Stand: 22.06.2021 von Jörg Bernhard
Das unabhängige Beratungsunternehmen Metals Focus liefert einmal pro Jahr eine kostenpflichtige Studie über die aktuelle Lage an den Goldmärkten. Die Analyse dürfte angesichts ihres hohen Preises von 250 Dollar in erster Linie für Profis aus der Goldbranche interessant sein.
Goldpreisprognose von Metals Focus nach oben revidiert

Gold Focus: Umfangreiche Daten und Prognosen

Nach Angaben der in London beheimateten und im Jahr 2012 gegründeten Gesellschaft zählen vor allem Minenunternehmen, Investmentfonds, Zentralbanken, Finanzinstitutionen und Regierungen zum Kundenkreis von Metals Focus.

Die Gesellschaft legt großen Wert auf ihre Unabhängigkeit und weist darauf hin, dass man sich ausschließlich auf die Edelmetallmärkte konzentriere. Einmal pro Jahr wird Anfang Juni die Marktanalyse „Gold Focus“ in englischer, chinesischer und russischer Sprache veröffentlicht.

Sie enthält umfangreiche historische Daten und Statistiken über Angebot und Nachfrage an den Goldmärkten sowie konkrete Prognosen zum laufenden Jahr.

Dabei werden alle wichtigen Marktsegmente wie zum Beispiel die Minenproduktion, der Recyclingsektor, die Schmuckbranche und der Industriebereich eingehend analysiert.

Außerdem nehmen die Edelmetallexperten auch folgende Bereiche genau unter die Lupe:

  • Lagerstätten

  • Münz- und Barrenhandel

  • Kaufverhalten institutioneller Investoren

  • Goldreserven der Notenbanken

  • Hedging-Transaktionen (Preisabsicherung) der Goldproduzenten

Die wichtigsten Daten und Prognosen zur Lage an den Goldmärkten haben wir für Sie nachfolgend zusammengetragen (siehe Tabelle).

Das Wichtigste vorweg: Die Analysten von Metals Focus prognostizieren für 2021 einen Anstieg des durchschnittlichen Goldpreises von 1.770 auf 1.820 Dollar (+2,8 Prozent). Außerdem wird auf der Angebotsseite ein Anstieg von 3.478 auf 3.693 Tonnen (+6,2 Prozent) und damit ein neuer Rekordwert erwartet.

Angebot und Nachfrage an den Goldmärkten laut Metals Focus-Marktanalyse


2019 2020 2021 (*) Diff. (p.a.)
Angebot (in Tonnen):



Minenproduktion 3.597,0 3.478,0 3.693,0 6,2%
Recycling 1.272,0 1.279,0 1.209,0 -5,5%
Gesamtangebot (inkl. Hedging) 4.876,0 4.757,0 4.922,0 3,5%





Nachfrage (in Tonnen):



Schmuckbranche 2.138,0 1.328,0 1.815,0 36,7%
Industriesektor 326,0 302,2 323,8 7,1%
Physische Netto-Investments 843,9 892,5 1.166,0 30,6%
Nettokäufe Zentralbanken 606,2 262,3 420,0 60,1%
Gesamtnachfrage (inkl. Hedging) 3.914,0 2.837,0 3.725,0 31,3%





ETF-Sektor (in Tonnen) 398,3 886,8 80,4 -90,9%
Durchschnittlicher Goldpreis (in USD / Feinunze) 1.393,0 1.770,0 1.820,0 2,8%
Quelle: Metals Focus Ltd.; * geschätzt

Für die beiden Sektoren Schmuck und Notenbanken, die im vergangenen Jahre besonders hohe Nachfrageeinbrüche verzeichnet haben, wird mit einer markanten Erholung um 37 bzw. 60 Prozent gerechnet.

Das Vor-Corona-Niveau werde aber wahrscheinlich nicht erreicht.

Ein starkes Wachstum erwartet Metals Focus auch beim Münz- und Barrenhandel, wo ein kräftiger Anstieg von 892,5 auf 1.166,0 Tonnen (+30,6 Prozent) in Aussicht gestellt wird. Dies entspräche dann dem höchsten Stand seit acht Jahren.

Eine regelrechte „Horror-Prognose“ kann man allerdings für den ETF-Sektor ausmachen.

Hier sollen die Kapitalzuflüsse von 886,8 auf 80,4 Tonnen (-90,9 Prozent) dahinschmelzen, weil insbesondere institutionelle Investoren den „sicheren Hafen“ verlassen und riskantere Anlageklassen ansteuern werden.

Fazit: Für Privatanleger drängt sich der Kauf dieser Analyse nicht gerade auf, schließlich könnte man für deren Kaufpreis eine Krügerrand-Goldmünze im Feingewicht von einer zehntel Unze erwerben.

Wer sich umfassend über Gold informieren möchte, sollte lieber die mehr als 350 Seiten starke Goldpreisstudie „In Gold We Trust“ der Liechtensteiner Vermögensverwaltung Incrementum AG nutzen. Sie kann man nämlich kostenlos im Internet herunterladen.

Ausblick für die laufende Woche

Weil die US-Notenbank früher als erwartet eine Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik angekündigt hat und elf der 18 Notenbanker für Ende 2023 sogar zwei Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte für möglich halten, geriet der Goldpreis massiv unter Druck und musste mit fast sechs Prozent den höchsten Wochenverlust seit März 2020 hinnehmen.

Im Zuge dieser unerwarteten Entwicklung machte der Dollarindex einen ordentlichen Satz nach oben. Nun darf man gespannt sein, ob die „falkenhaften Töne“ der US-Notenbank in den kommenden Wochen und Monaten lauter oder möglicherweise verstummen werden.

Sollte sich zum Beispiel die Konjunktur oder der US-Arbeitsmarkt schwächer als erwartet entwickeln, dürfte die Notwendigkeit von Zinserhöhungen wieder in Frage gestellt werden.

An den Finanzmärkten werden daher in den kommenden Tagen anstehende US-Konjunkturindikatoren wie die Markit-Einkaufsmanagerindizes (Mittwoch) oder aktuelle Zahlen zum BIP-Wachstum (Q1), zum Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter sowie die wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe (alle am Donnerstag) für erhöhte Aufmerksamkeit sorgen.

Deshalb dürfte an den Goldmärkten weder auf kurze noch auf lange Sicht Langeweile oder gar Lethargie aufkommen. Hierfür existieren einfach zu viele Probleme und Herausforderungen.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von Roland | 24.06.2021, 10:35 Antworten

Danke für den interessanten Einblick

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"