Gold: 2.170,82 € 0,05 %
Silber: 25,48 € -0,16 %
Stand: 02.04.2024 von Hannes Zipfel
Der Goldpreis erreicht in verschiedenen Währungen Rekordwerte am laufenden Band - auch in Euro. Wie lange kann das noch so weiter gehen?
Goldpreis knackt 2.100-Euro-Marke: Wie geht es weiter?

In die erste Aprilwoche startete der Goldpreis in Euro mit einem neuen Allzeithoch und konnte am Dienstagmorgen in der Gemeinschaftswährung die Marke von 2.100 überwinden. Folgende Datenveröffentlichungen haben das Potenzial, die Edelmetallpreise zu beeinflussen:

Ausgesuchte kursrelevante Termine für Gold, Silber & Co. in der 14. Börsenwoche 2024:

  • Sonntag: Gesamt-Einkaufsmanager-Index in China im März (akt.: 52,7 | Feb.: 50,9).
  • Montag: Feiertag - Ostermontag, Einkaufsmanager-Index Industrie in Japan im März (akt.: 48,2 | Feb.: 47,2), US-Einkaufsmanager-Index Industrie (ISM) im März (akt.: 50,3 | Feb.: 47,8).
  • Dienstag: Einkaufsmanager-Index Industrie in Deutschland im März (akt.: 41,9 | Feb.: 42,5), Einkaufsmanager-Index Industrie in der Euro-Zone für März (akt.: 46,1 | Feb.: 46,5), Vorläufige Inflationsrate für Deutschland im März auf Jahresbasis (14:00 Uhr | 2,2 % | Feb.: 2,5 %), offene Stellen in den USA (JOLTs) im Februar (16:00 Uhr MESZ | e: 8,76 Mio. | Jan.: 8,86 Mio.).
  • Mittwoch: Vorläufige Inflationsrate für die Euro-Zone im März (11:00 Uhr | e: 2,5 % | Feb.: 2,6 %), US-Beschäftigte im Privatsektor (ADP) im März (14:15 Uhr MESZ | +149k | Feb.: +140k). Rede des US-Notenbankchefs Jerome Powell zur Inflation, Konjunktur und Geldpolitik (18:10 Uhr MESZ).
  • Donnerstag: Feiertag - Qingming-Fest in China und Hongkong, EZB-Sitzungsprotokoll zur Zinsentscheidung vom 7. März 2024 (13:30 Uhr), US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der KW 13 (14:30 Uhr MESZ | e: 214k | KW 12: 210k), US-BIP-Schätzung für das Q1’24 (annualisiert) der Atlanta Fed (18:30 Uhr MESZ | e: 2,8% | Q4’23: 3,2 %).
  • Freitag: Feiertag - Qingming-Fest in China und Hongkong, Einzelhandelsumsätze in der Euro-Zone im Feb. ggü. Vorjahresmonat (11:00 Uhr | e: -1,2 % | Jan.: -1,0%), US-Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft (NFP) im März (14:30 Uhr MESZ | e: 205k | Feb.: 275k), durchschnittliche US-Stundenlöhne im März ggü. Vorjahresmonat (14:30 Uhr MESZ | e: 4,1 % | Feb.: 4,3 %), Terminmarktdaten der US-Aufsichtsbehörde CFTC (COT-Report) für Gold und Silber (21:30 Uhr MESZ).

Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.

Goldpreis knackt wichtige Marke

Bereits am Ostermontag konnte der Goldpreis die psychologisch wichtige Marke von 2.100 Euro pro Feinunze (31,1g) touchieren, verfehlte sie aber knapp.

Am Dienstagmorgen gelang dann der Sprung über diese Marke mit aktuell 2.106,45 EUR/Unze:

Goldpreis in Euro pro Unze mit neuem Allzeithoch

Davon ausgehend, dass es sich bei der laufenden Aufwärtsbewegung um einen zweistufigen Hausse-Schub handelt, hätten die Notierungen in der Gemeinschaftswährung theoretisch noch Luft bis ca. 2.140 Euro pro Unze.

Erstaunlich ist die aktuelle Bewegung, da gleichzeitig die Renditen am Kapitalmarkt ansteigen, was das zinslose Gold i. d. R. belastet und der größte Reserve-Währungskonkurrent, der US-Dollar, ebenfalls zulegen kann (Euro fällt ggü. dem US-Dollar, blaue Linie):

Goldpreis in Euro vs. Rendite 10-jährige Bundesanleihe vs. EUR/USD

Einzig die anhaltende enorme Nachfrage der BRICS+-Staaten, allen voran China, erklärt die unbeirrte Rekordfahrt des Goldpreises.

Die ansonsten sehr goldaffinen Deutschen stehen aktuell eher auf der Verkäuferseite, ebenso wie die Besitzer von Gold-ETF-Anteilen (Gold-Fonds).

Preiskorrektur oder Paradigmenwechsel?

Am wichtigen US-Terminmarkt sind die Kurse für Gold, wie im letzten Wochenausblick bereits anhand des COT-Reports veranschaulicht, heiß gelaufen. Noch extremer sieht die Situation bei Silber aus (Preisangaben in US-Cents):

COT-Report Silber

Der kurzfristige Timing-Indikator „COT Index“ (rote Linie in der Mitte) steht mit 0,0 Punkten tief im "Verkaufen"-Terrain. Die großen Spekulanten (grüne Linie) haben ihre Wetten auf steigende Silberpreise deutlich ausgebaut.

Auch die Anzahl der gesamten ausstehenden Terminkontrakte (Open Interest, „OI“) weist auf eine kurzfristige "Überkauftheit" am US-Terminmarkt hin (Comex, CME Group).

Normalerweise folgt einem solch ausgeprägten Setup am Terminmarkt eine ebenso ausgeprägte Preiskorrektur.

Doch es gab bereits in der Vergangenheit auch Ausnahmen, v. a. in Krisensituationen (Paradigmenwechsel).

Dann mussten die auf fallende Kurse positionierten „Commercials“ (rote Linie in der Mitte der Grafik) ihre Positionen glattstellen. Die Commercials, zu denen Banken, Vermögensverwalter aber auch Minengesellschaften zählen, halten aktuell 65.077 Silber-Verkaufskontrakte. Ein Future-Kontrakt umfasst 5.000 Unzen Silber.

Die Glattstellung einer Short-Position (Wette auf fallende Kurse) erfolgt durch den Kauf einer Long-Position (Wette auf steigende Kurse), was den Silberpreis weiter nach oben treiben würde.

Ob es dieses Mal auch zu solch einer Short Squeeze bei den Commercials kommt oder nicht, wird sich evtl. schon in den nächsten COT-Reports für Gold und Silber zeigen. Diese werden am Freitag um 21:30 Uhr MESZ von der US-Aufsichtsbehörde CFTC veröffentlicht.

Geopolitik und Schulden

Unabhängig davon, ob kurzfristig auf die signifikanten Preisanstiege des Goldpreises eine ausgeprägte Korrektur folgt oder nicht, bleiben diese wesentlichen Kurstreiber für Gold und Silber mittelfristig erhalten und dürften sich im Zeitverlauf sogar noch intensivieren:

  1. Sanktionsbedingtes Umschichten von westlichen Währungen und Anleihen in Gold.
  2. Zunehmende geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten, in der Ukraine, im Taiwan-Konflikt sowie bei der US-Präsidentschaftswahl.
  3. Rekordhoher Bedarf der Industrie an Silber bei gleichzeitig stagnierendem Angebot.
  4. Explodierende Schuldenlasten wegen gestiegener Zinsen und stark expandierender Verteidigungsbudgets.

Besonders der letzte Punkt dürfte für den Goldpreis in der Gemeinschaftswährung relevant sein. Es wird erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) noch im ersten Semester 2024 mit der Zinswende im Juni beginnt.

Damit steigt die Attraktivität des zinslosen Goldes relativ zu den Anleihen an.

Zudem dürfte sich die Talfahrt des Euro gegenüber dem US-Dollar fortsetzen, da die US-Notenbank später und möglicherweise weniger aggressiv ihren geldpolitischen Wandel vollziehen wird.

Damit dürften bei weiter anhaltend hoher Nachfrage aus China die für in Deutschland beheimateten Anleger relevanten Kurse in Euro schneller steigen bzw. stabiler halten als die in der Weltleitwährung US-Dollar.

In den letzten drei Jahren war dieser Effekt, ausgelöst durch die Euro-Schwäche, bereits deutlich ausgeprägt. Der Renditevorsprung für diesen Zeitraum für Gold in Euro vs. Gold in US-Dollar beträgt kumuliert 12,2 Prozent:

Goldpreis in Euro vs. Goldpreis in US-Dollar pro Feinunze

Fällt der Euro zum US-Dollar unter die Parität, was zuletzt am 27. Oktober 2022 geschah, würde die Unze Gold in Euro nominal sogar höher notieren als in US-Dollar. Dort notiert sie aktuell bei 2.263 US$/Unze.

Autor: Hannes Zipfel
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