Gold: 2.181,03 € 0,00 %
Silber: 27,63 € 0,00 %
Stand: 29.09.2023 von Hannes Zipfel
Bereits im vergangenen Jahr verbrauchte die Industrie so viel von dem weißen Edelmetall wie nie zuvor. Für 2023 wird im Zuge der fortschreitenden Elektrifizierung, Digitalisierung sowie der regenerativen Energiegewinnung ein neuer Nachfragerekord erwartet. Wann spiegeln sich diese Entwicklungen auch in der Preisentwicklung von Silber wieder?
Silbernachfrage auf Rekordniveau – wann steigt der Preis

Größter Bedarf nach Silber kommt aus der Elektroindustrie

Im Jahr 2022 befand sich die Nachfrage nach Silber aus dem verarbeitenden Gewerbe mit 556,5 Millionen Feinunzen (je 31,1g) bzw. 17.309 Tonnen bereits auf dem höchsten Stand aller Zeiten (graue Säule im unteren Diagramm).

In 2023 wird ein Anstieg um weitere 3,6 Prozent auf 576,4 Mio. Unzen erwartet.

Weltweite Silbernachfrage in Millionen Unzen

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Den größten Appetit auf das Metall mit der besten elektrischen Leitfähigkeit hat nachvollziehbarerweise die Elektronik-Industrie:

Silber-Industrienachfrage aufgeschlüsselt

Wobei besonders in einem Bereich die Wachstumsraten hervorstechen: bei den regenerativen Energien. Wurden hier im Jahr 2021 noch 110,0 Mio. Unzen Silber nachgefragt, so waren es ein Jahr später schon 140,3 Mio. Unzen. Für 2023 erwartet das auf Industrie- und Edelmetalle spezialisierte Analysehaus Metals Focus allein für diesen Bereich einen weiteren Nachfrageschub um +28 Prozent auf 161,1 Mio. Unzen.

Darüber hinaus steigt auch der Bedarf durch die Elektrifizierung im Automobilsegment in die Energieversorgung sowie Energie-Erzeugung und Verteilung signifikant an. Eine Steigerung der E-Fahrzeugproduktion und Investitionen in das 5G-Netz unterstützten die industrielle Nachfrage ebenfalls.

Auch der Bedarf anderer Industriezweige stieg, vor allem aufgrund des Wachstums bei Ethylen Oxid-Katalysatoren (EO), während Hartlote und Lote hauptsächlich aufgrund von Produktionsrückgängen in China während der Lockdowns zurückgingen.

Regional betrachtet wuchs die Nachfrage in Indien mit einem Anstieg von 24 Prozent auf Jahresbasis 2022 am stärksten, gefolgt von Ostasien (+7 %) und den USA (+6 %).

Gigantisches Silberdefizit

Das Angebotsdefizit bei Silber lag 2022 bei -237,7 Mio. Unzen ohne ETFs (Exchange Traded Funds; Silber-Fonds) und -111,9 Mio. Unzen mit ETF-Beständen und konnte nur durch Lagerverkäufe an der COMEX in New York und der LME in London ausgeglichen werden (Quelle: Metals Focus).

Der Grund für das enorme Defizit ist die steigende Gesamtnachfrage bei gleichzeitig stagnierendem Gesamtangebot:

Weltweites Silberangebot in Millionen Unzen

Das Defizit in Höhe von 237,7 Mio. Unzen (7.393 Tonnen) entspricht einem Rekorddefizit.

Dies gilt zwar nicht für das Angebotsdefizit inkl. Silberfonds. In der Gesamtbetrachtung gab es im Jahr 2022 gleichwohl das vierte Defizitjahr in Folge. In diesem Jahr soll es nach Einschätzung der Analysten von Metals Focus ein weiteres und noch höheres Gesamtangebotsdefizit als 2022 in Höhe von 112,1 Mio. Unzen Silber geben.

Das Silber-Paradox

Trotz des im Vergleich zum Goldmarkt enormen Defizits kam es zu einem Paradoxon zwischen Silber und Gold.

In Indien, einem der größten Silberimporteure, gibt es ein Sprichwort:

„Dulhan to sajdhaj ke baithi hai par dulhe ka pata nahin“,

was grob übersetzt bedeutet:

„Die Braut ist vollständig geschmückt mit einer Girlande in der Hand, aber kein Zeichen des Bräutigams“.

Implizit bedeutete dies, dass Silberanleger in Anbetracht der deutlich besseren Fundamentaldaten eigentlich mehr Interesse vonseiten großer Investoren und eine bessere Preisentwicklung bei Silber als bei Gold hätten erwarten können. Doch dies war in den letzten Jahren nicht der Fall:

Gold in Euro pro Unze vs. Silber in Euro pro Unze

Es gab oft die Hoffnung, dass Silber Gold in der Preisentwicklung überholt. Dies geschah jedoch nur bei besonders starken Anstiegen des Goldpreises, wie aus dem obigen Chart ersichtlich wird. Auch in diesem Jahr entwickelt sich Silber trotz eines sich erneut abzeichnenden Angebotsdefizits schlechter als Gold.

Warum fällt es Silber so schwer, Gold zu übertreffen? Spielt das Gold-Silber-Verhältnis eine Rolle und welche anderen Faktoren bremsen das weiße Metall aus?

Das Gold-Silber-Verhältnis

Das ideale Gold-Silber-Verhältnis soll 16:1 betragen. Es basiert auf der Tatsache, dass die Erdkruste nachweislich 16-mal so viel Silber enthält wie Gold.

Am 21. Januar 1980 erreichten sowohl Gold als auch Silber Rekordwerte. Gold kletterte auf sein damaliges Allzeithoch von 850 US$ pro Unze, während Silber auf ein Allzeithoch von 50 USD$ pro Unze anstieg.

Damals war das Gold-Silber-Verhältnis von 17 dem idealen Verhältnis von 16 am nächsten. Im Jahr 2011 erreichten Gold und Silber jedoch erneut ihre Allzeithochs. Gold erreichte seines im September 2011 bei 1.926 US$ pro Unze, während Silber es mit 49,50 US$ pro Unze gerade noch schaffte, seinem Hoch von 50 US$ pro Unze aus dem Jahr 1980 sehr nahezukommen. Damit lag das Gold-Silber-Verhältnis im Jahr 2011 also bei 38,90.

Darüber hinaus erreichte das Gold-Silber-Verhältnis im März 2020 seinen Höchststand von 126.

Das langfristige durchschnittliche Gold-Silber-Preisverhältnis (Spot-Markt-Ratio) liegt bei 65.

Gold-Silber-Ratio 1973-2023

Das aktuelle Preisverhältnis der beiden Edelmetalle zueinander in Höhe von 80,04 (Spotpreis) und 65,34 (physischer Preis) deutet darauf hin, dass in Zukunft noch enormes Potenzial für einen Anstieg des Silberpreises besteht.

Es ist allgemein zu beobachten, dass sich Silber bei starken Goldpreisanstiegen viel schneller verteuert als Gold. Wenn jedoch die Kurse fallen, verhält sich Gold deutlich stabiler, wohingegen der Silberpreis dazu neigt, dann stärker nachzugeben.

Da Silber sowohl ein Edelmetall als auch ein Industriemetall ist, könnte der Silberpreis den Goldpreis übertreffen, wenn sowohl die Wirtschaft als auch die Nachfrage nach Edelmetallen hoch sind.

Dies ist ein doppelter Preisimpuls für das weiße Metall.

In Zeiten der Rezession oder wirtschaftlicher Unruhen kann der Goldpreis zwar noch steigen, der Silberpreis hat es dann jedoch zunächst schwerer mitzuhalten.

Der größte Vorteil eines hohen Gold-Silber-Ratios ist jedoch die höhere Leistbarkeit von Silber im Vergleich zu Gold, trotz der Mehrwertsteuer.

Die Chancen für überproportional steigende Silberpreise

In Zeiten von Krisen, geopolitischen Spannungen, als Absicherung gegen Inflation, Konjunkturschwäche oder sogar bei Überhitzungen an bestimmten großen Märkten (Kredit-, Aktien- oder Immobilienmärkten) übernimmt Gold normalerweise zuerst die Rolle als „Sicherer Hafen“ ohne Gegenparteirisiko (kein Schuldnerrisiko), bevor Silber mit Zeitverzögerung folgt.

Zudem handelt es sich bei Silber um ein deutlich preiswertes Metall mit einem deutlich weniger liquiden Markt. Dadurch lässt sich der Silberpreis leichter bewegen (und auch manipulieren).

Seit 2011 hat sich Silber gegenüber Gold durchweg schlechter entwickelt. Erst im Jahr 2016 und in den ersten Monaten des Jahres 2023 schien Silber Gold zu übertreffen.

Im aktuellen Szenario ist Silber stark unterbewertet, aber da das Verhältnis gleichzeitig zwischen Mitte 70 und über 100 zu Beginn des Jahres schwankt, scheint es, dass das weiße Metall auf höhere Niveaus jenseits der 30 US-Dollar pro Unze ausbrechen könnte.

Es scheint, dass die USA und Europa auf eine Rezession zusteuern und die Geldpolitik der US-Notenbank sowie der Europäischen Zentralbank gezwungenermaßen in Zukunft wieder deutlich laxer werden (Zinsen senken, Geld digital „drucken“). Das wiederum könnte ein gutes Zeichen für das liquiditäts- und zinssensible weiße Edelmetall sein.

Dazu kommen die Berichte über die außergewöhnlich hohe Silbernachfrage aus den oben genannten Industriesektoren.

Autor: Hannes Zipfel
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von Freddy | 01.10.2023, 14:23 Uhr Antworten

So lange wie es diesen Zertifikate Irrsinn noch gibt wird der Silberpreis nicht steigen. Dafür sorgen schon die Großbanken aus Amerika! Selbst wenn es nur noch wenig physisches Silber gibt. Da werden eben wieder neue Wetten platziert. Selbst Gold kann man nicht mehr für den Spotpreis verkaufen. Siehe z.b. bei 100€ Münzen. Händler kaufen diese nur unter Spotpreis auf.

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