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Stand: 04.11.2022 von Hannes Zipfel
Die gesamte Goldindustrie, von den Bergbaukonzernen bis hin zu den Produktherstellern reagieren auf den zunehmenden Wunsch der Kunden und Anleger nach nachhaltigen Goldprodukten. Vor allem bei den Umweltstandards und den sozialen Aspekten bei der Produktion und Verarbeitung ist das Image der Branche nach wie vor nicht besonders gut.
Globale Goldindustrie verpflichtet sich zu 10 Nachhaltigkeitsgrundsätzen

Mit verbindlichen Grundsätzen wollen 14 weltweit aktive Branchenverbände und Handelsplätze das Image des Goldes aufpolieren.

Intransparenz, Umweltverschmutzung und Menschenrechtsverletzungen

Zehntausende Quadratkilometer gerodeter oder abgebrannter Waldflächen, durch Chemikalien vergiftete Gewässer, gebrochene Staudämme, die ganze Siedlungen unter giftigem Schlamm begraben und Menschen, die gesundheitlich und finanziell ausgebeutet werden: Dieses Image hängt der Bergbauindustrie nach wie vor an, auch wegen Skandalen der letzten Jahre bei großen Unternehmen der Branche wie z. B. Vale oder Glencore.

Vor allen in Ländern der Dritten Welt werden heute noch Umwelt- und Sozialstandards massiv unterlaufen, so z. B. im Amazonasgebiet oder in Teilen Westafrikas.

Das Goldgeschäft benötigt daher dringend mehr Transparenz und verpflichtende Regeln, um sicherzustellen, dass kein Gold in Umlauf gerät, das mit Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung in Verbindung steht.

Die Einbeziehung indigener Völker in Entscheidungs- und Produktionsprozesse beim Bergbau sind dabei ebenso notwendig wie Herkunftsnachweise, Umweltschutz, Renaturierung, finanzielle Partizipation der Bergbaukommunen und verbesserte Arbeitnehmerrechte inklusive fairer Löhne und ausreichender Krankenversicherungen.

Image-Wandel und verbindliche Regeln dringend notwendig

Abgesehen von den an erster Stelle stehenden humanitären Gründen sprechen auch zunehmend politische Entwicklungen für möglichst "sauberes" Gold.

Die Fragilität der Weltwirtschaft, geopolitische Eskalationen und die historisch hohe Verschuldung einhergehend mit Inflationsschüben machen Gold für das Vertrauen in das Weltfinanzsystem so bedeutend wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr.

Gelingt es nicht, das Image des Goldes deutlich zu verbessern, wird es den zahlreichen Gegnern des gelben Edelmetalls leichter gemacht, das für die finanzielle Sicherheit von Anlegern und die Stabilität des Weltwährungssystems (Weltreservewährung) wichtige Edelmetall zu diskreditieren.

Vor allem die Transparenz der Wertschöpfungsketten vom Produzenten bis zum Konsumenten ist essenziell, um schmutzige Geschäfte mit Gold weitestmöglich zu unterbinden, so wie dies bei Diamanten in den letzten Jahren bereits mit spürbaren Resultaten erreicht wurde (Thema Handelsunterbindung mit "Blut-Diamanten").

10 Nachhaltigkeitsgrundsätze festgelegt

In der vergangenen Woche wurde in Lissabon auf der vom weltweit größten Branchenverband „The World Gold Council“ (WGC) und der weltweit wichtigsten Handelsvereinigung für physisches Gold und Silber (LBMA) einberufenen Global Precious Metals Conference von allen Mitgliedern der insgesamt 14 teilnehmenden Branchenverbände und Handelsplätze aus mehr als 20 Staaten ein Abkommen unterzeichnen, das 10 verbindliche Nachhaltigkeitsgrundsätze festlegt.

Unterzeichner der Erklärung sind neben der LBMA und dem The World Gold Council, die Singapore Bullion Market Association (SBMA), die China Gold Association, der Schweizerische Verband der Edelmetallproduzenten und Händler (ASFCMP - verantwortlich für 70 Prozent des globalen Goldhandels), die London Metal Exchange (LME), das Dubai Multi Commodities Centre (DMCC), das Indian Gold Policy Centre (IGPC), die Indian Bullion and Jewellery Association (IBJA), die Indian International Bullion Exchange (IIBX), die World Jewellery Confederation (CIBJO), das Artisanal Gold Council (AGC), das Responsible Jewellery Council (RJC) und die Watch and Jewellery Initiative 2030 (W&JI 2030).

Folgende Grundsätze sollen für alle Akteure des Gold-Sektors bis spätestens 2030 verbindlich gelten:

  1. Achtung der Menschenrechte
  2. Verantwortungsvolles Handeln gegenüber Umwelt, Beschäftigten und Anwohnern
  3. Transparenz der Wertschöpfungsketten (Abbau, Verarbeitung, Handel, Finanztransfers)
  4. Einbeziehung lokaler Entscheidungsträger und Bewohner in Entscheidungsprozesse
  5. Verbesserte Sicherheitsstandards für Beschäftigte inkl. Kranken- und Arbeitsunfähigkeitsversicherungen
  6. Transparenz bei Investitionsentscheidungen (Anti-Korruptions-Regeln)
  7. Koordination, Berichterstattung und Kontrolle bez. der Einhaltung aller Standards
  8. Einhaltung von Integritäts- und Governance-Standards (speziell im Minen-Management)
  9. Förderung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs)
  10. Förderung innovativer umweltschonender Abbaumethoden sowie des Gold-Recyclings

Als Teil der Verpflichtung zur Erklärung vereinbarten die Unterzeichner eine enge Zusammenarbeit und Berichterstattung über Fortschritte bei der Umsetzung dieser 10 Grundsätze.

Aufbauend auf der Erklärung werden die Akteure der Goldindustrie mit den jeweiligen Regierungen der Förder- und Verarbeitungsländer zusammenarbeiten, um nationale Standards, die über diese 10 Grundsätze hinausgehen, ebenfalls zu gewährleisten.

David Tait, Chief Executive Officer des World Gold Council, äußerte sich im Anschluss an die Unterzeichnungszeremonie in Lissabon optimistisch:

„Es ist sehr erfreulich zu sehen, wie sich die Goldindustrie von der Mine bis zum Markt verpflichtet, diese Grundsätze einzuhalten“.

Bereits in den letzten Jahren hat das Thema Nachhaltigkeit in der Goldindustrie große Fortschritte erzielt.

Goldprodukte, die mit dem Nachhaltigkeitslabel werben, erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Auch in Deutschland werden mittlerweile als umweltfreundlich zertifizierte Goldbarren angeboten (z. B. mit dem Label „eco ORGANIC“).

Autor: Hannes Zipfel
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von Herbert | 04.11.2022, 22:09 Uhr Antworten

Kurze Nachfrage an den Autor: Wie groß (in %) ist der Goldanteil "Label „eco ORGANIC“ an der verkauften Gesamtmenge in Deutschland? Danke!

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