Stand: 23.09.2020
Xetra-Gold wurde geschaffen für Anleger, die zwar in Gold investieren wollen, dabei aber weniger Wert legen auf physischen Besitz, sondern auf schnelle Börsenhandelbarkeit. Das Zertifikat hat aber auch einen Haken, den man kennen sollte. Xetra-Gold: Wie es funktioniert, die Vorteile, die Nachteile.
Xetra Gold
Das Wichtigste in Kürze
  • Xetra-Gold ist ein ETC (=Exchange Traded Commodity) auf Gold
  • ISIN DE000A0S9GB0, WKN A0S9GB
  • Börsenhandelbares Zertifikat, mit physischem Gold besichert
  • Inhaberschuldverschreibung mit verbrieften Lieferanspruch auf Gold
  • Anleger ist Gläubiger, nicht Eigentümer
Xetra Gold

Was ist Xetra-Gold?

Xetra-Gold zählt zur Kategorie der Exchange Traded Commodities, abgekürzt ETC. Das sind Zertifikate, die börsenhandelbar sind. Der zugrunde liegende Rohstoff ist in diesem Fall natürlich Gold; das Zertifikat selbst ist vollständig mit physischem Gold besichert. Eine weitere Besonderheit ist, dass man sich das Gold jederzeit ausliefern lassen kann.

Formal gesehen handelt es sich um eine Inhaberschuldverschreibung. Mit der Schuldverschreibung erwirbt man kein physisches Gold, sondern Lieferansprüche auf das Edelmetall. Der Anleger ist also Gläubiger, und nicht Eigentümer wie etwa bei einem Investmentfonds.

Das Zertifikat kann wie Aktien oder andere Wertpapiere an der Börse gekauft und verkauft werden. Der Handel findet in Euro statt und bildet den Preis von 1 g Gold annähernd eins zu eins ab. Solche Formen der Goldanlage werden daher auch gern als Papiergold bezeichnet.

Xetra Gold wurde 2007 von der Deutschen Börse Commodities GmbH auf den Markt gebracht für Anleger, bei denen die Spekulation auf die Goldpreisentwicklung im Vordergrund steht, und weniger die Sicherheit, welche physisches Gold bietet. Xetra-Gold ist heute das umsatzstärkste Produkt beim börslichen Goldhandel in Deutschland.

Wo kann man Xetra-Gold handeln?

Xetra-Gold ist in Deutschland, Österreich, Luxemburg, den Niederlanden und in Großbritannien zum öffentlichen Vertrieb zugelassen. Auf dem elektronischen Handelsplatz Xetra werden die mit Abstand höchsten Umsätze erzielt. In Deutschland ist Xetra Gold auch an Regionalbörsen wie der Börse Stuttgart und über Tradegate handelbar.

Was kostet der Handel mit Xetra Gold?

Beim Kauf und Verkauf von Xetra Gold fallen die im Wertpapierhandel üblichen Kosten an, die sich aus den Börsengebühren und den Orderkosten des Brokers zusammensetzen. Für die Lagerung des Goldes wird eine monatliche Gebühr von 0,025 Prozent fällig. Die Rückzahlung von Xetra Gold in Euro kostet 2 Cent je Schuldverschreibung. Die Differenz zwischen Ankaufkursen und Verkaufskursen - der sogenannte Spread - ist bei Xetra Gold sehr niedrig. Er liegt grundsätzlich unter 1 Prozent und regelmäßig im Bereich von 0,1 Prozent.

Was heißt mit physischem Gold besichert?

Xetra Gold ist zu 95% mit physischem Gold besichert und zu 5% mit Buchgold (Stand August 2020). Aufgrund dieser 100% Deckung mit Gold kann man man Xetra-Gold als relativ sicher einordnen. Denn es gibt auch Zertifikate, die unbesichert sind.

Der Deckungsbestand wird unter sehr hohen Sicherheitsauflagen vom Zentralverwahrer für Wertpapiere in Deutschland - der Clearstream Banking AG - gelagert. Bei dem Buchgold handelt es sich um Lieferansprüche gegen die Umicore AG & Co. KG in Hanau, die zum belgischen Umicore-Konzern gehört.

Dennoch muss man wissen: Da es sich bei Xetra Gold nicht um einen ETF oder Goldfonds, sondern um eine Schuldverschreibung handelt, ist das verwahrte Gold genauso wie das Buchgold kein Sondervermögen. Dieser Unterschied ist im Falle einer Insolvenz des Emittenten wichtig.

Das Sondervermögen eines Goldfonds gehört bei Insolvenz den Anlegern. Bei der Schuldverschreibung in Form eines ETC ist der Anleger nicht Eigentümer des Goldes, sondern Gläubiger, dessen Ansprüche aus der Insolvenzmasse befriedigt werden. Selbst wenn alle Ansprüche gedeckt sind, kann sich der Zugriff auf das Gold erheblich verzögern, wenn sich das Insolvenzverfahren über einen langen Zeitraum hinzieht. Während des Verfahrens hätte der Anleger keine Möglichkeit durch Verkäufe auf einen fallenden Goldpreis zu reagieren.

Ist Xetra Gold gegen Verlust versichert?

Die Deutsche Börse Commodities GmbH gibt die Versicherungssumme mit 125 Millionen Euro an. Bei einem Goldpreis von 1.000 Euro je Feinunze Gold entspräche das einem Volumen von 125.000 Feinunzen oder etwas weniger als vier Tonnen. Das ist lediglich ein kleiner Bruchteil des tatsächlich verwahrten Goldes.

Wie funktioniert die Auslieferung?

Der Anleger kann sich Xetra-Gold in Form von Standardbarren oder Kleinbarren ausliefern lassen. Diese Standardbarren oder London Good Delivery-Goldbarren wiegen zwischen 350 und 430 Feinunzen (entspricht 10,9 kg bis 13,4 kg). Um sich einen solchen Barren ausliefern zu lassen, muss der Anleger mindestens 13.400 Schuldverschreibungen à 1 g Goldbesitzen. Die Differenz zum tatsächlichen Barrengewicht wird durch Kleinbarren ausgeglichen. Weniger als 13.400 Schuldverschreibungen können ausschließlich in Form von Kleinbarren geliefert werden. Kleinbarren stehen mit Gewichten von 1, 5, 10, 20, 50, 100, 250, 500 und 1000 g Gold zur Auswahl.

Die recht umständliche Auslieferung des Goldes erfolgt nur an die Hausbank des Anlegers und ist kostenpflichtig. Die Kosten für eine Auslieferung werden, Stand August 2020, wie folgt angegeben:

Zum Vergleich: Die Lieferkosten von 1 kg Gold liegen bei einem günstigen Händler teils unter 30 Euro, einige Händler liefern sogar kostenlos.

Sind Gewinne abgeltungssteuerpflichtig?

Abgeltungssteuer bedeutet, dass für Kapitaleinkünfte, die über der Grenze des Sparerfreibetrages liegen, pauschal 25 % Steuer fällig werden. Dazu kommen noch der Solidaritätszuschlag sowie gegebenenfalls die Kirchensteuer.

Seit einem Urteil des Bundesfinanzhofs vom Mai 2015 ist die steuerliche Behandlung von Xetra-Gold physischem Gold gleichgestellt. Abgeltungssteuer wird also nicht fällig. Damit sind die Steuerregeln für Xetra-Gold so einfach und vorteilhaft wie bei Münzen und Barren: Jeder Gewinn ist steuerfrei, wenn die Haltefrist mindestens ein Jahr beträgt. Wird vor dieser Jahresfrist verkauft, muss der Gewinn zum persönlichen Steuersatz versteuert werden. Es gibt aber eine Freigrenze von 600 Euro. Mehr: Edelmetalle und Steuern

Dennoch sind Anleger verunsichert. Denn im Sommer 2020 sorgte ein Gesetzesentwurf für Unruhe, der vorsah, dass ab 2021 Gewinne aus Xetra-Gold (wieder) der Abgeltungssteuer hätten unterliegen sollen. Die Überlegungen sind zwar wieder vom Tisch - aber wie lange? Interessenten sind jedenfalls gut beraten, mögliche Entwicklungen zur steuerlichen Behandlung von Xetra-Gold zu beobachten. Mehr hierzu:

Kommt sie? Kommt sie nicht? Abgeltungssteuer für GOLD-ETCs

Xetra Gold oder physisches Gold - was ist besser?

Vorteile: Schnelle Börsenhandelbarkeit, geringe Spreads, günstige Kosten für die Verwahrung des Goldes. Wer mehr auf den Goldpreis spekulieren will und dem Sicherheitsaspekt von Gold nicht so viele Bedeutung beimisst, für den ist Xetra-Gold eine Überlegung.

Nachteile: Durch den Besitz der Schuldverschreibung entsteht kein Eigentum. Man muss, wie beim Erwerb eines unbesicherten Goldzertifikats, letztendlich der Deutschen Börse Commodities GmbH vertrauen, dass sie in der Lage ist, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Durch die Auslieferung kann man zwar Goldbarren tatsächlich in Besitz nehmen, die Kosten sind allerdings so hoch, dass der direkte Goldkauf beim Goldhändler die günstigere Alternative darstellt. Sicherheitsbewusste Anleger sind daher mit Münzen und Barren besser beraten.

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von Günther Quandt | 19.07.2018, 21:57 Antworten

Hände weg von dem Spielzeug, hier machen andere das Geschäft,keine sichere Anlage

2 Antworten an Günther Quandt anzeigen

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