Stand: 19.04.2017 von © Gold.de Redaktion AB/SH 6 Kommentare

Damals mit der Süßen im Käfer nach Italien. Die Ästhetik pur eines 63er Jaguar E-Type. Das unnachahmliche Wummern eines alten Lanz Bulldogs, wenn er 10 Liter Hubraum in einem einzigen Zylinder verdichtet. Keine Frage: Oldtimer wecken Leidenschaften. Und angesichts von Wertzuwächsen, bei denen einem schwindelig wird, fragen sich immer mehr, ob das Sammeln von alten Autos inzwischen nicht eine ernst zu nehmende Anlageform darstellt. Wir haben den Vergleich mit Gold gemacht.

Oldtimer sind längst mehr als nur reine Liebhaberei einiger weniger betuchter Hobby-Automobilisten. Der Markt für die alten Schätzchen boomt, und das nicht nur in Deutschland. So wuchs nach Angaben des VDA (Verband der Automobilindustrie) der sogenannte Oldtimer Index 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 %.* Dieser Index, von Insidern auch gern DOX genannt, misst die durchschnittliche Wertveränderung von historischen Kraftfahrzeugen.

Oldtimer als Geldanlage

Der Wertzuwachs von 5,6 % im Jahr 2015 entspricht dabei dem langjährigen Mittel seit 1999, als der Index eingeführt wurde. Also ein jährlicher Wertzuwachs von 5,6 % im Schnitt für Oldtimer. Das sind Werte, von denen Zinsprodukte nur träumen können.

Gold oder Oldtimer: Welche Anlageform ist besser?

Gold im Vergleich mit Oldtimer-Index DOX

Ein Vergleich der Chartverläufe von 1999 - 2015. Gold performt deutlich besser. Doch diese Aussage wäre verkürzt. Eine längerfristige Betrachtung ist aber nicht möglich, da der Oldtimer Index erst seit 1999 geführt wird. Außerdem sind Rendite und Leidenschaft allein zu wenig, um eine Anlageform zu beurteilen. Da müssen noch mehr Faktoren berücksichtigt werden.

Für einen aussagekräftigeren Vergleich haben wir daher die beiden Kandidaten in mehreren Einzeldisziplinen gegeneinander antreten lassen. Bewertet haben wir, neben dem Aspekt Rendite, auch die Kategorien Sicherheit, Verfügbarkeit, Lagerung und Mobilität, Diebstahlrisiko, Anonymität, Anlagekosten und Spaßfaktor. Sieger ist, wer die meisten Einzelkategorien für sich entscheidet.


Runde 1: Sicherheit

Gold ist unvergänglich, da es nicht korrodiert. Aufgrund dieser physischen Eigenschaften gilt es seit Menschengedenken als wertstabile Anlage, als grenzübergreifend akzeptiertes Tausch- und Zahlungsmittel, als solider Wertspeicher. Gold ist als Geldanlage und Schmuckmetall weltweit begehrt, es gibt eine natürliche Nachfrage. Abgesehen von den Goldpreis Schwankungen gegenüber Papierwährungen unterliegt Gold keinem Ausfall- oder Emittenten Risiko. Gold hat einen sogenannten inneren Wert. Kein Anleger muss befürchten, einen Totalverlust zu erleiden.

Anders dagegen ein Oldtimer. Einen Markt im engeren Sinne gibt es erst seit wenigen Jahrzehnten. Als Anlagegattung mit einer dauerhaften Wertbeständigkeit müssen sich Oldtimer also noch beweisen. Vor allem aber: Ein Oldtimer kann kaputtgehen durch Feuer, Unwetter, oder Unfall. Auch wenn die Versicherung zahlt: Das Anlageobjekt als solches ist verloren.

Unser Fazit: Punkt für Gold

Runde 2: Renditechancen

Hier ist der Vergleich schwierig. Denn für Gold als solches gibt es einen Marktpreis.

Anders bei Oldtimern. Denn "den" Oldtimer gibt es nicht. Es gibt Oldtimermodelle, die gesucht sind und daher im Preis in den letzten Jahren gestiegen sind. Und es gibt Modelle, die im Preis gefallen sind. Wobei die Wertänderungen teilweise extrem sind, sowohl nach oben wie auch nach unten. Das Risiko ist also erheblich.

Zur Veranschaulichung beispielhaft die Wertentwicklung zweier Oldtimer Modelle für den Zeitraum 2004 bis 2014.  Nach Recherchen von AutoBild** verlor hier ein Ford Mustang der dritten Generation 15,3 % seines Wertes. Umgekehrt konnte ein BMW 2002 ti im selben Zeitraum um 271 % zulegen.

Oldtimer: Wert Gewinner und Verlierer

Und selbst das Beispiel Ford Mustang zeigt, wie schwierig der Oldtimer Markt ist. Denn wo der Mustang III verloren hat, schaut es bei anderen Modellen derselben Marke wieder ganz anders aus. "Ein Mustang von 71-73, vor 10 Jahren noch ohne großen Wertzuwachs zu bekommen, hat seinen Preis in den letzten 5 Jahren verdoppelt. Waren solche Modelle 2004 noch deutlich unter 10.000 Euro zu haben, so betrug der Preis 2012 schon 15.000 Euro. Heute in 2017 sind diese Modelle in gutem Zustand nicht mehr unter 30.000 Euro zu bekommen", so Norbert Kutzera, Inhaber von NR Classic Car Collection, eines der bekanntesten Häuser Deutschlands für US Classic Cars.

Oldtimer Ford Mustang
Im Gegensatz zu seinem Bruder, dem Ford Mustang III, ist dieser Mustang Bj. 1973 ein Wertgewinner

Unter der Voraussetzung, dass man einstmals den richtigen Riecher hatte und in das richtige Modell investiert hat, sehen wir also den Vorteil beim Oldtimer. Bei den Rendite Chancen ist definitiv mehr Musik drin.

Unser Fazit: Punkt für Oldtimer

Runde 3: Verfügbarkeit

Schnelle Verfügbarkeit ist ein Argument, welches bei der Vermögensanlage auch eine Rolle spielt. Denn es kann immer mal passieren, dass man unerwartet liquide Mittel braucht. Gold kann jederzeit verkauft werden. Der Markt ist groß; ein Verkauf geht beim Händler oder einer Bank schnell über die Bühne.

Natürlich kann auch ein Oldtimer verkauft werden. Allerdings sollte man für den Verkauf schon ein paar Wochen einplanen.

Unser Fazit: Punkt für Gold

Runde 4: Lagerung & Mobilität

Gold ist kompakt und mobil. Man kann es überall hin transportieren. Auch die Lagerung benötigt wenig Platz.

Ein Oldtimer ist größer, und er muss vor Witterungseinflüssen geschützt sein. Ist er nicht fahrbar, muss ein Hänger her. "Ein Oldtimer verliert schnell an Wert, wenn er nicht bewegt wird. Das weiß jeder Liebhaber. Hier kann man nicht einfach lagern, ein Oldtimer ist ein Fahrzeug und muss bewegt werden", so Kutzera weiter. Für echte Oldtimer Fans ist das natürlich kein Nachteil, sondern genau das, was den Spaß an der Sache ausmacht. Dennoch geht diese Runde an Gold.

Unser Fazit: Punkt für Gold


Runde 5: Diebstahlrisiko

Punktet das Gold in der Kategorie "Lagerung & Mobilität", so ist dies gleichzeitig auch ein Nachteil. Denn alles was mobil ist, leicht transportabel und dazu einen hohen Wert hat, lockt Diebe an.

Einen Oldtimer zu klauen ist da schon aufwändiger. Man könnte auch sagen: Auffälliger.

Unser Fazit: Punkt für Oldtimer

Runde 6: Anonymität

Nicht jeder möchte preisgeben, was er hat. Gold ist anonym. Man kann es seit der Neuregelung des Geldwäschegesetzes am 26. Juni 2017 bis zu einem Betrag von 9.999,99 Euro anonym kaufen (zuvor 14.999,99 Euro), man kann es anonym verkaufen (jedenfalls von privat zu privat), und man kann es diskret lagern. Der vergrabene Goldschatz ist schon sprichwörtlich.

Mit Oldtimern ist das so eine Sache. Spätestens bei der Zulassung ist es vorbei mit der Anonymität. Außerdem ist ein 54er Mercedes 300 SL Gullwing (genau, der mit den Flügeltüren) auch nicht gerade unauffällig.

Unser Fazit: Punkt für Gold


Runde 7: Anlagekosten

Unter dem Begriff "Anlagekosten" wollen wir alle Faktoren einrechnen, die nötig sind, um das Anlageobjekt zu kaufen, zu erhalten, zu lagern und zu verkaufen. Also all die Kosten, die on top zur eigentlichen Anlagesumme hinzugerechnet werden müssen.

Bei Gold ist die Sache einfach: Für Kauf und Verkauf wird etwas Gebühr fällig, dazu Lagerkosten für einen Safe oder ein Bankschließfach. Wobei ein kleines Schließfach oft bereits für 20-30 Euro im Jahr zu haben ist. Beträgt der Zeitraum zwischen Kauf und Verkauf mehr als ein Jahr, dann muss der Gewinn auch nicht versteuert werden. Detaillierte Informationen hierzu finden Sie in unserem Artikel "Steuern auf Edelmetalle".

Beim Oldtimer wird es komplizierter. Je nach Nutzung (angemeldet oder abgemeldet) entstehen Kosten für Steuer, Versicherung, TÜV, H-Kennzeichen, Zulassung, Benzin, Betriebsmittel und Ersatzteile. Möglicherweise braucht es noch eine extra Garage. Wer selber restauriert, der muss neben den Kosten für die Anschaffung zudem viel Geld in die Restaurierung investieren. Beim Kauf entstehen Kosten für die Abholung, beim Verkauf Kosten für Inserate.

Unser Fazit: Punkt für Gold


Runde 8: Spaßfaktor

OK, man kann natürlich seine Goldmünzen Sammlung oder seinen Goldschatz anschauen. Man kann seine Goldbarren oder Nuggets anfassen. Man kann stolz darauf sein, dass man zu den wenigen Auserwählten gehört, die eine 1874er Fürst Adolf Georg zu Schaumburg-Lippe Goldmünze ihr Eigen nennen dürfen. All das mag ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit verschaffen. Aber mal ehrlich: Spaß geht anders.

Hier punktet klar der Oldtimer. Ausfahrten mit Gleichgesinnten, Oldtimertreffen, Oldtimer Rallyes, oder einfach nur mit einem alten Porsche an einem lauen Sommerabend ein paar Kurven sezieren - das macht Spaß!

Unser Fazit: Punkt für Oldtimer


Gesamtergebnis: Punktsieg für Gold

Vergleich Gold und Oldtimer als Geldanlage

Doch die Frage "Warum Oldtimer als Geldanlage" ist damit nicht zwingend vom Tisch! Denn es gibt auch so etwas wie eine emotionale Rendite. Wer selbst dieses Hobby pflegt, der wird viele der hier genannten Nachteile nicht als solche empfinden. Und wenn die Spaßrendite auf vier Rädern auch noch echten Gewinn abwirft - umso besser.

Ansonsten gilt: Hübsche, wenngleich riskante Beimischung im persönlichen Vermögensportfolio. Gute Sachkenntnis natürlich vorausgesetzt. "Grundsätzlich können Oldtimer eine Wertanlage sein. Allerdings nicht für jeden. Und selbst bei der richtigen Wahl des Modells ist ein Fehlkauf durch eine falsche Bewertung des Zustandes nicht ausgeschlossen. Damit es keine böse Überraschung gibt bieten wir unsere Unterstützung an", so Monika Mummrey von Classic Car Tours, ein auf Oldtimer Touren und Events spezialisierter Veranstalter.


Tipp: Einstieg in das Investment, kurz bevor Fahrzeuge als Youngtimer gelten. Hier sind die Preise noch moderat und die Versorgung mit Ersatzteilen gut. Zwar ist die Klassifizierung als Youngtimer noch nicht wirklich verbindlich definiert, gemeinhin werden aber darunter Autos verstanden, die mindestens 20 Jahre alt sind. Erst ab einem Alter von 30 Jahren gelten Autos als Oldtimer. Hierfür kann das begehrte H - Kennzeichen beantragt werden.


Quellen: 

* VDA (Verband der Automobilindustrie)
** AutoBild

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Kommentare [6]
  • von Oldie | 12.04.2017, 14:25 Antworten

    An Oldtimern nagt dann aber auch irgendwann der Zahn der Zeit und man muss wieder investieren. Ob sich das am Ende rechnet und sich als % in Rendite ausdrücken lässt... da ist mir anlagetechnisch Gold um einiges lieber. Aber wer schon Gold hat und Spaß an einem schönen Auto und vielleicht noch selbst schrauben kann, warum nicht…

  • von magnus | 13.04.2017, 15:31 Antworten

    mein größter schatz war mein alter ford capri in silber :-) ..das war einfach herrlich mit dem ding rumzufräsen..die tiefe sitzposition, der look zu der damaligen zeit ..einfach göttlich...ein paar spoiler dran gemacht und dann war man der Chef!! ..und die Mädels liebten den auch:)))

    • von eric | 20.04.2017, 20:10 Antworten

      …schon klar …. aber eigentlich geht es hier um was anderes ;-)

  • von Alex | 21.04.2017, 11:11 Antworten

    Beim Punkt 7 kann man geteilte Meinung sein.
    Zum Thema Gold im Schließfach bei der Bank: Die Kosten betragen mindestens 40 € im Jahr. Außerdem ist der Inhalt nicht versichert (steht leider nur im Kleingedruckten). Um den Inhalt zu versichern werden höhere Gebühren Fällig und zwar richten sich diese nach dem Wert des Schließfachinhaltes. Außerdem kommt man bei den meisten Banken nur zu den Öffnungszeiten an sein Hab und Gut. Im Falle der Bankschließung (wir erinnern uns an Griechenland) steht man einfach nur vor der Tür ganz traurig da!
    Zum Thema Oldtimer und deren Kosten: Falls man sich entschließt den Oldtimer als längerfristige Anlage zu betrachten, dann gibt es die Möglichkeit diesen von Flüssigkeiten zu befreien, diesen in Plastikhülle zu vakuumieren und für die nächsten 10 Jahren in die Garagen bzw. Scheunenecke zu stellen. Da entstehen weder Kosten für Zulassung, Versicherung, Reparatur und etc. noch wird der Verfall des Bleches fortschreiten.
    Wie schon gesagt, bei der Bewertung kommt es immer auf die individuelle Planung an.

  • von Graf von Henneberg | 28.04.2017, 15:55 Antworten

    Oldtimer: Besteht ja in der Hauptsache aus Eisen, welches dem Oxydationsprozeß unterworfen ist. Irgendwann wird das Eisen in Eisenoxyd übergegangen sein. Das kann mit Aurum (Gold) nicht passieren. Außerdem braucht Gold keinen TÜV.

    Und: im Ernstfall wird der Müller lieber Gold oder Silber für einen Sack Weizen nehmen als ein altes Auto.

    Aber: Der Oldtimer macht dem Eigentümer während seines irdischen Daseins mehr Freude.

    Übrigens: Wer lagert denn schon sein Gold im Bankschließfach? Das sollte man nicht tun. Dazu ist Gold zu wertvoll, als es der Öffentlichkeit preiszugeben.

  • von irgendwo aus dem nirgendwo | 17.06.2017, 00:19 Antworten

    Die Daten sollten evtl. Angefasst werden der Stand für anonyme Golldgeschäfte ist nun bei 9999,99 €
    Ihr habt darüber auch einen guten Artikel geschrieben!
    [ Anmerkung der Redaktion: Vielen Dank für Ihren Hinweis! Ab 26. Juni gelten offiziell die 9.999,99 Euro. Wir haben den Artikel nun entsprechend angepasst. ]

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