Stand: 15.04.2020 0 Kommentare

Wie hoch ist die aktuelle Goldnachfrage weltweit? Wie setzt sie sich zusammen? Wer kauft am meisten? Wie hat sich die Nachfrage nach Gold entwickelt? Hier alle Antworten!

Goldnachfrage in 2019: Das Wichtigste in Kürze
  • Gesamtnachfrage weltweit 2019: 4355,7 Tonnen. Somit leichter Rückgang gegenüber 2018 um rund 1%
  • Schmucksektor mit deutlich gesunkener Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr
  • Goldnachfrage im Sektor "Münzen und Barren" ebenfalls deutlich gesunken
  • Nachfrage durch Notenbanken wie durch Industrie leicht gesunken im Vergleich zu 2018
  • Sehr hohe Nachfragesteigerung durch ETFs macht sinkende Nachfrage in anderen Sektoren mehr als wett
Lies hier:

Aktuelle Goldnachfrage 2019 gesamt

Die weltweite Goldnachfrage betrug 2019 insgesamt 4355,7 Tonnen. Diese Zahlen veröffentlichte Anfang 2020 das World Gold Council (WGC), die Marketing-Organisation der Goldminenindustrie (1). Deren Gold Demand Trends sind regelmäßig veröffentlichte Reports mit wichtigen Zahlen und Fakten zur aktuelle Goldnachfrage.

Bei der Gesamtnachfrage selbst wird unterschieden nach Segmenten. Im Jahr 2019 teilten sich die 4355,7 Tonnen wie folgt auf:

  • 2107,0 Tonnen Gold entfielen auf den Sektor Goldschmuck
  • 1271,7 Tonnen Gold entfielen auf den Sektor Investment
  • 650,3 Tonnen Gold entfielen auf den Sektor Zentralbanken
  • 326,6 Tonnen Gold entfielen auf den Sektor Industrie und Technik
Goldnachfrage weltweit aktuell

Woher kommt das Gold? Das weltweite Goldangebot insgesamt setzt sich zusammen aus neu gefördertem Gold der Minenbetreiber, recyceltes Altgold sowie das Hedging (=Absicherungsgeschäfte am Terminmarkt) der Minenbetreiber. 2019 wurden auf dem Weltmarkt insgesamt 4776,1 Tonnen Gold angeboten. Dies bedeutet eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr um 2 %. Im Detail:

  • Neu gefördertes Gold: 3436,7 Tonnen
  • Recyceltes Gold: 1304,1 Tonnen
  • Netto-Hedging: 8,3 Tonnen

Goldnachfrage Entwicklung

Die weltweite Nachfrage nach Gold verzeichnete 2019 im Vergleich zum Vorjahr einen moderaten Rückgang um 1 %.

In der Gesamtschau der letzten Jahre zeigt sich bei der Entwicklung der Goldnachfrage zunächst ein kontinuierlichen Anstieg, bis dann 2011 das bisherige All Time High erreicht wurde mit 4729 Tonnen. Erwähnenswert: 2011 war auch das Jahr, indem der Goldpreis in Dollar seinen bisherigen Höchststand markierte.

Danach erfolgte ein leichter Rückgang. Seitdem hat sich die Goldnachfrage auf konstant hohem Niveau konsolidiert.

Goldnachfrage Entwicklung

Entwicklung nach Sektoren

Jahr Schmuck Barren und
Münzen
ETFs Technologie Zentralbanken Gesamt
2005 2.721,0 t 418,1 t 211,1 t 440,4 t -663,4 t 3.127,2 t
2006 2.301,4 t 429,8 t 258,7 t 471,7 t -365,4 t 3.096,2 t
2007 2.424,9 t 437,5 t 259,6 t 477,7 t -483,8 t 3.116,0 t
2008 2.306,2 t 917,9 t 325,0 t 464,7 t -235,4 t 3.678,3 t
2009 1.816,3 t 832,3 t 644,6 t 414,4 t -33,6 t 3.674,0 t
2010 2.051,4 t 1.201,8 t 420,8 t 459,9 t 79,2 t 4.213,0 t
2011 2.090,8 t 1.493,4 t 236,9 t 427,0 t 480,8 t 4.729,0 t
2012 2.133,8 t 1.299,0 t 306,6 t 379,1 t 569,3 t 4.687,8 t
2013 2.669,1 t 1.700,8 t -915,9 t 354,3 t 625,5 t 4.133,7 t
2014 2.461,4 t 1.002,2 t -183,1 t 346,4 t 590,5 t 4.217,4 t
2015 2.388,6 t 1.047,0 t -128,3 t 332,0 t 576,5 t 4.215,8 t
2016 2.053,6 t 1.048,7 t 546,8 t 323,4 t 389,8 t 4.308,7 t
2017 2.200,9 t 1.045,2 t 206,4 t 332,6 t 374,8 t 4.159,9 t
2018 2.240,2 t 1.093,6 t 76,2 t 334,8 t 656,2 t 4.401,0 t
2019 2.107,0 t 870,6 t 401,1 t 326,6 t 650,3 t 4.355,7 t

Die einzelnen Segmente im Detail

Nachfrage des Goldschmuck-Sektors

Goldschmuck stellt traditionell den größten Anteil an der Gesamtnachfrage nach Gold. Im Jahr 2019 belief sich die Nachfrage nach Gold für Schmuck und Juweliere auf 2107 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr ein deutlicher Rückgang um 6 %.

Die dominierenden Märkte für Goldschmuck sind China und Indien. Neben den hohen Bevölkerungszahlen gilt Goldschmuck dort auch als traditionelle Form des Investments. Schmuck wird dort nicht nur als Zierde oder Statussymbol gekauft.

Im Jahr 2019 lag die Nachfrage in China bei 637,3 Tonnen und in Indien bei 544,6 Tonnen. Damit verzeichneten die beiden wichtigsten Märkte für Goldschmuck einen deutlichen Nachfragerückgang.

Weitere wichtige Märkte für Goldschmuck sind die USA, Türkei, Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Goldnachfrage aus Deutschland spielt auf dem globalen Schmuckmarkt nur eine Nebenrolle.

Top 10 Märkte für Goldschmuck Schmucknachfrage in Tonnen
China 637,3 t
Indien 544,6 t
USA* 144,7 t
Vereinigte Arabische Emirate* 52,1  t
Iran* 44,9 t
Süd-Korea* 40,4 t
Hongkong* 40,1 t
Türkei* 39,4 t
Indonesien* 36,2 t
Russland* 34,0 t

Quelle: World Gold Council, Gold Demand Trends 2019   * = Zahlen 2017 (Thomson/Reuters - GFMS)

Investmentsektor

Nach der Schmucknachfrage stellen Goldinvestments den zweitgrößten Teil der Gesamtnachfrage nach Gold. Im Jahr 2019 belief sich der Goldbedarf im Investmentsektor auf insgesamt 1271,7 Tonnen. Dabei werden zwei Unterbereiche unterschieden: Physisches Gold (= Goldbarren, staatlichen Goldmünzen und privat geprägte Medaillen) sowie börsengehandelte Goldprodukte wie ETFs oder ETCs (= Exchange Traded Funds, Exchange Traded Commodities). Im Detail unterteilte sich die Nachfrage für Investmentgold in 2019 wie folgt:

  • 870,6 Tonnen Münzen und Barren
  • 401,1 Tonnen ETFs

In der Summe konnte der Investmentsektor Im Vergleich zum Vorjahr 2018 einen deutlichen Anstieg um 9 % verbuchen. Für den Anstieg verantwortlich war allerdings ausschließlich die explosionsartig gestiegene Nachfrage durch ETFs mit stolzen 426 % Nachfragezuwachs. Dieser hohe Anstieg konnte den Rückgang in der Nachfrage bei Münzen und Barren bei weitem ausgleichen.

Investmentsektor: Nachfrage nach Goldbarren und Goldmünzen

2019 war bei der Investmentnachfrage für physisches Gold ein Rückgang um 20 % gegenüber dem Vorjahr zu beobachten. Verantwortlich hierfür war vor allem die sinkende Nachfrage nach Goldbarren und Goldmünzen in den beiden größten Märkten China und Indien.

Die wichtigsten Akteure bei der Nachfrage nach Barren und Münzen sind private (Klein)anleger, die sich im Gegensatz zu institutionellen Anlegern durch eine “Schnäppchenmentalität” auszeichnen. So führt eine stark rückläufige Goldpreisentwicklung regelmäßig zu einem signifikanten Ansteigen der Nachfrage, während ein steigender Goldpreis meist Kaufzurückhaltung nach sich zieht.

Die Nachfrage nach physischem Gold für Goldbarren und Goldmünzen überschritt im Jahr 2010 erstmals die 1000 Tonnen Grenze und hat sich seither über diesem Wert gehalten. Das Allzeithoch wurde im Jahr 2013 mit 1700,8 Tonnen erreicht.

Top Märkte für Goldbarren und Goldmünzen 2019 Nachfrage in Tonnen
China 211,1 t
Indien 146 t
Türkei 53 t
USA 20 t
Quelle: World Gold Council (1)
Investmentsektor: Nachfrage nach Gold-ETFs

Beim nicht-physischen Teil der Investmentgold lag die Nachfrage in 2019 bei 401,1 Tonnen. Die Zuordnung ist aber etwas irreführend, da nur physisch besicherte Produkte in die Nachfrage einfließen. Der Käufer von Anteilen an ETFs und ETCs erhält allerdings in der Regel kein physisches Gold, sondern erwirbt und verkauft die Anteile wie Aktien an der Börse.

Die Nachfrage nach börsengehandeltem Gold setzt sich aus institutioneller und privater Nachfrage zusammen, wobei die institutionellen Anleger den Ton angeben. Häufig sind gegenläufige Entwicklung zur Nachfrage nach Barren und Münzen festzustellen. Die eher trendfolgend orientierten institutionellen Anleger nutzen einen steigenden Goldpreis für Zukäufe und begrenzen bei einem fallenden Goldpreis ihre Verluste.

Der mit Abstand größte Gold-ETF ist der SDPR Gold Trust aus den USA. Auf dem deutschen Markt führt Xetra-Gold die Liste der umsatzstärkste börsengehandelten Goldprodukte an. International liegt Xetra Gold auf dem 3. Platz.

Top 10 Gold-ETFs und Gold-ETCs

Platz Top 10 Gold ETFs & ETCs Land Goldbestände ETFs* (Tonnen)
1 SPDR Gold Trust USA 994,1 t
2 iShares Gold Trust USA 398,2 t
3 Xetra-Gold Deutschland 210,8 t
4 iShares Physical Gold ETC Vereinigtes Königreich 198,7 t
5 Invesco Physical Gold ETC Vereinigtes Königreich 190,8 t
6 ZKB Gold ETF Schweiz 72,5 t
7 Sprott Physical Gold Trust USA 60,4 t
8 Xtrackers Physical Gold Euro Hedged ETC Deutschland 57,9 t
9 Amundi Physical Gold ETC Frankreich 45,6 t
10 SPDR Gold MiniShares Trust USA 36,6 t
Stand: 10. April 2020 | Quelle: World Gold Council

Nachfrage der Zentralbanken - staatliche Goldreserven

Die Zentralbanken waren von 1989 bis 2008 Nettoverkäufer von Gold und bildeten mit einem Verkaufsvolumen von durchschnittlich 400 bis 500 Tonnen einen wichtigen Teil des weltweiten Goldangebots.

Der Übertritt der Zentralbanken als Gruppe auf die Seite der Goldkäufer fand im 2. Quartal 2009 oder auf Gesamtjahresbasis 2010 statt. Mit 650,3 Tonnen an zugekauftem Gold verzeichnete das Jahr 2019 allerdings einen leichten Rückgang um 1 %.

Die USA, Deutschland, der Internationale Währungsfonds, Italien und Frankreich verfügen über die größten Goldbestände, die überwiegend vor oder während der Zeit des Gold-US-Dollar-Standards im Bretton-Woods-System aufgebaut wurden.

Die Nachfrage des staatlichen Sektors im 21. Jahrhundert geht allerdings nicht von diesen Ländern und internationalen Organisationen aus. So treten China und Russland schon seit Jahren als auffallend starke Goldkäufer auf. Aber auch viele Schwellenländern nutzen Gold als Mittel der Diversifizierung ihrer Devisenreserven.

Mehr zu Goldreserven sowie die Top 10 der Zentralbanken mit den größten Goldbeständen hier: Goldreserven

Nachfrage durch Industrie und Technologie

Der industrielle Sektor verbuchte 2019 einen Rückgang der Goldnachfrage um 2 %. Die mit Abstand größte Branche mit Appetit auf Gold ist die Elektronikindustrie. Die Nachfrage für zahnmedizinische Zwecke ist wenig bedeutend.

Quellen:
(1) World Gold Council - Gold Demand Trends 2019

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