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Stand: 06.08.2021 von Hannes Zipfel
Der Euro befindet sich seit elf Jahren in einer existenziellen Krise. Wie lange die Gemeinschaftswährung noch künstlich am Leben erhalten werden kann, ist unklar. Der Verschuldungstrend in der Eurozone ist ungebrochen. Die Rettungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank zeigen zunehmend problematische Nebenwirkungen. Was wäre im Falle eines Scheiterns der erst 22 Jahre jungen Währung eine realistische Alternative?
Was kommt nach dem Euro? Eine goldgedeckte Währung?

Ist der Euro alternativlos?

„Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“.

Dieses Zitat der Bundeskanzlerin aus dem Mai 2010, vorgetragen im Deutschen Bundestag, ebnete den Weg für den ersten finanziellen Schutzschirm für südeuropäische Staaten gegen Angriffe internationaler Finanzspekulanten in Höhe von 750 Mrd. Euro.

Dr. Angela Merkel bezeichnete die Rettungsmaßnahme für überschuldete Mitgliedstaaten der EU als alternativlos. Dies war die Geburtsstunde einer neuen Opposition, der Alternative für Deutschland (AfD). Die von Prof. Dr. Bernd Lucke mitgegründete Partei thematisierte damals noch hauptsächlich wirtschaftliche Herausforderungen für Deutschland und Europa. Lucke warnte u. a. vor einer Endlosschleife an Rettungsmaßnahmen zur Aufrechterhaltung der Eurozone. In diesem Punkt hatte er recht.

Elf Jahre nach der Rede Merkels kann nicht mehr von "Rettung" gesprochen werden.

Es handelt sich bei der dauerhaften "unkonventionellen" Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) vielmehr um lebenserhaltende Maßnahmen für ein bereits gescheitertes Währungskonstrukt. Wäre dem nicht so, müsste die EZB nicht permanent an historisch niedrigen Realzinsen, negativen Kapitalmarktzinsen, negativen Einlagenzinsen und billionenschweren Wertpapierkaufprogramm festhalten.

Wenn etwas bereits de facto gescheitert ist, dann muss man sich über Alternativen Gedanken machen. Man kann davon ausgehen, dass jenseits der politischen Rhetorik genau dies schon seit Längerem bei den Verantwortlichen in den diversen supranationalen und multilateralen Organisationen geschieht (IWF, Weltbank, BIZ, EZB, WEF etc.).

Kompetenzüberschreitung und Unabhängigkeitsverlust der EZB

Die Schulden der EU-Mitgliedsstaaten stiegen seit Beginn der Eurokrise vor elf Jahren immer weiter auf neue Rekordstände an. Die Eurokrise flackerte in der Folge regelmäßig wieder auf. Der Begriff "Bazooka" wurde im Zusammenhang mit geld- und fiskalpolitischen Rettungsmaßnahmen zum geflügelten Wort.

Der damalige Präsident der EZB, Mario Draghi, sah sich am 27. Juli 2012 bei einer Rede vor Investmentbankern in London sogar gezwungen, eine ungewöhnliche Drohung gegen jeden auszusprechen, der gegen die Eurozone und den Euro wettete.

Er sagte wörtlich übersetzt:

„Im Rahmen unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Notwendige zu tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird genug sein.“

Wie nötig diese Ansage war, zeigt die heutige Situation: Die Staaten der Eurozone sind im Schnitt mit 100,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) allein auf Ebene der Staaten so hoch verschuldet, wie noch nie seit der Einführung des Euro.

Griechenland, das im Frühjahr 2012 durch einen Schuldenschnitt von einem Teil seiner Verbindlichkeiten befreit wurde, ist heute mit 213 Prozent des BIP so stark verschuldet wie nie zuvor. Selbst der einstige Musterknabe Deutschland erfüllt die Stabilitätskriterien aus dem Vertrag von Maastricht bezogen auf die Staatverschuldung nicht mehr.

Die EZB geht mittlerweile entgegen der Beteuerung von Draghi in ihrem Bestreben weit über ihr im Maastricht Vertrag definiertes Mandat hinaus. Sie verstößt aktuell objektiv gegen drei wesentliche Grundsätze:

  1. Verbot der direkten Staatsfinanzierung*

  2. Gegenseitiger Haftungsausschluss der einzelnen Mitgliedsstaaten**

  3. Politische Unabhängigkeit***

*Die EZB kaufte seit 2010 für knapp 5 Billionen Euro Wertpapiere, hauptsächlich Staatsanleihen der Mitgliedsstaaten. Sie tut dies zwar über den Sekundärmarkt, in vielen Fällen gleichwohl nur wenige Minuten, manchmal sogar nur Sekunden nach der Schuldscheinemission am Primärmarkt.

**Der Maastricht Vertrag sieht vor, dass kein Mitgliedsstaat für die Schulden eines anderen Mitglieds der EU haften soll. Über den Anteil Deutschlands an der EZB und ihren Vermögenswerten (v. a. Staatsanleihen) haftet die Bundesrepublik aber direkt für Schulden anderer Mitgliedsstaaten.

***Mit der Implementierung "Grüner Geldpolitik" betreibt die EZB Umweltpolitik, für die sie kein demokratisch legitimiertes Mandat besitzt. Die diesbezüglichen Entscheidungsprozesse und Kriterien innerhalb der EZB sind zudem intransparent und zum Teil willkürlich.

Die Krise des Euro ist bereits so weit vorangeschritten, dass Regel- und Tabubrüche bis hin zum Unterlaufen der Demokratie durch die EZB zur Normalität geworden sind.

Dabei ist die politische Unabhängigkeit der Notenbanker, die für ihr eigentliches Mandat (Geldwertstabilität) unverzichtbar ist, bereits verloren gegangen: Als größter Gläubiger der Eurozone rettet sich die EZB mit jedem Rettungsprogramm mittlerweile selbst und ist damit der zügellosen Schuldenpolitik vieler Mitgliedsstaaten ausgeliefert.

Die goldgedeckte Alternative

Es wird also höchste Zeit, sich Gedanken über Alternativen zum Euro zu machen. Nicht nur wegen der gefährlichen Schuldenspirale, sondern auch wegen der politischen Fehlentwicklungen bei der mittlerweile mächtigsten Institution der Eurozone. Ansonsten heißt es irgendwann in Bezug auf die EZB frei nach Goethe:

„Die ich rief, die Geister, Werd' ich nun nicht los“.

Die naheliegendste Alternative zur Gemeinschaftswährung wäre die Rückkehr zu einer nationalen Währung. Im Falle der Bundesrepublik also zur D-Mark. Damit würden Deutschland und die Bundesbank (BuBa) auch ihre geldpolitische Souveränität zurückerlangen.

Die BuBa könnte sich dann wieder an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hierzulande orientieren und müssten keine Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Schuldentragfähigkeit dritter Staaten ergreifen. Das wäre dann wieder die Aufgabe von IWF und Weltbank.

Viele Vorteile im Außenhandel und beim Tourismus würden mit der Wiedereinführung nationaler Währungen in Europa zwar verloren gehen, aber wenn das Vertrauen in den Euro als ungedeckte Währung abhandenkommt, ist die Währung ohnehin wertlos. Es gäbe dann – Ironie des Schicksals - keine Alternative mehr zu einer Abkehr vom Euro.

Eine Rückkehr zur "alten" D-Mark würde im Falle eines Scheiterns der Gemeinschaftswährung aber wohl nicht gelingen. Die Überschuldung ist mittlerweile ein globales Phänomen und betrifft auch Deutschland.

Ein Zerfall der Eurozone würde entweder im Kontext einer weltweiten Währungskrise stattfinden oder diese aufgrund der Dimension des ökonomischen Schadens mit auslösen. Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten und eine Weltrezession wären unvermeidbar.

Da sich die Situation in den USA in Sachen Überschuldung noch dramatischer darstellt als in der Eurozone, die Staatsschuldenquote liegt dort aktuell bei 128 Prozent des BIP, wäre auch eine Kopplung einer neuen D-Mark an den US-Dollar keine nachhaltige Lösung.

Um das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes in die Geldpolitik sowie in ein gesetzliches Zahlungsmittel wiederherzustellen, müsste es eine allgemein akzeptierte Stabilitätskomponente geben. Gleichzeitig muss durch radikale Schuldenschnitte der Neustart ermöglicht werden.

Da die ungedeckten Fiat-Währungen aber nichts anderes sind als Schuldenwährungen, werthaltig nur durch die Sicherheiten (Schuldpapiere) auf den Bilanzen der Zentralbanken sowie das Vertrauen der Bürger, ist bei einem Schuldenkollaps von einem nahezu völligen Wertverlust aller Fiat-Währungen weltweit auszugehen.

Die schnellste und zuverlässigste Möglichkeit, Vertrauen in eine neue Währung herzustellen, wäre die Deckung bzw. Teildeckung durch Gold – zumindest temporär. Das Edelmetall ist in Deutschland und weltweit als werthaltig akzeptiert und befindet sich bereits in hohem Volumen im Besitz der Bundesbank (3.362,4 Tonnen).

Argumente gegen goldgedeckte Währungen gibt es zahlreich und nicht alle sind unberechtigt.

Auf jeden Fall müssten sich sowohl der Staat als auch seine Bürgerinnen und Bürger sowie die Wírtschaftstreibenden darauf einstellen, dass Geld knapp wird. Gold können die Zentralbanken nicht digital erzeugen. Das Budget richtet sich nach der Goldmenge im Tresor. Das wird die Ausgaben der Fiskalpolitik, die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte sowie das Investitionskapital der Unternehmen signifikant schmälern – zusätzlich zu den Vermögensverlusten durch die Währungskrise.

Die Dimension der zu erwartenden Verwerfungen durch den Verfall des Euro würden aber recht schnell zu einer Übergewichtung der Vorteile einer goldgedeckten Währung in der Gesamtbewertung führen.

Schließlich geht es darum, das Wirtschaftssystem im Interesse der gesamten Gesellschaft so schnell wie möglich wieder zu stabilisieren. Die Einsicht, dass dies nicht ohne schmerzhafte Wohlstandsverluste möglich ist, wird rasch platzgreifen.

Stabilität, Wohlstand und relative Sicherheit sind ohne eine stabile Währung nicht möglich.

Anzeichen für goldgedeckte Währungen

Es gibt seit geraumer Zeit Indizien dafür, dass die Zentral- und Notenbanken goldgedeckte Währungen zumindest mit ins Kalkül ziehen. So dürfte es kein Zufall sein, dass sich die Geldpolitiker weltweit seit der Finanzkrise und der kurz danach ausbrechenden Eurokrise von Netto-Verkäufern zu Netto-Käufern des gelben Edelmetalls wandelten.

Im Jahr 2019, also vor Beginn der Pandemie und dem starken Anstieg der Goldpreise, kauften die Zentral- und Notenbanken weltweit netto 656,2 Tonnen Gold dazu.

Netto Goldkäufe der Zentralbanken weltweit in Tonnen

Deutschland belegt in der Weltrangliste der größten Goldhalter mit 3.362,4 Tonnen den zweiten Platz. Wäre also prädestiniert für eine goldgedeckte Währung. Fast 80 Prozent der gesamten Devisenreserven unseres Landes bestehen aus dem edlen Währungsmetall.

Weltrangliste der größten Goldhalter Goldreserven

Bereits im November 2012 hob BuBa-Präsident Jens Weidmann die Bedeutung von Gold hervor:

„Unsere Gold-Vorräte haben zwei Funktionen: Sie sollen Vertrauen in die Währung sichern und sie sollen es jederzeit ermöglichen, Devisen zu beschaffen“.

Genau dieses Vertrauen würde eine neue Währung dringend benötigen. Vor allem dann, wenn die als alternativlos bezeichnete Vorgängerwährung gerade gescheitert ist.

Auf internationaler Ebene wird unter Federführung der Asia Development Bank (ADB) bereits seit der Finanzkrise über ein Backup für den Welthandel nachgedacht – unabhängig von der Weltleitwährung US-Dollar.

Dabei spielen goldgedeckte Handelswechsel eine zentrale Rolle. Deutschland ist Gründungsmitglied der ADB, in der heute 68 Staaten zusammenarbeiten.

Fazit & Ausblick

Die Vorteile einer zumindest teilweise goldgedeckten D-Mark 2.0 nach dem Scheitern des Euro und anderer Fiat-Währungen wären:

  • Stabilität der Kaufkraft und des Außenwertes

  • Wiederherstellung des Vertrauens in die Währung

  • Rückgewinnung der geldpolitischen Souveränität

  • Vorbedingung für einen echten Neustart

Nachteile im Vergleich zum Euro wären zunächst:

  • Kein einheitlicher europäischer Währungsraum

  • Begrenzte Geldmenge / Geldknappheit

  • Massive Kürzungen öffentlicher Ausgaben

  • Weniger Konsum und Investitionen

  • Schmerzhaftes Gesundschrumpfen des Staatsapparates

  • Massenhafte Unternehmensbankrotte

  • Massenarbeitslosigkeit

  • Rezession / Depression

Da die genannten negativen Folgen aber ohnehin bereits durch das Scheitern des Euro entstanden wären, würden in Summe die neu gewonnenen Vorteile einer goldgedeckten Währung überwiegen.

Das finale Scheitern des Euro kann durch die Goldreserven in den Tresoren der Bundesbank zwar nicht verhindert werden, aber es bietet eine Perspektive für einen echten Neustart unserer Wirtschaft inklusive einer neuen stabilen Währung.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Heinrich | 06.08.2021, 20:07 Antworten

Unter den Nachteilen im Vergleich zum Euro fehlt noch Bürgerkrieg....
Eine (auch nur zum Teil) goldgedeckte Währung wird es nicht geben. Der Zug ist schon lange abgefahren.
Die Schulden sind auch kein Problem, solange man seine Rate zahlt. Das weiß doch jeder, der schon mal einen Kredit aufgenommen hat. Und dass wir in eine Staatspleite laufen, danach sieht es nun wirklich nicht aus. Wir haben sogar noch Geld, um die halbe Welt zu retten.
Alles Gedankenspiele, wie es eigentlich sein müsste aber im gierigen Kapitalismus nie wieder sein wird. Wie es Frau Merkel schon sagte, ein Scheitern des Euro und damit ein Scheitern des europäischen Binnenmarktes wird nicht zugelassen - koste es was es wolle.

3 Antworten an Heinrich anzeigen
von Michael | 08.08.2021, 14:20 Antworten

Goldstandard? Gar nichts aus der großen Depression gelernt?

Gerade Deutschland als Exportland benötigt ungedeckten Währungen, die einen internationalen Handel in den Dimensionen des 21ten Jahrhunderts erst ermöglichen und den Wachstumsraten stand hält. Ansonsten: siehe 1929. Das gehört zum Ökonomie-Basiswissen, den "Ökonom" nehm ich Ihnen daher nicht ab.

1 Antwort an Michael anzeigen
von Johann van der Smut | 06.08.2021, 14:41 Antworten

Mit dem "Bürgerinnen und Bürger" hat sich der Autor für mich disqualifiziert.
Das ist der Duktus dieses absolutistischen System, das genau die Probleme verursacht, wegen denen wir Edelmetalle kaufen (müssen).

6 Antworten an Johann van der Smut anzeigen
von Nagel | 09.08.2021, 10:15 Antworten

Bei der Abwägung Vor/Nachteile fehlt mir noch ein Aspekt : ist es nicht so, dass wir uns bei den Exporten durch die Target-Zahlungen die Waren schlussendlich selbst abkaufen, weil die Empfängerstaaten weder in der Lage noch Willens sein werden, diese jemals zurückzuzahlen ?!?

von pupi | 06.08.2021, 21:23 Antworten

Begrenzte Geldmenge? Das Gold-Geld ist halt einfach pro Milli-Gramm mehr wert. Wie beim Bitcoin, der ja auch begrenzt ist. Kein Problem.

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