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Stand: 18.06.2022 von Hannes Zipfel
Nicht nur in den USA und Deutschland nähern sich die Verkaufszahlen von Münzen und Barren aus Gold und Silber neuen Rekorden. Auch in der Alpenrepublik Österreich ist die Nachfrage nach physischen Edelmetallen extrem hoch.
Gold- & Silber-Münzen & Barren: Kaum produziert, schon verkauft

Die Nachfrage nach Gold und Silber ist weltweit gewaltig

Das Interesse an physischen Edelmetallen ist seit der Finanzkrise 2008 und der sich daran anschließenden (Dauer)-Schuldenkrise weltweit deutlich gestiegen. Doch seit der Corona-Pandemie und dem Aufflammen der Inflation ist die Nachfrage nach den Edelmetallen in Form von Barren und Münzen gewaltig.

Die jüngsten Verkaufszahlen der U.S. Mint weisen speziell bei Gold weiterhin auf einen neuen Absatzrekord in diesem Jahr hin.

Verkäufe US Mint vs. Durchschnitt Goldpreis in USD/oz

Von den „Gold Eagles“ wurden im Mai 147.000 Unzen verkauft, nach 88.000 im April. Absatzzahlen für Juni liegen noch nicht vor.

Noch extremer ist die Situation bei den Silbermünzen: In einem kürzlich mit Bloomberg geführten Interview sagte der Chief Information Officer der United States Mint (U.S. Mint), Francis O’Hearn:

„Wir könnten aktuell zehnmal so viele Silbermünzen verkaufen. Leider fehlen uns dafür die Kapazitäten“.

Sowohl im April als auch im Mai dieses Jahres wurden exakt dieselbe Anzahl an American Silver Eagle Unzen verkauft, nämlich 850.000 Stück (31,1 Gramm mit einem Feingehalt von 999/1000).

Im Januar konnten noch über 5 Millionen Unzen bereitgestellt und verkauft werden, im Februar dann nur noch 1,5 Millionen und in den Folgemonaten März und April schrumpfte die verfügbare Menge weiter auf die Hälfte zusammen (Datenquelle: U.S. Mint).

2022 American Eagle Sales totals by Month

Es stellt sich die Frage, ob sich die Kapazitäten der United States Mint zum Prägen von Silver Eagle Münzen in dieser kurzen Zeitspanne signifikant reduziert haben oder ob es schlicht an den Zuliefermengen des Edelmetalls hapert? Man könnte in diesem Zusammenhang auch auf die spekulative Idee kommen, dass durch die Verknappung der Münzverkäufe weit unter dem Nachfragepotenzial die private Akkumulation von physischem Silber limitiert werden soll. Aber das ist wie gesagt pure Spekulation.

Münze Österreich wird überrannt

Wie die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ in dieser Woche berichtete, ist auch die Nachfrage in der Alpenrepublik seit Jahresbeginn weiter emporgeschossen. Allein die Tatsache, dass das politisch eher linksliberal ausgerichtete Blatt über stark steigendes Goldinteresse berichtet, ist bemerkenswert.

Die Nachfrage nach physischem Gold in Münzen- oder Barrenform ist in Österreich seit der Corona-Krise sehr hoch, sagt der Generaldirektor der Münze Österreich, Gerhard Starsich und führt weiter aus:

„Seit Monaten produzieren wir im Drei-Schicht-Betrieb, und alles, was wir produzieren, wird sofort verkauft. Es gibt keinen Lagerbestand“.

Außerdem würden sich regelmäßig Schlangen vor den Ladenlokalen der Münze Österreich in Wien, Innsbruck und Graz bilden. Das gilt auch für die Geschäfte der Schoeller Münzhandel GmbH, einer Tochtergesellschaft der Münze Österreich AG. Die Muttergesellschaft der Münze Österreich ist übrigens die Oesterreichische Nationalbank (OeNB).

In den ersten vier Monaten dieses Jahres hat die Nachfrage nach Münzen und Barren bei unseren südlichen Nachbarn nochmals um mehr als ein Viertel zugelegt. Das Problem seien nun die fehlenden Produktionskapazitäten und die die Flaschenhälse in den Zulieferketten. Also eine vergleichbare Situation wie bei der U.S. Mint in Washington, DC.

„Weltweit könnten wir fünfmal so viel verkaufen",

bestätigt die Sprecherin der Münze Österreich Andrea Lang.

Die „Wiener Philharmoniker“ aus Gold oder Silber sind auch in Deutschland sehr beliebt und gehören hierzulande zu den meistverkauften Anlagemünzen.

Die von Liebhabern auch „Phillies“ genannten Münzen sind die wichtigsten Anlagemünzen mit aufgeprägtem Euro-Nennwert in Europa (Nr. 1 beim Umsatz | Quelle: Münze Österreich).

Kapazitäten sollen nun ausgebaut werden

Um dem anhaltenden Ansturm und dem generellen Wachstumstrend beim Absatz von Münzen und Barren gerecht zu werden, war eigentlich geplant, dass die Münze Österreich (Tochtergesellschaft der OeNB) in Kooperation mit dem privaten Edelmetallhändler Philoro ein neues Goldwerk errichten wollte.

Das Gemeinschaftsprojekt scheiterte aber an den angeblich zu hohen Kosten in Höhe von ca. 60 Millionen Euro. Philoro-Geschäftsführer Rudolf Brenner baut das Werk aufgrund der enormen Nachfrage nun im Alleingang.

Es bleibt zu hoffen, dass den erweiterten Verarbeitungskapazitäten dann auch genug Rohmaterial zur Verfügung steht.

Autor: Hannes Zipfel
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von Passant | 25.06.2022, 08:01 Antworten

Das Problem ist, das Börsenkurs ( Gold oder Silber - egal ) nur der Preis von Futures abbildet. Es kann in Zukunft zu einem Phänomen kommen - die Händler sowie Besitzer von physischen Metall werden nicht bereit sein physisches Gold oder Silber zu den Börsenpreisen + Aufgeld zu verkaufen, d.h. die Preise für Papiermetall ( Börsenpreise ) werden im Keller sein, physisches Metall wird man kaum bekommen können. Es wird dann der Moment der Wahrheit sein - der Preis für physisches Metall wird sich von den wertlosen Papierpreisen an der Börse ( Futures ) abkoppeln.

von Chary | 19.06.2022, 17:24 Antworten

Wenn die Nachfrage so toll ist,warum ist dann der Kurs im Keller?

von D. Braun. | 19.06.2022, 22:18 Antworten

Quatsch, seit dem Ukraine-Krieg liegt der Preis für 1kg Gold bei 55 Tsd Euro.
Davor bei 50 Tsd Euro. Würde die Nachfrage sich erhöhen, würde sich der Goldkurs erhöhen.
Passiert aber nicht.

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