Stand: 19.01.2019 von Martin Vitt 2 Kommentare

Die Welt der „begehrten“ Gegenstände, Wohnaccessoires und Sammlerobjekte hat sich in den letzten Jahren wesentlich und spürbar verändert.

So gehörten in der frühen „DM-Zeiten“ etwa Porzellanfiguren von Rosenthal und Hutschenreuther, sowie Zinnbecher und ein Meißner edles Tafelgedeck zu den kostenbaren Dingen, die man sich aufgrund höherer Einkommen leisten konnte. Es galt als sicher, dass diese Kostbarkeiten ihren Wert über die Generationen hinweg behalten sollte.

Doch aufgrund des demografischen Wandels und auch hinsichtlich einer deutlichen Angebotsverschiebung, hat sich die Situation völlig verändert. Die Erbengeneration löst den Nachlass ihrer Eltern auf und eine Masse an einstigen kostbaren Dingen, sowie Sammlungen und seltene Raritäten kommen auf den Markt.

Als freier Sachverständiger erlebe ich immer wieder, wie die Enttäuschung sowohl bei Erblassern (welche sich zu Lebzeiten um den Nachlass kümmern) als auch bei Erben, die sich oft ratlos vor einer gewaltigen Nachlassaufgabe sehen, in den Gesichtern geschrieben steht.

Und immer wieder werden dieselben Fragen an mich herangetragen:

  1. Was ist wirklich wertvoll und erzielt am Markt Geld, das eventuell an die Erben verteilt werden kann?

  2. Wie kann die Sammlung des Vaters (Münzen, Briefmarken, Uhren) wertschätzend und ohne Verluste veräußert werden?

  3. Welche Kriterien gibt es, Raritäten zu erkennen?

In ausführlichen Gesprächen und Beratungen gilt es festzulegen, wie mit einem Nachlass oder mit einer Sammlung umgegangen werden soll.

Briefmarken galten über Jahrzehnte hinweg als die „Aktien“ für den kleinen Mann und bei den Goldmünzen des Kaiserreiches versuchte man, die „kleinen Staaten“ zu bekommen und sparte teilweise lange dafür, bevor man diese beim Münzhändler seines Vertrauens kaufte. Briefmarkenvereine hatten Zulauf, Rundsendealben zirkulierten bei den Sammlern und manche Alben wurden doppelt und dreifach angelegt, jeweils eins für jedes Kind.

Sammler, die neben der Freude des Zusammentragens der kleinen Kostbarkeiten auch auf die Wertsteigerung ihrer Sammlung achtete, hielten sich an folgende Regeln:

  1. Die Anfänge eines Sammelgebietes (und dies gilt auch für China Pandas, für Vreneli und Krügerrand) sind gesucht und gut bezahlt. So gibt es für den Posthornsatz (ungestempelt und geprüft) immer noch gutes Geld. Auch die ersten Silber Pandas werden auf Auktionen gerne gehandelt.

  2. Die Erhaltung der Sammlerobjekte. Gerade bei Silbermünzen ist es wichtig, dass diese in sehr gutem Zustand sind. Natürlich wird bei ganz alten wertvollen Stücken eine Patina akzeptiert, doch das Münzbild muss sauber und einwandfrei sein. Des Weiteren ist die Umverpackung wichtig, das Originalzertifikat insbesondere bei Uhren unerlässlich.

  3. Die Begrenztheit (Limitierung) einer Ware. So sind Auflagenzahl und Verfügbarkeit des Sammelobjektes ausschlaggebend für die Preisgestaltung. Doch leider sind Limitierungen an der Tagesordnung (gerade von großen Versandhäusern von Sammlerware), die zwar die Ware knapp machen, aber keine Wertsteigerung erfahren. Der Grund dafür, beschreibt der wichtigste Punkt für eine Wertsteigerung:

Angebot und Nachfrage.

Als Beispiel soll der China Panda in Silber angeführt werden. 1983, 1984 und 1985 gab die China Mint die ersten Panda Münzen in Silber heraus, die noch keine Unzen Bezeichnung hatten (die im Übrigen bei den neuen Münzen seit 2016 wieder in Gramm angeben wird). Sie hatten ein Gewicht von 27 g, einen Feingehalt von 900/1000 und wurden in der PP Ausführung verkauft.

Die Stückzahl war weltweit gering (10.000 Stück) und konnten über den gut sortierten Münzhandel bezogen werden. Ab 1987 gab es die Münzen in Unzen Ausführung und die Anfänge dieses Sammelgebietes, welches klar abgrenzbar und äußerst selten ist, sind heute kaum bezahlbar. Dazu kommt, dass auch in China diese Münzen gesammelt werden und die Nachfrage danach enorm ist. Diese ersten Münzen erfuhren somit eine enorme Wertsteigerung, die den Materialwert deutlich übersteigen.

Ähnlich verhielt es sich mit dem Posthornsatz der Bundesrepublik. Er war damals ganz normal am Postschalter zum Nominalwert erhältlich und die Marken wurden massenweise auf Briefen verklebt. Die Auflagenzahlen betrugen zum Teil Milliarden (Beispiel 10 Pfennig 3.510.250.000 Stück). Nur die die „oberen“ Werte, so die 70 Pfennig (34.100.000), die 80 Pfennig (74.170.000) und die 90 Pfennig (56.650.000) wurden geringer ausgegeben. Dennoch ist der gesamte Satz postfrisch und gut geprüft, heute immer noch begehrt und erzielt angenehme Preise bei den Auktionen.

Dies hat mehrere Gründe. Zum einen ist es der erste Freimarkensatz der Bundesrepublik, zum anderen gibt es kaum noch Marken in exzellenter postfrischer Erhaltung. Und, da es sich viele Briefmarkensammler in ihrer Jugend nicht leisten konnten, den gesamten Satz zu erwerben, wird er heute im Alter „nachgekauft“. Wie lange die Nachfrage hier besteht, zeigt die Zukunft.

Abschließen ist zu sagen, dass folgende 3 Grundregeln bei einer Bewertung des Nachlasses beherzigt werden sollten:

  1. Der Nachlass, die Sammlung sollten immer zuerst „insgesamt“ und an einem Stück begutachtet und bewertet werden.

  2. Seltene, einzelne Stücke, Raritäten vor 1850 sollten durch eine Expertise ausgewiesen werden.
    Es gilt der Grundsatz: „Was einst teuer und selten war, wird auch heute noch wertvoll sein“, wenn es damals selten (Zeppelin Briefmarken), schwer zu beschaffen (Sondereditionen Münzen) war und eine gute Qualität (Luxustaschen) vorweisen konnte.

  3. Eine Gesamtsammlung, wie etwa eine Briefmarkensammlung, die über 35 Jahre gewachsen ist, oder Münzen, die in allen Variationen beschrieben und fachmännisch erfasst wurden, sollte immer als „Ganzes“ veräußert werden. Dies kann durch einen Sachverständigen gewährleistet werden, bevor die Entrümplung kommt.

So ist man sich sicher, dass die Arbeit und das Engagement in eine Sammlung, und auch in eine Wohnsituation mit ihren eigenen Werten, in der einst die Erben als Kinder aufgewachsen sind, Wert geschätzt und respektvoll weitergegeben wird.

Martin Vitt
freier Sachverständiger

Den Nachlass bewerten und Sammlungen richtig einschätzen
Martin Vitt (comVita Beratung) - Der ausgebildete Finanzdienstleister (senior consultant, freier Makler IHK) Martin Vitt publiziert seit Jahren zum Thema ökologisches Gold und Goldförderung in Deutschland. Darüber hinaus arbeitet er als „freier Sachverständiger“ für Sammlungen (Briefmarken, Münzen und Uhren) und Einzelstücke (Raritäten). In vielen Publikationen beschreibt er, wie der Nachlass bewertet und worauf bei der Beurteilung seltener Stücke zu achten ist. Des weiteren steht er für die Beratung ganzer Sammlungen und bei der Vermittlung größerer Nachlassposten zur Verfügung.
Webseite des Autors:
www.comvita-beratung.de
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Kommentare [2]
  • von Mr. Mister | 20.01.2019, 13:07 Antworten

    Es kommt immer darauf an. Nehme ich als Beispiel eine Gabun-Springbock-Silbermünzen Sammlung.
    Mit der kompletten Sammlung von 2010-2019 würde ich weniger erzielen, als wenn ich die Münzen einzeln veräußern würde. Von daher gebe ich meinen Vorredner recht.
    Besitze ich aber als Beispiel die Gemstones of the World Silberbarren Sammlung von Franklin Mint und es fehlen einige Barren, verzeichne ich mit Sicherheit einen enormen Wertverlust.

  • von Kuhler Sammler | 19.01.2019, 14:32 Antworten

    Die Idee eine Sammlung bzw. ein Sammelgebiet als Ganzes zu verkaufen ist erstmal nicht schlecht. Jedoch zeigt die Erfahrung, das kaum jemand das Geld bereit ist auszugeben bzw. aufbringen kann.

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