Stand: 07.04.2021 von Jörg Bernhard
Im ersten Quartal 2021 verbuchte der Goldpreis – trotz diverser weiterhin schwelender Krisen – einen Verlust in Höhe von 10,0 Prozent. Lediglich im vierten Quartal 2016 verlor der Vermögensschutz mit minus 13 Prozent noch stärker an Wert.
Gold: Schlechtestes Quartal seit über vier Jahren

Schutzbedürfnis der Anleger lässt nach

Die Notenpressen laufen auf Hochtouren und die Schuldenuhren ticken so laut wie. Und was macht der Goldpreis? Der muss den höchsten Quartalsverlust seit über vier Jahren hinnehmen. So richtig nachvollziehbar und plausibel scheint dieser Trend nicht zu sein. Der seit Ende Dezember zu beobachtende Renditeanstieg zehnjähriger US-Staatsanleihen wird als Hauptgrund für den diesjährigen Schwächeanfall des Goldpreises genannt.

Die Rendite zehnjähriger Papiere hat sich seither von 0,92 auf 1,72 Prozent erhöht und damit die US-Inflationsrate für den Monat Februar wieder erreicht.

Das heißt: Trotz des kräftigen Zinsanstiegs kann man mit solchen Papieren inflationsbereinigt nichts verdienen.

Deutsche Sparer können von einem solchen Nullsummenspiel allenfalls träumen, schließlich rentieren deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit bei einer aktuellen Inflationsrate von 1,3 Prozent mit 0,33 Prozent sogar weiterhin im deutlich negativen Bereich. Derartige Anleiheinvestments lassen sich am besten als systematische Vermögensvernichtung bezeichnen.

Doch an den Finanzmärkten scheint man unvermindert an die heilenden Kräfte der Notenbanken zu glauben.

Ein starker Dollar und rekordhohe Aktienindizes diesseits wie jenseits des Atlantiks sind hierfür der beste Beweis.

Der Geldflut mit Goldbesitz begegnen

Riskante Anlageklassen sind in der gegenwärtigen Marktphase deutlich gefragter als Gold.

Nur ein Beispiel: Während der World Gold Council für die ersten drei Monate bei weltweiten Gold-ETFs Abflüsse in Höhe von 183,6 Tonnen (Marktwert: 10,2 Mrd. USD) gemeldet hat, verzeichneten ETF-ähnliche Bitcoin-Wertpapiere einen Anstieg der Bestände von 734.200 auf 879.100 Bitcoins (Zufluss: 8,4 Mrd. USD).

Dabei dürfte es sich aber lediglich um eine Momentaufnahme handeln.

Unter fundamentalen Aspekten spricht derzeit wenig für den Verkauf von Gold und viel für den Kauf oder zumindest für das Halten des gelben Edelmetalls.

Die weltweit jemals zu Tage geförderte Goldmenge beläuft sich auf ungefähr 200.000 Tonnen, was einen Gegenwert von über elf Billionen Dollar repräsentiert. Dies entspricht etwas mehr als einem Fünftel der Bilanzsummen von EZB und Fed zzgl. der Staatsschulden der USA und der Eurozone (siehe Tabelle).

Kennzahlen im Vergleich


2021
US-Staatsschulden 27.902,4 Mrd. $
Fed-Bilanzsumme 7.685,2 Mrd. $
Staatsschulden Eurozone 10.027,2 Mrd. €
EZB-Bilanzsumme 7.162,2 Mrd. €
Marktwert physisches Gold ca. 11.125,4 Mrd. $
Marktwert Bitcoin 1.100,3 Mrd. $
Quelle: Trading Economics, Coinmarketcap.com

Noch geringer würde diese Quote ausfallen, wenn man die weltweiten Schulden anderer Staaten sowie der Privathaushalte und des Unternehmenssektors berücksichtigen würde.

Vor diesem Hintergrund kann man den Trend diverser Unternehmen durchaus nachvollziehen, einen Teil ihrer Liquiditätsreserven in die Alternativwährung Bitcoin einzutauschen.

Während die Kryptowährung derzeit von den Markakteuren mit Vorschusslorbeeren bedacht wird, erfüllt Gold diese Aufgabe bereits seit Generationen.

Ausblick für die laufende Woche

Während in Deutschland die Corona-Lage und der Impf-Fortschritt mit den Attributen „prekär“ und „stümperhaft“ wohl am besten beschrieben ist, bewegen sich ehemalige Corona-Versagerländer der Vergangenheit mit Riesenschritten in Richtung Normalität und wirtschaftliches Wachstum.

Nur ein Beispiel: Am Karfreitag meldete das US-Arbeitsministerium für den Monat März 916.000 neu geschaffene Stellen – Analysten hatten mit einem Plus von 647.000 gerechnet.

Nur zur Erinnerung: Im April 2020 wurden mehr als 20,6 Millionen Jobs vernichtet.

Nun darf man gespannt sein, ob die billionenschweren Rettungspakte zu einem nachhaltigen Wachstum oder lediglich zu einem „Strohfeuer“ führen werden. Wer Letzteres befürchtet, dürfte mit einem Goldinvestment gut beraten sein und möglicherweise besser schlafen können als mit Aktien, Anleihen oder Bitcoins.

In den kommenden Tagen dürften sich die Akteure an den Finanzmärkten besonders stark für die zahlreichen zur Veröffentlichung anstehenden Einkaufsmanagerindizes stark interessieren, da diese eine wichtige Rolle als konjunkturelle Frühindikatoren spielen.

Als nicht minder interessant dürfte sich aber auch das Fed-Protokoll (Mittwoch) erweisen, schließlich fungiert die US-Notenbank als wichtiger Garant für die derzeit gute Laune an den Finanzmärkten.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von GGG+G | 07.04.2021, 19:33 Antworten

"Die Grundrechte sind durch das Grundgesetz garantiert" (Zitat Lambrecht, n-tv)... nicht durch den Impfpass.
Wo also Grundrechte, Grundgesetz und Garantien nur Worte sind, schweige ich nun und füge ein weiteres G hinzu, auf das ich mich am meisten verlasse.

2 Antworten an GGG+G anzeigen
von Zweistein | 09.04.2021, 05:14 Antworten

Ich kann da GGG nur zustimmen. Zahlen sind dafür da um manipuliert zu werden und solange dort keiner endlich irgendwann den Stöpsel zieht wird es auch munter so weitergehen. Außerdem neigen Menschen dazu sich gerne manipulieren zu lassen. Selbst wenn der Goldpreis nochmal 200 Euro fallen würde, käme ein Verkauf nicht in Betracht weil jeder, der etwas davon schon länger besitzt, ganz einfach weiß, dass Gold so launisch ist wie eine Frau! Und wegen einer Laune verkauft man ja auch nicht seine F..u. :)
Dafür, ist die Versöhnung wieder sehr elegant und anspruchsvoll ... , sogar mit Sahnehäubchen....

von Aureus | 08.04.2021, 23:55 Antworten

Das langfristige Chartbild, wie auch das fundamentale Umfeld, ist sehr gut für Gold. Es handelt sich um eine gesunde und meiner Ansicht nach überfällige Korrektur in einem völlig intakten Bullenmarkt.

Wer mehr Rendite haben will, muss eben deutlich höhere Volatilitäten und Risiken in Kauf nehmen und in Bitcoin reallokieren. Aber Vorsicht, denn Gier frisst oft Hirn!

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