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Stand: 06.05.2024 von Jörg Bernhard
In der vergangenen Woche veröffentlichte der World Gold Council (WGC) aktuelle Daten zur Entwicklung von Angebot und Nachfrage am globalen Goldmarkt. Die „Gold Demand Trends“ wiesen für das erste Quartal 2024 bei steigendem Angebot eine rückläufige Nachfrage aus.
World Gold Council meldet für Q1 Nachfrage-Minus

Angebot hui, Nachfrage pfui

Besonders starke Veränderungen gab es vor allem auf der Angebotsseite zu beobachten. So hat sich zum Beispiel die Primärproduktion (Goldminen) gegenüber dem Vorjahresquartal von 855,1 auf 893,0 Tonnen (+4,4 Prozent) erhöht (siehe Tabelle).

Noch nie wurde seit der Datenerhebung für ein erstes Quartal ein höherer Wert gemeldet. Noch deutlicher ging es mit der Sekundärproduktion (Recycling) bergauf. Der Zuwachs von 311,9 auf 350,8 Tonnen (+12,5 Prozent p.a.) stellte den höchsten Wert seit Q3 2020 dar. Aufgrund von Hedgingtransaktionen (Preisabsicherung) in Höhe von 5,5 Tonnen stellte sich beim Gesamtangebot letztendlich ein etwas geringerer Anstieg von 1.206,7 auf 1.238,3 Tonnen (+2,6 Prozent p.a.) ein.

World Gold Council: Globaler Goldmarkt in Q1 2024

Nachfrage (in Tonnen) Q1 2023 Q1 2024 Diff. (% p.a.)
Schmuckproduktion 531,0 535,0 0,8 %
Schmuckverkauf 488,9 479,0 -2,0 %
Lagerbestände Schmuck 42,1 56,0 33,0 %
Technologie 71,2 78,6 10,4 %
Elektronik 57,1 64,4 12,8 %
Andere Industrien 11,7 11,9 1,7 %
Dentalbranche 2,4 2,3 -4,2 %
Investment 275,3 198,6 -27,9 %
Barren & Münzen 303,9 312,3 2,8 %
Physische Barren 185,9 222,9 19,9 %
Offizielle Münzen 93,6 65,3 -30,2 %
Medaillen 24,4 24,1 -1,2 %
ETFs und ähnliche Produkte -28,6 -113,7
Notenbanken 286,2 289,7 1,2 %
Goldnachfrage 1.163,7 1.101,8 -5,3 %
OTC und weitere 42,7 136,4
Gesamtnachfrage (in Tonnen) 1.206,4 1.238,2 2,6 %
Minenproduktion 855,1 893,0 4,4 %
Hedging (Preisabsicherung) 39,4 -5,5
Recycling 311,9 350,8 12,5 %
Gesamtangebot 1.206,4 1.238,3 2,6 %

Quelle: World Gold Council

Ein signifikantes Minus gab es in Q1 hingegen bei der globalen Goldnachfrage zu vermelden. Ohne die Entwicklung an den Terminmärkten (OTC und andere: plus 136,4 Tonnen) zu berücksichtigen, war bei der Gesamtnachfrage nämlich ein Rückgang von 1.163,7 auf 1.101,8 Tonnen (-5,3 Prozent p.a.) registriert worden.

Maßgeblich verantwortlich für diese Negativtendenz war vor allem der Investmentsektor. In den ersten drei Monaten schlugen zum Beispiel im ETF-Sektor Goldabflüsse in Höhe von 113,7 Tonnen zu Buche.

Zur Erinnerung: Im Vorquartal bzw. in Q1 2023 fielen diese mit 55,7 bzw. 28,6 Tonnen erheblich geringer aus. Kein einheitliches Bild lieferte das Marktsegment „Goldbarren und -münzen“, wo sich auf Jahressicht die Nachfrage von 303,9 auf 312,3 Tonnen (+2,8 Prozent p.a.) erhöht hat. Während sich das Nachfrageinteresse an Barren von 185,9 auf 222,9 Tonnen (+19,9 Prozent p.a.) verstärkt hat, brach die Münznachfrage von 93,6 auf 65,3 Tonnen (-30,2 Prozent p.a.) regelrecht ein.

Rückenwind aus dem Notenbankensektor

Zum vierzehnten Mal in Folge haben die Notenbanken innerhalb eines Quartals per Saldo ihre Goldreserven aufgestockt. In den Monaten Januar bis März 2024 haben sich deren Bestände um 289,7 Tonnen erhöht. Damit wurde gegenüber dem Vorquartal ein Plus von 31,9 Prozent und auf Jahressicht ein Zuwachs um immerhin 1,2 Prozent erzielt.

Im mit großem Abstand wichtigsten Marktsegment, der Schmuckbranche, gab es keine großen Veränderungen zu vermelden. Während sich die Schmuckproduktion auf Jahressicht von 531,0 auf 535,0 Tonnen (+0,8 Prozent p.a.) leicht erhöht hat, verzeichnete die Schmucknachfrage im selben Zeitraum einen Rückgang von 488,9 auf 479,0 Tonnen (-2,0 Prozent p.a.). Dies schlug sich in einem Aufbau der Lagerbestände um 56,0 Tonnen nieder.

Bei der industriellen Goldnachfrage, die traditionell eine eher untergeordnete Rolle spielt, war gegenüber dem Vorjahresquartal ein kräftiges Plus von 71,2 auf 78,6 Tonnen (+10,4 Prozent p.a.) registriert worden, welches der WGC vor allem auf den vom KI-Boom ausgelösten steigenden Bedarf an Computerchips zurückzuführen war.

Ausblick für die laufende Woche

Dank der am Freitag vorgelegten Zahlen zum US-Arbeitsmarkt, die schwächer als erwartet ausgefallen waren, hat sich die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im September deutlich erhöht und dem Goldpreis – nach hektischem Auf und Ab – zu einer stabilen Tendenz verholfen. Nach wie vor kann man dem gelben Edelmetall trotz einiger Belastungsfaktoren ein hohes Maß an relativer Stärke attestieren.

Beim Blick auf den aktuellen Konjunkturkalender für die USA verspricht die zweite Wochenhälfte relativ spannend zu werden. Zum einen stehen die Statements diverser US-Notenbanker zur Bekanntgabe an und zum anderen erfahren die Marktakteure am Donnerstag, wie sich die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe entwickelt hat.

Am Freitag folgt dann noch der von der Uni Michigan ermittelte Index zum Konsumentenvertrauen. Gegenwärtig sorgt vor allem die Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Entwicklung von Inflation und Zinsen für ein hohes Maß an Verunsicherung. Diese hat der Goldpreis bislang jedoch ausgesprochen gut weggesteckt, schließlich weist er – allen Unkenrufen zum Trotz – seit dem Jahreswechsel eine Wertsteigerung um 12,5 Prozent (USD) bzw. 15,3 Prozent (EUR) auf.

Autor: Jörg Bernhard
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von Johann Ragaz | 10.05.2024, 06:27 Uhr Antworten

Die Erde ist gross, wir haben 193 Staaten, viele recht intransparent u. abgeschottet. Wie soll jemand erfassen können, mit Kommastellen, was in Sachen Gold los ist??? Da wird einfach abgeschrieben u. dem Leser was vorgegaukelt, was so gar nicht erfassbar ist. Gilt auch für viele andere Zahlen u. Statistiken.

von Don Gorgonzola der Blaue | 07.05.2024, 15:36 Uhr Antworten

Hallo Herr Bernhard und Danke auch für diesen interessanten Artikel.
Ich bin mir nicht ganz so sicher ob man dem World Gold Council (WGC) generell immer in allen Punkten zustimmen sollte. Immerhin haben wir schon seit einiger Zeit eine sehr aggressive Stimmung, besonders auf dem Goldmarkt. China kauft weltweit extrem große Mengen an verfügbarem Gold am Markt auf und sorgt dadurch Einfluss nehmend auch generell für Engpässe bei der Verfügbarkeit. Da ist es kein Wunder wenn Goldförder Anlagen permanent immer wieder im TurboModus laufen... schließlich ist jede geförderte Unze auch für diese Leute bares Geld - cash. China wartet bestimmt schon ganz gespannt auf den nächsten sich lohnenden Moment am Markt. Das bedetet aber nicht zwingend, dass dieses Szenario dann auch zeitnah bei jedem Förder Überschuss an Gold auf dem Fuß eintreten muss. Und wenn Edelmetallhändler Überschuss- bedingt, volle Gold Lager haben und nicht immer gleich ihre Einkäufe an den Kunden weitergeben können, wird schnell eine Absatzflaute ausgerufen. Denn auch hier lautet der Sloagan - time is cash time is money. Fragen Sie doch mal unsere hier gelisteten High End Premium Edelmetallhändler. Wir kennen soetwas aber auch noch aus früheren Tagen unter dem Namen Vor- Weihnachts-Geschäft. So gesehen, hat man dann wieder einmal weniger verkauft als vorher und das Absatz Pfui ist wieder geboren. Wer DIesem Märchen immer noch glauben schenken möchte... bitte. Auch der durch KI-Boom angeblich ausgelöste steigende große Gold Bedarf für Computerchips ist schwer verifizierbar . Die derzeitig aktuell verfügbaren Computersysteme und deren Prozessoren können sehr wohl mit KI Software umgehen. Ich kenne selber einige Entwickler. Engpässe sehen diese zumindest, meiner Quellen nach, derzeit noch nicht auch bei fortschreitendem Wissensstand..

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