Stand: 30.01.2017 von © Gold.de Redaktion JB/GW 1 Kommentare

Der Goldpreis hat im Zuge starker Aktienmärkte und der feiertagsbedingten Abstinenz chinesischer Investoren den Rückwärtsgang eingelegt. Die Marke von 1.200 Dollar hat erst einmal nicht gehalten.

Inflation ante portas

Mit Blick auf die Preisentwicklung war 2016 ein klarer Trend festzustellen: Mit den Konsumentenpreisen geht es eindeutig bergauf (siehe unten). Und dieser Umstand spricht normalerweise für ein Investment in Gold - vor allem, wenn diese Geldentwertung nicht über die Rendite von Staatsanleihen aufgefangen wird. In den USA benötigt man derzeit Anleihen mit fünf Jahren Laufzeit um die Inflation auszugleichen. Noch schwieriger wird dieses Unterfangen in Deutschland, wo mit Laufzeiten von zehn Jahren derzeit nicht einmal die Hälfte der Dezember-Inflation „verdient“ wird.

Das heißt: Trotz des in den vergangenen Monaten zu beobachtenden Zinsanstiegs, bewegen sich die Realzinsen - also die inflationsbereinigten Anleiherenditen - weiterhin im negativen Bereich. Solche Phasen sprechen normalerweise für Gold als Inflationsschutz.

Entwicklung der Inflation:

Januar 2016 Dezember 2016
USA: 1,4 % p.a. 2,1 % p.a.
Eurozone: 0,3 % p.a. 1,1 % p.a.
Deutschland: 0,5 % p.a. 1,8 % p.a.

Besonders interessant: Dieser Vorteil würde sich verstärken, falls die Inflation stärker als die Zinsen steigen sollte. Und dieses Szenario scheint relativ wahrscheinlich zu sein, schließlich könnten die meisten OECD-Staaten aufgrund der explodierenden Staatsschulden allzu üppige Zinserhöhungen gar nicht stemmen. Negative Realzinsen dürften daher vor allem für uns Europäer höchstwahrscheinlich zum Dauerzustand werden. Außerdem spricht derzeit einiges für eine anziehende Teuerung, da sich die meisten Rohstoffe auf Zwölfmonatssicht kräftig nach oben entwickelt haben. Vor allem im Energiesektor gab es Preiszuwächse von in der Spitze über 80 Prozent und auch bei Industriemetallen und Agrarrohstoffen waren Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich keine Seltenheit.

Das Thema „Inflationsschutz“ könnte daher beim Goldpreis 2017 für kräftigen Rückenwind sorgen. In der laufenden Woche erfahren Anleger übrigens, wie sich laut vorläufigen Zahlen im Januar die Inflation in Deutschland entwickelt hat.

Europa goldhungriger als USA

Der Wahlsieg von Donald Trump hat nicht nur in den USA, sondern auch im Rest der Welt für erhebliche Unsicherheit gesorgt. An den Goldmärkten waren dies- und jenseits des Atlantiks allerdings völlig gegensätzliche Tendenzen zu beobachten. Während im Gold ETF-Sektor massive Abflüsse registriert wurden und große wie kleine Terminspekulanten bei Gold-Futures deutlich skeptischer wurden, haben Europäer angesichts der politischen Gemengelage kräftig in den Krisenschutz Gold investiert.

So meldete zum Beispiel der World Gold Council für Dezember bei Exchange Traded Products (ETPs) auf Gold einen Rückgang der weltweit gehaltenen Goldmenge um vier Prozent auf 2.142,40 Tonnen (siehe Tabelle).

Die 15 weltgrößten Gold-ETFs

Name Land Goldmenge am 30.12.16 versus Vormonat (%)
1 SPDR Gold Shares USA 822,2 t -7,0 %
2 iShares Gold Trust USA 196,2 t -3,1 %
3 ZKB Gold ETF Schweiz 145,5 t -0,8 %
4 ETFS Physical Gold Großbritannien 143,7 t -2,5 %
5 Xetra-Gold Deutschland 117,6 t 3,0 %
6 Gold Bullion Securities Ltd Großbritannien 94,7 t -8,8 %
7 Source Physical Gold P-ETC Großbritannien 85,4 t -12,3 %
8 iShares Physical Gold ETC Großbritannien 60,4 t -1,5 %
9 Sprott Physical Gold Trust USA 55,0 t 0,0 %
10 Central Fund of Canada Ltd Kanada 52,0 t 0,0 %
11 Julius Baer Precious Metals Fund - JB Physical Gold Fund Schweiz 46,6 t 0,7 %
12 NewGold Issuer Ltd Südafrika 33,5 t -2,3 %
13 ETFS Physical Swiss Gold Shares USA 25,1 t -6,3 %
14 Huaan Yifu Gold ETF China 24,1 t -4,8 %
15 db Physical Gold Euro Hedged ETC Deutschland 22,9 t 3,6 %
weltweit insgesamt 2.142,4t -4,3 %

Quelle: World Gold Coubncil

Der Löwenanteil dieser Abflüsse ging auf das Konto der beiden marktgewichtigsten US-Papiergoldprodukte. So nahm zum Beispiel das Gewicht des SPDR Gold Shares um sieben Prozent auf 822,2 Tonnen ab, während beim iShares Gold Trust ein Minus von drei Prozent auf 196,2 Tonnen zu Buche schlug. Zuflüsse waren hingegen bei Xetra-Gold (+3,0 Prozent auf 117,6 Tonnen), Julius Baer Precious Metals (+1,0 Prozent auf 46,6 Tonnen) und db Physical Gold Euro Hedged (+4,0 Prozent auf 22,9 Tonnen) registriert worden.

Top 15 der größten Gold-ETFs

Besonders stark gefragt war Xetra-Gold, vor allem unter institutionellen Investoren. "Seit Jahresbeginn hat Xetra-Gold Zuflüsse von über 20 Tonnen erzielt, der Goldbestand in den Tresoren beträgt damit 138 Tonnen. In der vergangenen Woche ist der Bestand um eine Tonne gestiegen“, sagte Steffen Orben, Geschäftsführer der Deutsche Börse Commodities GmbH, der Emittentin von Xetra-Gold. In den vergangenen zwölf Monaten erhöhte sich damit der Bestand von Xetra-Gold um 78 Tonnen.

Ausblick für die laufende Woche

In dieser Woche stellt sich jedoch die Frage, wie sich die Abstinenz chinesischer Investoren auf den Goldpreis auswirken wird. Sie kehren nämlich nach den Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr erst am Freitag wieder an die Märkte zurück. Langeweile dürfte aber kaum aufkommen, schließlich stehen diverse wichtige Termine an. In der ersten Wochenhälfte müssen zum Beispiel die Notenbanksitzungen der Bank of Japan (BoJ) und der Fed verarbeitet werden. Ab Mittwoch richtet sich dann an den Goldmärkten das Hauptaugenmerk auf die Datenflut zum US-Arbeitsmarkt. Neben den Monatsberichten von ADP, Gallup und dem Challenger-Bericht über Stellenstreichungen dürften die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sowie der für Freitag angekündigte Januar-Bericht des US-Arbeitsministeriums für erhöhte Spannung sorgen.

Laut einer vom Wall Street Journal veröffentlichten Umfrage unter Analysten wird mit einer unveränderten Arbeitslosenrate in Höhe von 4,7 Prozent und einem Anstieg der Zahl neu geschaffener Stellen von 156.000 auf 175.000 gerechnet. Sollten die Daten enttäuschen stehen die Chancen für ein Comeback über 1.200 Dollar nicht schlecht.

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Kommentare [1]
  • von Mr. Silver | 02.02.2017, 10:14 Antworten

    Der Cot report zeigt mir eine ganz klare Richtung. Der Abfluss des Geldes von 90000 Kontrakten und der Kursrutsch von nur 40 Dollar zeigen mir, das es bald aufwärts gehen kann. Bei knapp 1300 Dollar läuft die lange Abwärtskanallinie die wir letztes Jahr bei 1375 nicht überwinden konnten. Da wird es dann wieder spannend. Doch die 1300 sollten wir erreichen. Am Montag hatten wir ein 12 Monatstief der Kontraktbestände. Das läßt vermuten, das die Daytrader usw. den Goldmarkt verlassen haben. Die kommen ab 1250 wieder in den Markt hinein, und treiben dann die Preise nach oben.

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