Stand: 05.04.2018 0 Kommentare

Wie hoch ist die weltweite Goldnachfrage? Wie setzt sie sich zusammen? In welchem Land wird am meisten Goldschmuck gekauft? Welche Zentralbanken sind bei staatlichen Goldkäufen besonders aktiv? Wie hat sich die Gesamtnachfrage nach Gold in den letzten Jahren entwickelt? Hier alle Antworten zum Thema Goldnachfrage!

Das Wichtigste in Kürze

  • Weltweite Goldnachfrage lag 2017 bei über 4.000 Tonnen
  • China bei physischer Goldnachfrage führend
  • Goldbarren und Goldmünzen in Deutschland populär
  • SPDR Gold Trust größter Gold ETF

Aktuelle Goldnachfrage 2017

Die wichtigste Informationsquelle für die aktuelle Goldnachfrage sind die Gold Demand Trends des World Gold Council (WGC), die Marketing-Organisation der Goldminenindustrie. Hier werden regelmäßig Reports mit aktuellen Zahlen veröffentlicht. Demzufolge lag die weltweite Goldnachfrage im Jahr 2017 bei insgesamt 4.071,7 Tonnen. Zum Vergleich: Im Vorjahr betrug die weltweite Nachfrage nach Gold noch 4.308,7 Tonnen. Somit ein Rückgang um knapp 6 %.

Bei der Gesamtnachfrage wird unterschieden nach Sektoren. Im Jahr 2017 teilten sich die 4.071,7 Tonnen der Gesamtnachfrage wie folgt auf:

  • 2.135,5 Tonnen Gold entfielen auf den Sektor Goldschmuck
  • 1.231,9 Tonnen Gold entfielen auf den Sektor Investment
  •   371,4 Tonnen Gold entfielen auf den Sektor Zentralbanken
  •   332,8 Tonnen Gold entfielen auf den Sektor technologische Anwendungen

Dabei werden bei der Investmentnachfrage zwei weitere Unterbereiche unterschieden: Physische Goldbarren und Goldmünzen, sowie börsengehandelte Gold-ETFs. Im Detail unterteilten sich die 1.231,9 Tonnen der Nachfrage für Investmentgold in 2017 wie folgt:

  • 1.029,2 Tonnen Münzen und Barren
  •     202,8 Tonnen ETFs

Quelle: World Gold Council, Gold Demand Trends 2017

Weltweite Goldnachfrage Stand April 2018

Weltweite Goldnachfrage unterliegt Schwankungen

Die Goldnachfrage ist in ihrem Volumen und ihrer Zusammensetzungen ständigen Schwankungen unterworfen. Dies zeigt beispielhaft die nachfolgende Grafik:

Aktuelle Goldnachfrage

Entwicklung der Goldnachfrage 2005 - 2017 im Detail:

Jahr Schmuck Barren und
Münzen
ETFs Technologie Zentralbanken Gesamt
2005 2.721,0 t 418,1 t 211,1 t 440,4 t -663,4 t 3.127,2 t
2006 2.301,4 t 429,8 t 258,7 t 471,7 t -365,4 t 3.096,2 t
2007 2.424,9 t 437,5 t 259,6 t 477,7 t -483,8 t 3.116,0 t
2008 2.306,2 t 917,9 t 325,0 t 464,7 t -235,4 t 3.678,3 t
2009 1.816,3 t 832,3 t 644,6 t 414,4 t -33,6 t 3.674,0 t
2010 2.051,4 t 1.201,8 t 420,8 t 459,9 t 79,2 t 4.213,0 t
2011 2.090,8 t 1.493,4 t 236,9 t 427,0 t 480,8 t 4.729,0 t
2012 2.133,8 t 1.299,0 t 306,6 t 379,1 t 569,3 t 4.687,8 t
2013 2.669,1 t 1.700,8 t -915,9 t 354,3 t 625,5 t 4.133,7 t
2014 2.461,4 t 1.002,2 t -183,1 t 346,4 t 590,5 t 4.217,4 t
2015 2.388,6 t 1.047,0 t -128,3 t 332,0 t 576,5 t 4.215,8 t
2016 2.041,6 t 1.029,2 t 531,9 t 322,5 t 383,6 t 4.308,7 t
2017 2.135,5 t 1.029,2 t 202,8 t 332,8 t 371,4 t 4.071,7 t

Goldnachfrage in den einzelnen Segmenten

Nachfrage nach Goldschmuck

Goldschmuck stellt traditionell den größten Anteil an der Gesamtnachfrage nach Gold. Im Jahr 2017 belief sich die Schmucknachfrage auf 2.135,5 Tonnen, was einem Anteil von mehr als der Hälfte ausmacht. Im Jahr 2005 hatte der Anteil noch bei 87 Prozent gelegen.

Der Rückgang des Anteils  ist neben einem geringeren Verkaufsvolumen vor allem auf den Wechsel der Zentralbanken von Nettoverkäufern zu Nettokäufern von Gold und auf eine höherem Anteil der Investmentnachfrage nach Gold-ETFs, Goldbarren und Goldmünzen zurückzuführen.

Die dominierenden Märkte für Goldschmuck sind China und Indien. Neben den hohen Bevölkerungszahlen ist auch die Funktion von Goldschmuck in diesen Ländern für die starke Nachfrage verantwortlich. In China und Indien wird Goldschmuck nicht nur als Zierde oder Statussymbol gekauft, sondern auch als eine traditionelle Form des Investments genutzt.

Im Jahr 2017 lag die Nachfrage nach Goldschmuck in China bei 646.9 Tonnen und in Indien bei 562.7 Tonnen. Zusammengenommen stellten die beiden Länder damit weit über die Hälfte der weltweiten Goldschmuck-Nachfrage.

Weitere wichtige Märkte für Goldschmuck sind die USA, Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Mit einer Nachfrage von 10,3 Tonnen (2016) spielt Deutschland auf dem globalen Schmuckmarkt nur eine Nebenrolle.

Top 10 Märkte für Goldschmuck

Land Schmucknachfrage*
China 646,9 t
Indien 562,7 t
USA 122,1 t
Saudi Arabien* 56,4  t
Iran 45,4 t
Vereinigte arab. Emirate 42,8 t
Türkei* 40,0 t
Indonesien* 38,4 t
Russland* 33,8 t
Japan 16,6 t
*Stand: 2016; für 2017 noch keine Zahlen verfügbar

Investmentnachfrage

Die Investmentnachfrage umfasst die physische Nachfrage nach Goldbarren, staatlichen Goldmünzen und privat geprägten Medaillen sowie die Nachfrage der Gold-ETFs und ähnliche börsengehandelte Goldprodukte.

Nach der Schmucknachfrage stellen Goldinvestments den zweitgrößten Teil der Gesamtnachfrage nach Gold. Im Jahr 2017 belief sich die Investmentnachfrage auf 1.231,9 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr 2016 ein deutlicher Rückgang in der Gesamtnachfrage.

Nachfrage nach Goldbarren und Goldmünzen

Die physische Investmentnachfrage nach Goldbarren und Goldmünzen überschritt im Jahr 2010 erstmals 1.000 Tonnen und hat sich seither über dieser Grenze gehalten. Das Allzeithoch wurde im Jahr 2013 mit 1.700,8 Tonnen erreicht. 2017 belief sich die physische Investmentnachfrage auf 1.029,2 Tonnen

Die größten Märkte für Goldbarren und Goldmünzen sind China und Indien, wobei der Spitzenplatz häufiger mal wechselt. Auf dem dritten Platz folgt mit einigem Abstand Deutschland. Auffallend war der starke Rückgang der Nachfrage für Münzen und Barren in den USA von 93,2 Tonnen (2016) auf 39,4 Tonnen in 2017. Umgekehrt war in der Türkei eine starke Steigerung der Münzen- und Barrennachfrage zu beobachten.

Die wichtigsten Akteure bei der Nachfrage nach Barren und Münzen sind private (Klein)anleger, die sich im Gegensatz zu institutionellen Anlegern durch eine “Schnäppchenmentalität” auszeichnen.

Stark rückläufige Goldpreisentwicklung führt regelmäßig zu starken Ansteigen der Nachfrage, während ein steigender Goldpreis meist Kaufzurückhaltung nach sich zieht.

Top 10 Märkte für Goldbarren und Goldmünzen

Land Nachfrage
Barren und Münzen
China 306,4 t
Indien 164,2 t
Deutschland 106,3 t
Thailand* 69,7 t
Türkei 52,4 t
Schweiz* 45,7 t
Vietnam* 42,9 t
USA 39,4 t
Indonesien* 21,1 t
Japan* 20,0 t
*Stand: 2016; für noch keine Zahlen 2017 verfügbar

Nachfrage nach Gold-ETFs

Börsengehandelte Goldprodukte wie Gold-ETFs (Exchange Traded Funds,) und Gold-ETCs (Exchange Traded Commodities) bilden den nicht physischen Teil der Investmentnachfrage. Die Zuordnung ist ein wenig irreführend, da nur physisch besicherte Produkte in die Nachfrage EInfließen.

Der Käufer von Anteilen an ETFs und ETCs erhält allerdings in der Regel kein physisches Gold, sondern erwirbt und verkauft die Anteile wie Aktien an der Börse. 2017 lag die Goldnachfrage für ETFs bei 202,8 Tonnen - im Vergleich zum Vorjahr 2016 ein Rückgang um über 60%.

Die Nachfrage nach börsengehandeltem Gold setzt sich aus institutioneller und privater Nachfrage zusammen, wobei die institutionellen Anleger den Ton angeben. Häufig sind gegenläufige Entwicklung zur Nachfrage nach Barren und Münzen festzustellen. Die eher trendfolgend orientierten institutionellen Anleger nutzen eine steigenden Goldpreis für Zukäufe und begrenzen bei einem fallenden Goldpreis ihre Verluste.

Der mit Abstand größte Gold-ETF ist der SDPR Gold Trust aus den USA. Auf dem deutschen Markt führt Xetra-Gold die Liste der umsatzstärkste börsengehandelten Goldprodukte an. International liegt Xetra Gold auf dem 3. Platz.

Top 10 der Gold-ETFs und der Gold-ETCs Stand Mai 2017

Top 10 Gold ETFs & ETCs

Platz ETF Land Goldbestände ETFs* (Tonnen)
1 SPDR Gold Trust USA 832,33 t
2 iShares Gold Trust USA 199,85 t
3 Xetra-Gold Deutschland 162,85 t
4 EFTS Physical Gold Vereinigtes Königreich 148,67 t
5 ZKB Gold ETF Schweiz 147,46 t
6 Gold Bullion Securites Vereinigtes Königreich 100,12 t
7 Source Physical Gold P-ETC Vereinigtes Königreich 99,50 t
8 iShares Physical Gold ETC Vereinigtes Königreich 69,39 t
9 Sprott Physical Gold Trust USA 54,66 t
10 Central Fund of Canada Kanada 55,03 t
* Stand: März 2017

Nachfrage der Zentralbanken - staatliche Goldreserven

Die Zentralbanken waren von 1989 bis 2008 Nettoverkäufer von Gold und bildeten mit einem Verkaufsvolumen von durchschnittlich 400 bis 500 Tonnen einen wichtigen Teil des weltweiten Goldangebots.

Der Wechsel der Zentralbanken als Gruppe auf die Seite der Goldkäufer und damit der Goldnachfrage fand im 2. Quartal 2009 oder auf Gesamtjahresbasis 2010 statt. Das seitdem höchste Kaufvolumen verzeichnete der staatliche Sektor im Jahr 2013 mit 625,5 Tonnen, was damals einem Anteil der Gesamtnachfrage von 15,3 Prozent entsprach.

Im Jahr 2017 lag das Volumen bei 371,4 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr 2016 ein Rückgang um etwa 5%. Die USA, Deutschland, der Internationale Währungsfonds, Italien und Frankreich verfügen über die größten Goldbestände, die überwiegend vor oder während der Zeit des Gold-US-Dollar-Standards im Bretton-Woods-System aufgebaut wurden.

Die Nachfrage des staatlichen Sektors im 21. Jahrhundert geht allerdings nicht von diesen Ländern und internationalen Organisationen aus, sondern von Schwellenländern, die Gold als Mittel der Diversifizierung ihrer Devisenreserven nutzen.

Dabei spielen China und Russland die wichtigste Rolle als Goldkäufer. Zwischen 2005 und 2017 haben sich die Goldbestände dieser beiden Länder zusammengenommen von weniger als 1.000 Tonnen auf über 3.500 Tonnen erhöht. Im Ranking der größten staatlichen Goldbesitzer belegt China inzwischen den 6. und Russland den 7 Platz.

Mehr zu Goldreserven sowie die Top 10 der Zentralbanken mit den größten Goldbeständen hier: Goldreserven

Goldangebot

Zum Goldangebot wird neu gefördertes Gold, recyceltes Altgold sowie das Hedging (Absicherungsgeschäfte am Terminmarkt) der Minenbetreiber gerechnet. Im Jahr 2017 lag das Gesamtangebot an Gold auf dem Weltmarkt bei 4.398,4 Tonnen, ein Rückgang um 4% im Vergleich zum Vorjahr. Dieses Gesamtangebot setzt sich wie folgt zusammen:

  • Neu gefördertes Gold: 3.268,7 Tonnen

  • Recyceltes Gold: 1.160,0 Tonnen

  • Netto-Hedging: - 30,4 Tonnen

Mehr zur Goldförderung, geologischen Goldlagerstätten und den Top 10 Ländern mit den größten Fördervolumen und hier: Goldförderung

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