Stand: 19.04.2021 von Hannes Zipfel
Die jüngsten Informationen aus China könnten zu einem nachhaltig positiven Impuls für den Goldpreis führen. Am Freitag vergangener Woche verlautbarten fünf verschiedene Regierungsquellen in Peking, dass national und international operierenden Geschäftsbanken der Import von physischem Gold in großen Mengen wieder gestattet ist.
China-Gold und Zinsentscheid

China ist der weltweit größte Goldkonsument und rangiert bei den offiziellen Goldreserven hinter Russland auf Platz sieben. Weitere Impulse werden in der kommenden Woche von der Europäischen Zentralbank (EZB) erwartet, die am Donnerstag tagt.

In China übersteigt der Bedarf das Angebot 

Nach dem Einbruch der Goldnachfrage in China durch den Shutdown ganzer Wirtschaftszweige hat sich die Nachfrage seit Sommer letzten Jahres wieder deutlich erholt. Die im Land angebotenen Mengen des gelben Edelmetalls reichen zur Befriedigung des gestiegenen Bedarfs nicht mehr aus.

Zuletzt stiegen daher die Aufgelder für Gold in Asien gegenüber dem Londoner Preis-Fixing auf bis zu 9 US-Dollar pro Unze (Verfügbarkeitsprämie).

Für April und Mai werden nun voraussichtlich rund 150 Tonnen Gold im Wert von ca. 8,5 Milliarden US-Dollar aus Australien, Südafrika und Großlagern in der Schweiz geordert.

Die Schweiz ist weltweit der größte Umschlag- und Weiterverarbeitungsstandort für Gold.

Die Kontrolle über den chinesischen Goldimport hat die Zentralbank (PBOC), die über ein Quotensystem bestimmt, wie viel des Edelmetalls Geschäftsbanken einführen dürfen. Im Zuge der Pandemie wurde der Import stark eingeschränkt.

Die nun bekanntgewordenen Quoten der PBOC stellen die höchsten seit 2019 dar.

Der Goldpreis reagierte positiv auf diese Nachricht und konnte die Handelswoche jenseits wichtiger Chart-Marken bei 1.776 US-Dollar pro Unze beenden. In Euro notierte die Unze am Wochenende bei 1.483 Euro.

Goldpreis - tages-Chart in US Dollar pro Unze April 2021

Bereits in dieser Woche besteht damit die Chance für einen erneuten Ausbruch aus der langgezogenen Konsolidierungsflagge, die sich seit August letzten Jahres etabliert hat.

Ein weiterer Impulsgeber dafür könnte die am Donnerstag stattfindende EZB-Ratssitzung sein. Es wird erwartet, dass die Zentralbank und allen voran ihre Präsidentin Christine Lagarde die Notwendigkeit der Beibehaltung ihrer ultralaxen Geldpolitik betont. In der Eurozone rentieren die Geldmarktzinsen sowohl nominal als auch unter Berücksichtigung der Inflation länderübergreifend im negativen Terrain.

Es wird erwartet, dass der Leitzins auf dem Dauertiefstand von 0,0 Prozent verbleibt.

Der Einlagezins für Banken soll weiterhin minus 0,5 Prozent betragen. Die EZB erklärte bereits im März, dass die Anleihekäufe von April bis Ende Juni

"deutlich umfangreicher ausfallen werden als während der ersten Monate dieses Jahres".

Für die zinslosen aber knappen Edelmetalle ist dieses Umfeld generell positiv.

Inflationsdaten und Einkaufsmanagerindizes – Konjunkturdaten der kommenden Woche:

Montag 19.04.

Die Woche beginnt von der Datenfront her verhalten. Die Deutsche Bundesbank (BuBa) stellt heute Mittag ihren aktuellen Monatsbericht zur Geld-, Finanz- und Wirtschaftspolitik. Außerdem startet heute die Berichtssaison der Aktiengesellschaften für das erste Quartal 2021.

Den Auftakt bilden dabei am Montag die US-Großkonzerne Coca-Cola Co., IBM Corp. und United Airlines Holdings.

Dienstag 20.04.

Am Dienstag um 08:00 Uhr veröffentlicht Destatis die Erzeugerpreise für Deutschland. Nach +1,9 Prozent im Februar wird für den März mit einer Jahresinflation in Höhe von 3,2 Prozent gerechnet.

Mittwoch 21.04.

Am Mittwoch um 13:00 Uhr MESZ meldet die Mortgage Bankers Association (MBA) den US-Hypothekenindex für die Vorwoche. Zuletzt war der Index wegen steigender Hypothekenzinsen stark unter Druck geraten und von 981,1 Punkten Anfang Februar dieses Jahres auf zuletzt 667,7 Punkte eingebrochen.

Es wird mit einem weiteren leichten Rückgang gerechnet.

Donnerstag 22.04.

Am Donnerstag um 13:45 Uhr fällt die Europäische Zentralbank im Anschluss an ihre Rats-Sitzung ihre Zinsentscheidung.

Es wird mit keiner Anpassung der Zinssätze gerechnet.

Spannender wird die um 14:30 Uhr beginnende Pressekonferenz mit der EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Sie wird die geldpolitischen Beschlüsse der Zentralbank erläutern. Dabei wird von den Journalisten und Analysten jedes Wort genau überprüft, ob es einen Hinweis auf eine Änderung der Geldpolitik enthält.

Die Edelmetallkurse neigen bei überraschenden Statements zu erhöhten Schwankungen.

Ebenfalls um 14:30 MESZ folgen aus den USA die viel beachteten Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung. Nach einem deutlichen Rückgang in der KW 14 auf 576k Anträge (erwartet wurden 700k) wird für die vergangene KW 15 wieder mit einem leichten Anstieg auf 625k Erstanträge gerechnet.

Freitag 23.04

Zum Wochenschluss folgt ein ganzes Bündel an Einkaufsmanagerindizes (EMIs) aus Japan, Deutschland, der Euro-Zone und den USA.

Hierzulande werden um 09:30 Uhr die EMIs für das Verarbeitende Gewerbe, den Dienstleistungssektor sowie der Gesamtindex von Markit Economics bekannt gegeben. Sowohl in der Industrie als auch bei den Dienstleistern wird von einem leichten Rückgang ausgegangen. Der Gesamtindex für den April wird mit 57 nach 57,3 Punkten im März erwartet.

Um 10:00 Uhr folgen die EMIs für die Euro-Zone. Auch hier erwarten die Analysten einen leichten Rückgang im Gesamtindex von 53,2 im März auf 52,8 im April.

Um 15:45 Uhr MESZ folgen die EMIs aus den USA. Hier Datenanbieter Markit für die Industrie und den Service-Sektor von einer weiteren leichten Belebung der Geschäftsaktivitäten aus.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Surfer | 21.04.2021, 20:33 Antworten

also die "Voraussage", dass "mit einem leichten Rückgang" bei "Mortgage Bankers Association (MBA) für den US-Hypothekenindex" gerechnet wird, ging mal wieder daneben.
Der Index stieg sogar um enorme 8,3% !!! (Quelle:
https://de.investing.com/economic-calendar/mba-mortgage-applications-380 )

von Ihr Name | 19.04.2021, 20:33 Antworten

"Zuletzt stiegen daher die Aufgelder für Gold in Asien gegenüber dem Londoner Preis-Fixing auf bis zu 9 US-Dollar pro Unze (Verfügbarkeitsprämie)."
Ist die "9" korrekt? Das wäre bei 1770 Dollar pro Unze gerade einmal 0,51% Zusatzaufschlag. Wenn bei uns um die 5,0% Aufgeld auf eine Unze Krügerrand erhoben wird, hört sich 9 USD zusätzlich bei einer ernsthaften Verknappung, tendenziell irrelevant an.

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