenbanken und Regierungen mit einer weiteren Geldflut.

In diesem Jahr kletterten allein die US-Staatsschulden um mehr als vier Billionen auf 27,4 Billionen Dollar und die Bilanzsumme der US-Notenbank Fed kletterte in Rekordgeschwindigkeit innerhalb eines Jahres um über drei Billionen auf 7,252 Billionen Dollar. Pro Monat landen Anleihen im Wert von 120 Milliarden Dollar in den Büchern der Fed. Angesichts fehlender Renditen darf man deren tatsächlichen Wert durchaus in Frage stellen, schließlich sind ihre Preise vor allem durch die Interventionen der Notenbanken massiv nach oben manipuliert worden.

Eine Funktion von ungedecktem Fiat-Geld scheint derzeit massiv gefährdet zu sein: der langfristige Werterhalt. Schon heute kann man mit Anleihen im Volumen von mehreren Billionen Dollar bzw. Euro – bedingt durch negative Realzinsen (Nominalzins minus Inflation) – nichts verdienen. Bei solchen Anleihen ist die systematische Vermögensvernichtung vorprogrammiert.

Entwicklung der Finanzmärkte im Jahr 2020


am 31.12.2020 Performance 2020 52-Wochentief 52-Wochenhoch
Goldpreis pro Feinunze (Dollar) 1.898,60 25,0% 1.452,32 2.071,69
Goldpreis pro Feinunze (Euro) 1.548,17 13,8% 1.301,44 1.748,83
CBOE-Gold-Volatilitätsindex (Prozent) 20,06 58,8% 10,91 48,98
Dow-Jones 30.409,56 6,6% 18.213,65 30.525,56
DAX 13.718,78 3,8% 8.255,65 13.903,11
Quelle: GOLD.DE; wsj.com; cboe.com; Stand: 31.12.2020
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Licht und Schatten bei der globalen Goldnachfrage

Durch die corona-bedingten Unsicherheiten waren Investoren ganz klar die Nachfragetreiber Nummer Eins. Auf Basis der Daten vom World Gold Council (WGC) beliefen sich zum Beispiel die Netto-Zuflüsse physisch besicherter Gold-ETFs bis dato auf 875,2 Tonnen (Stand: 18.12.20) und übertreffen damit das bisherige Rekordjahr 2009 (646,1 Tonnen) um mehr als 35 Prozent. Eine rekordhohe Nachfrage wurde für die ersten neun Monate auch beim Verkauf offizieller Goldmünzen gemeldet. Mit rund 220 Tonnen liegt man aktuell auf Neunmonatssicht über den Boomjahren 2009 (Lehman-Krise) und 2013 (Euro-Krise).

Dies kommt auch durch die Daten der US Mint hinsichtlich der im Jahr 2020 ausgelieferten American Eagle Goldmünzen zum Ausdruck. Mit 844.000 Unzen (Stand: 31.12.20) wurde der vergleichbare Vorjahreswert um 455 Prozent übertroffen.

In einem wichtigen Marktsegment herrschte indes keine sonderlich ausgeprägte Kauflaune. Tiefrote Vorzeichen gab es in diesem Jahr nämlich bei der Schmucknachfrage zu vermelden. Dies hatte mehrere Gründe.

Erstens: Die beiden bedeutendsten Nachfragenationen China und Indien gelten als ausgesprochen preissensitiv, was sich bei steigenden Goldpreisen regelmäßig in einer rückläufigen Goldnachfrage niederschlägt. So meldete zum Beispiel der WGC im dritten Quartal für Indien einen Einbruch der Schmucknachfrage um 48 Prozent p.a. und für China ein Minus von 25 Prozent. Weltweit schlug sich dies in den ersten neun Monaten gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreswert in einem Einbruch um über 40 Prozent auf 910 Tonnen nieder.

Zweitens: Corona-bedingte Lockdowns haben das Geschäft der Juweliere erheblich belastet. Weil dieses Minus durch die starke Investorennachfrage aber mehr als kompensiert wurde, ging es mit dem Goldpreis steil bergauf.

Ausblick für die laufende Woche

Das Jahr 2020 werden Investoren nicht so schnell vergessen. Nie dagewesene Entwicklungen haben die Finanzmärkte kräftig durcheinandergewirbelt. Von A wie Aktien bis Z wie Zinsen gab es im Jahresverlauf sowohl neue Allzeithochs als auch Rekordtiefs zu vermelden. Höchstwahrscheinlich wird das neue Jahr weniger turbulent als das alte verlaufen, Langeweile sollte dennoch eher nicht aufkommen. Das Thema Pandemie dürfte vor allem in der ersten Jahreshälfte weiterhin heiß diskutiert werden. Dabei muss sich zeigen ob die an den Aktienmärkten eifrig verteilten "Vorschusslorbeeren" berechtigt waren.

Goldbesitzer dürften der Zukunft deutlich entspannter entgegensehen, schließlich sprechen explodierende Geldmengen, exorbitant hohe Schulden sowie ultraniedrige Leitzinsen ausnahmslos für ein Goldinvestment. Dass viele Investoren auf der Suche nach Alternativen zu Fiat-Geld sind, zeigt der diesjährige Run auf den Bitcoin, der von einigen Befürwortern sogar als digitales Gold bezeichnet wird. In puncto Substanz und Schönheit wird der Newcomer allerdings den Oldie wohl auf Dauer nicht übertreffen können.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von Normalbürger P... | 06.01.2021, 18:36 Antworten

Kein Land haftet für die Schulden eines anderen Mitglied Landes. Wer kennt diese Aussage unserer verantwortungslosen Politiker noch, und war da nicht ein Vertrag wo das festgehalten wurde? Der Euro war schon vor Corona am Ende und ist es jetzt noch mehr. Wann wacht endlich der Normalbürger auf und stimmt mit den Füßen ab gegen den Euro und kauft nur noch Gold mit allen wertlosen Papier Euros die er über hat. Die Zeche bezahlt am Ende immer der kleine Normalo, dass wird dieses mal nicht anders sein. Meine Familie kauft seit über 30 Jahren Gold und die Rendite ist in all den Jahren wunderbar. Vergrabt und versteckt es außerhalb es Bankensystems sonst ist es weg wenn die Banken zu sind und der Knall da ist. Ich weis das es so kommen wird, kommen muss. Eine Frage hätte ich hier noch, warum drucken wir alle unser Geld nicht einfach selber wie es die EZB macht ohne Legimitation von vielen Normalos. Mein Vertrauen in den Euro ist Null. In diesem Sinne

3 Antworten an Normalbürger P... anzeigen
von Aureus | 05.01.2021, 19:45 Antworten

Ich bevorzuge geringere Gewinne und dafür ein
stabileres gesellschaftliches System. Aber das kann man sich momentan als überzeugter Goldinvestor ja leider nicht aussuchen...Gold ist eben eine glänzende Versicherung, die, im Gegensatz zu herkömmlichen Versicherung, garantiert zahlt.

3 Antworten an Aureus anzeigen
von ich | 05.01.2021, 18:50 Antworten

Das neue Jahr wird noch viel turbulenter, denn in diesem Jahr wird alles aufgedeckt werden und für viele wird eine Welt zusammenbrechen!

von Robert Pfeiffer | 05.01.2021, 17:51 Antworten

Tolle Performance, da wird Bitcoin nicht gezeigt.

von Commander C | 05.01.2021, 15:03 Antworten

"Höchstwahrscheinlich wird das neue Jahr weniger turbulent als das alte verlaufen", trotz der Rückkehr zur ursprünglichen Insolvenzregel?
Wäre jedenfalls wünschenswert.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"