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Stand: 04.08.2022 von Hannes Zipfel
Die Schweiz als größter Standort für die Weiterverarbeitung und Distribution von Gold in Europa verbietet mit sofortiger Wirkung die Einfuhr des Edelmetalls aus russischen Beständen. Das hat Folgen für den Goldmarkt im Westen.
Schweiz stoppt Goldimporte aus Russland – die Folgen

Schweizer Goldembargo gegen Russland

Obwohl in der Schweiz bislang kein Gold kommerziell gefördert wird, trotz vermuteter Ressourcen von ca. 100 Tonnen im Kanton Graubünden, ist die Alpenrepublik ein „Big-Player“ im globalen Goldhandel.

Das hat sie u. a. ihrem Ruf als diskreter Lagerort und als qualitativ hochwertiger Weiterverarbeiter zu verdanken. Mehr als die Hälfte des globalen Goldangebotes wird von der Schweiz importiert, veredelt und wieder exportiert.

Das Gold-Geschäftsmodell der Schweiz funktioniert so: In Südamerika, Nordamerika, Russland und Afrika gefördertes Gold sowie Goldbarren aus Großbritannien werden im großen Stil importiert, anschließend in der Schweiz, hauptsächlich in den im Kanto Tessin ansässigen Scheideanstalten umgeschmolzen und anschließend wieder exportiert – vor allem nach Großbritannien (für ETF-Bestände), Frankreich, Indien und China. An diesem Geschäftsmodell hatten bislang weder die Corona-Pandemie noch der Krieg in der Ukraine etwas geändert.

Noch im Juni dieses Jahres wurde laut Eidgenössischer Zollverwaltung (EZV) 284 Kilogramm Gold aus Russland in die Schweiz importiert.

Goldimporte aus Russland in die Schweiz

Nun schließt sich die Schweiz dem Goldembargo an, das die G7-Staaten bereits Ende Juni beschlossen hatten.

Mit Wirkung zum 3. August 18:00 Uhr MESZ ist es auf Beschluss des Bundesrates Schweizer Bürgern und Unternehmen verboten, Gold aus russischen Beständen anzukaufen, in die Schweiz einzuführen, zu transportieren, weiterzuverarbeiten oder Dienstleistungen im Zusammenhang mit russischem Gold zu erbringen.

Bereits im März und April dieses Jahres war der Import des gelben Edelmetalls kurz nach der Invasion Russlands in die Ukraine unterbrochen, wurde aber im Mai wieder aufgenommen.

Anfang März hatte die London Bullion Market Association (LBMA) allen russischen Goldraffinerien die Zulassung für den Großhandel in London und das wichtige Gütesiegel „Good Delivery“ entzogen. Diese Entscheidung hatte auch Auswirkungen für die Schweiz.

Da der britische Interbankenmarkt der einzige von der Schweiz anerkannte Handelsplatz für Gold und Silber ist, wurden neue Barren der suspendierten russischen Unternehmen in der Alpenrepublik nicht mehr angenommen.

Infobox zum Gütesiegel „Good Delivery“ der LBMA

London Good Delivery bezeichnet die von der LBMA festgelegten Standardspezifikationen für Goldbarren, die für den Großhandel und die Weiterverarbeiter relevant sind:

  • Mindestgewicht: 350 Unzen
  • Maximalgewicht: 430 Unzen
  • Länge und Breite: 23,6cm bis 25,5cm und 5,7cm bis 8,1cm
  • Höhe: ca. 3,7 Zentimeter
  • Mindest-Feingehalt: 99,5 Prozent Gold
  • Pflichtangaben auf den Barren: Seriennummer, Feingehalt, Produktionsjahr, Assayer Stempel der Raffinerie

(Quellen: LBMA, ESG Scheideanstalt.de)

Hier finden Sie eine aktuelle LBMA-Liste aller Scheideanstalten, die den Good Delivery Spezifikationen gerecht werden.

In der Schweiz gibt es fünf Raffinerien, die sich zur Einhaltung der Gold-Qualitätsstandards der LBMA verpflichtet haben: Argor Heraeus, MKS PAMP, Metalor, PX Précinox und Valcambi.

Doch das Edelmetallraffinerieunternehmen Valcambi mit Sitz in Balerna (Schweiz), eine der größten Raffinerien der Welt, bestand bis vor Kurzem auf der Rechtsauffassung, dass sowohl der Import als auch die Weiterverarbeitung russischen Goldes legal seien. In einer Presseerklärung schrieb das Unternehmen noch Anfang Juli:

„Als sogenannter „Handelsprüfer“ dürfe Valcambi jegliches Gold einführen und verarbeiten. Das gilt auch für Gold, welches nach dem 7. März 2022 von den russischen Raffinerien produziert worden ist.“

Der eidgenössische Zoll bestätigte diese Einschätzung auf Anfrage der Wirtschafts- und Finanzzeitung Handelsblatt, schränkte jedoch ein:

„Nach dem 7. März 2022 hergestellte russische Goldbarren können zwar weiterhin importiert werden, das Inverkehrbringen in der Schweiz sei aber strafbar. Das gelte auch für die Schweizer Handelsprüfer, also die Raffinerien. Sie dürften solches Gold zudem zwar verarbeiten, müssten dabei aber die rechtmäßige Herkunft des Goldes sicherstellen.
Die Edelmetallkontrolle hat den Handelsprüfern unmittelbar nach der Suspendierung der LBMA dringlich empfohlen, kein nach dem 7. März 2022 hergestelltes, aus Russland stammendes Gold anzunehmen und zu verarbeiten.“

Interessant ist, dass der Eidgenössischen Zollverwaltung zufolge ein großer Teil der russischen Goldexporte über Dubai in die Schweiz gelangt sein könnte: In den Monaten März und April stiegen die Goldexporte aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) in die Schweiz sprunghaft an. Größter Einzelimporteur des Goldes aus Dubai war im März 2022 der Branchenführer Valcambi.

Die Folgen des Embargos für den Weltmarkt

Für den Goldmarkt in der westlichen Hemisphäre könnte das nun auch von der Schweiz unterstützte Goldembargo Konsequenzen haben, sofern das Edelmetall nicht, wie russisches Rohöl, unbemerkt über Drittstaaten in den Westen gelangt und „umetikettiert“ wird.

Fakt ist, dass im März 2020 Russland mit Goldlieferungen speziell nach London und New York half, einen Panikengpass zu Beginn der Corona-Pandemie zu überbrücken. Dies wäre bei Einhaltung der Sanktionen in einer ähnlichen Situation nicht mehr ohne Weiteres möglich, da nun neben dem größten auch der weltweit zweitgrößte Importeur russisches Gold sanktioniert:

Goldexport Russlands in Mrd. US-Dollar in Juni 2020

Russland muss sich nun neue Abnehmer suchen. China und Indien haben bereits Interesse bekundet, russisches Gold zur Weiterverarbeitung zu Schmuck, Barren und Münzen zu importieren – mit einem preislichen Abschlag.

Hier wiederholt sich also das gleiche Muster wie bei anderen Rohstoffen: Russland findet Abnehmer, die bereit sind, entgegen westlichen Sanktionen, russische Ressourcen preisgünstig zu erwerben.

Nur ca. 1/3 der Länder weltweit beteiligen sich aktuell an den Sanktionen gegen Russland, da die USA momentan noch keine Sekundärsanktionen gegen Drittstaaten verhängt haben.

Stress-Test für die westlichen Goldmärkte steht noch bevor

An den wichtigen Goldumschlagplätzen im Westen wächst nun die Gefahr, dass bei plötzlichen Nachfrageanstiegen, z B. im Zuge einer neuerlichen Finanzkrise, die physischen Bestände ohne russischen Nachschub deutlich schneller zur Neige gehen und es zu Lieferengpässen kommen könnte. Das gilt besonders für den größten Umschlagplatz für physisches Gold weltweit: London.

Betroffen wären aber auch die weltweit größten Warenterminbörsen in den USA (COMEX/NYMEX), denen ebenfalls im März 2020 das gelbe Edelmetall auszugehen drohte und erst Nachschub aus London, der wiederum aus Russland gespeist wurde, Lieferengpässe abzuwenden half.

Welche Auswirkungen auf den Preis das Fehlen des russischen Goldes im Westen hat, wird sich also erst in der nächsten Stresssituation an den Finanzmärkten zeigen. In Anbetracht der heraufziehenden Weltrezession und der aggressiven Zinsanhebungen der US-Notenbank Fed in einem Umfeld historischer Überschuldung könnte dieser Lackmustest für den Goldmarkt zeitnah anstehen.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Aschhoff Edelmetalle | 04.08.2022, 19:37 Antworten

Super Artikel, also wenn es dann irgendwann zu spät ist, kann kein Leser hier behaupten nicht informiert gewesen zu sein. Uns steht ein großer Umbau aller Systeme bevor, Edelmetalle werden eher die kleinsten Verlierer sein; vielleicht aber auch die großen Gewinner.
Beste Grüße
Hartmut Aschhoff ( Aschhoff Edelmetalle )

3 Antworten an Aschhoff Edelmetalle anzeigen
von Reimundtheodorbosl@gmail.com | 06.08.2022, 16:06 Antworten

Ist Gold Anlage trotz allem noch eine gute Form der Bargeld ANLAGE??.münzen mit 1 unze und Kleinbarren von 10 bis50 gr

von Robert Happek | 04.08.2022, 23:11 Antworten

Es gibt mehrere Hinweise dass Gold deutlich zu niedrig vom Markt bewertet wird. Es ist richtig dass die durchschnittlichen Kosten der Gold Schuerfung bei etwa $1000 pro Unze liegen. So gesehen koennte man denken dass der Goldpreis mit etwa $1800 fair bewertet wird. Diese Ueberlegung ist aber eine Illusion. Tatsaechlich schaetzt man die noch im Erdboden vorhandenen Goldvorkommen auf etwa 50,000 Tonnen ein, also etwa 15 bis 20 Jahre bei heutiger Goldproduktion pro Jahr. Eine weitere Goldproduktion wird nur bei deutlich hoeheren Goldpreisen moeglich sein. Da die Hauptkosten der Gold Produktion durch Energie Kosten bestimmt sind, wird die sich verschaerfende Energie Krise in den kommenden Jahren die Foerderkosten von Gold deutlich ansteigen lassen. So gesehen ist der Goldpreis ein Derivat der Energiekosten. Energie ist aber auf Erden stets nur in endlicher Menge vorhanden. Wie wir gerade schmerzlich erfahren muessen, ist der wirtschaftlicher Wohlstand Deutschlands von billigen russischen Gaslieferungen abhaengig. Erneuerbare Energien (Sonne, Wind) koennen das Erdgas nicht vollstaending ersetzen. Energiekosten muessen daher in der Zukunft steigen um den riesigen Energieverbrauch einzudaemmen, Daher muss auch der Goldpreis in der Zukunft mitsteigen.

Ein Blick in die Vergangenheit hilft die krasse Fehlbewertung von Gold sich klar zu machen. Wie man an historischen Muenzen sieht, waren diese durchweg sehr klein, meistens so um 1/4 Unze oder kleiner (zwischen 3 und 12 Gramm). Eine grosse Goldmuenze von etwa einer vollen Unze war eher eine Ausnahme wenn diese ueberhaupt gepraegt wurden. Grosse Goldmuenzen sind ein Phaenomen des Industriezeitalters das durch einen enormen Anstieg des Energie Verbrauchs pro Kopt der Bevoelkerung gekennzeichnet ist. Die Zukunft wird zu einer deutlichen Verringerung des Energie Verbrauchs pro Kopf der Bevoelkerung fuehren bedingt durch stark steigende Kosten. Das wiederrum wird zu permanent hoeheren Gold Preisen fuehren. Die Fehlbewertung des Gold Preises wird ihr natuerliches Ende finden mit dem Ende des Oelzeitalters. Wenn die Tankstellen aus dem Strassenbild verschwinden werden, dann wird die Kauf Kraft von Gold neue Hoehen erklimmen.

Gold ist wertvoll weil es ungeheure Energie Mengen bedurfte um es bei der Explosion von Stenen entstehen zu lassen. Gold kann auf Erden nicht hergestellt werden weil wir die noetigen Energiemengen nicht zur Verfuegung haben.

Aus allen diesen Ueberlegungen folgt dass Gold Produzenten (China, Russland) auf keinen Fall Ihr unterbewertetes Gold exportieren sollten. Vielmehr sollte die heimische Gold Produktion von Zentral Banken aufgekauft werden und als Nationale Gold Reserve gesammelt werden. An Gold Verkaeufe sollte man erst denken wenn das Ende des Oelzeitalters und damit das Ende des Industrie Zeitalgers erreicht wird (weniger als 50 Jahre).

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