Gold: 1.750,27 € -0,04 %
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Stand: 13.05.2021 von Hannes Zipfel
Als taktisches Instrument kann auch Papiergold eine sinnvolle Rolle in der Vermögensanlage spielen. Wie bei allen Investments kommt es bei den Papiergold-Produkten auf die Sicherheit und die Kosten an. Darüber hinaus spielen die physische Hinterlegung, die Art der Preispartizipation und die Handelbarkeit eine große Rolle.
Papiergold – die wichtigsten Produkte am Markt

Was ist Papiergold und wann macht es Sinn?

Als Papiergold bezeichnet man Finanzprodukte, die physisch eine gewisse Menge Gold verbriefen oder rein synthetisch lediglich am Kursverlauf des gelben Edelmetalls partizipieren. Wobei der Begriff „Papier“ nicht mehr zeitgemäß ist, da alles Papiergold lediglich als digitale Besitzurkunde existiert bzw. als Posten im digitalen Wertpapierdepot geführt wird.

Effektive Stücke aus Papier, wie z. B. eine Goldanleihe gibt es nicht mehr.

Die häufigsten Formen des Papiergoldes sind weltweit Gold-Termin-Kontrakte, börsengehandelte Gold-Fonds (Gold-ETF) und Gold-Inhaberschuldverschreibungen (Zertifikate auf steigende und fallende Goldkurse mit und ohne Kapitalhebel).

In Deutschland sind nur Zertifikate (Inhaberschuldverschreibungen) auf Gold zum Handel an der Börse zugelassen. Darunter fallen auch die sehr bekannten und beliebten Exchange Traded Commodities (ETCs) wie z. B.:  Xetra Gold und EUWAX Gold II.

Die Kursentwicklungen des Papiergoldes hängt zwar direkt vom Goldpreis ab, echtes Gold besitzt der Anleger deshalb aber nicht automatisch. Papiergold mit physischen Hinterlegungsgarantien und Auslieferungsansprüchen gibt es aber auch.

Dennoch ist der ungedeckte Papiergoldmarkt um ein Vielfaches größer als der physische Markt.

Das liegt vor allem an den Gold-Terminmärkten, wo lediglich Liefer- bzw. Abnahme-Zusagen zu einem bestimmten Termin vereinbart werden. Diese Vereinbarungen (Kontrakte) werden schlussendlich in den meisten Fällen via Barausgleich geregelt oder in einen neuen Liefertermin übertragen, ohne dass physisches Gold eine Rolle spielt.

Papiergold macht immer dann Sinn, wenn das Engagements entweder nur kurzfristiger Natur ist oder Anlagerichtlinien die Auswahl der Goldinvestments limitiert.

Zudem bieten derivative Papiergold-Produkte, wie Optionsscheine oder Hebelzertifikate die Möglichkeiten des taktischen Investierens in bestimmten Marktphasen. So können Anleger auch auf fallende Goldpreise setzen, zum Beispiel um ein Goldminenportfolio abzusichern.

Mit Optionsscheinen können Anleger zudem in ruhigen Marktphasen auf wieder höhere Goldpreisschwankungen (Volatilität) und dadurch steigende Optionsscheinprämien setzen.

Für mittel- bis langfristige Investments und Anlagen zum Schutz des Vermögens sind Goldmünzen und Goldbarren im unmittelbaren Zugriffsbereich stets vorzuziehen. Hier können unter Umständen höhere Aufwendungen im Zusammenhang mit der Lagerung und der Versicherung entstehen, aber nur so kann der entscheidende Vorteil des Vermögensschutzes zum Tragen kommen: die völlige Abwesenheit von Gegenparteirisiken.

Damit ist man völlig frei von der Situation Dritter und kann im Bedarfsfall zudem absolut diskret mit seinem Gold verfahren.

Vor- und Nachteile von Papiergold

Wann und in welchem Umfang Papiergold Sinn machen kann, zeigt folgende Übersicht mit den Vor- und Nachteilen der indirekten Goldanlage:

Vor- und Nachteile Papiergold

Vor allem die ab dem Jahr 2003 eingeführten Exchange Traded Funds (ETF) auf Gold erfreuen sich in immer mehr Ländern weltweit zunehmender Beliebtheit. Während der Weltfinanzkrise überstiegen die globalen Bestände der ETFs Ende 2008 erstmals die Marke von 1.000 Tonnen Gold.

Zuletzt wiesen die ETFs Bestände in Höhe von 3.554 Tonnen auf und rangieren nach den USA mit offiziell 8.133,5 Tonnen Gold weltweit auf Platz zwei noch vor den Goldreserven Deutschlands (Quelle Bloomberg). Wobei weder die Goldbestände der ETFs noch die der USA vollständig verifizierbar sind. In der Regel fallen auch „Goldforderungen“ auf der Aktivseite der Bilanzen an, die aber kein Metall im Besitz der Fondsgesellschaft bzw. des Emittenten darstellen.

Die wichtigsten Papier-Gold-Produkte

Gold-ETFs und Gold-ETCs

Sowohl Gold-ETFs (=Exchange Traded Funds) wie auch Gold-ETCs (=Exchange Traded Commodities) sind börsengehandelte Finanzprodukte auf Gold. Man nennt sie Papiergold, da beim Börsenhandel kein echtes Gold zwischen Käufer und Verkäufer übergeben wird. Anlegern bieten sie daher die Möglichkeit, schnell und leicht auf die Entwicklung des Goldpreises zu spekulieren, ohne zwingend selber physisches Gold besitzen zu müssen.

Man kann börsentäglich Anteilscheine kaufen und verkaufen. Auch börsenübliche Handelsmechanismen wie Limits und Stopp-Loss-Orders sind möglich. Es gibt allerdings wichtige Unterschiede zwischen ETCs und ETFs.

Exchange Traded Funds, also börsenhandelbare Fondsanteile, gibt es für nahezu alle Anlageformen. Es gibt sie für Aktien, Renten, Immobilien oder Rohstoffe. Die Wertentwicklung folgt dabei einem bestimmten Index als Basiswert. Bei einem Gold-ETF ist es der Goldpreis.

Ein Gold-ETF nutzt das Geld der Anleger, um damit Goldbarren zu kaufen. Diese werden bei einer als Custodian (Verwahrer) bezeichneten Bank gelagert. Der Bestand an gelagerten Barren ist eindeutig identifizierbar, dem ETF zugeordnet und in Form einer detaillierten Barrenliste des Custodian öffentlich einsehbar. (Beispiel).

Das für den ETF verwahrte Gold darf vom Custodian nicht verliehen oder anderweitig gehandelt werden. Es zählt als Sondervermögen, das heißt im Falle einer Insolvenz bleibt dieses Gold unangetastet.

Bestände Gold ETF Welt

Neben ETFs, die vor allem Investoren und institutionelle Anleger ansprechen, die oft nur in Wertpapiere mit offizieller Kennnummer aber nicht direkt in physische Metalle investieren dürfen, gibt es noch weitere Papiergeld-Formen.

Da in Deutschland Gold-ETFs aus Aufsichtsrechtlichen Gründe nicht zum Handel zugelassen sind, da sie die Mindestanforderungen an die Diversifikation verschiedener Anlageklassen nicht erfüllen, beschränkt sich das Angebot hierzulande ausschließlich auf Inhaberschuldverschreibungen in verschiedenster Ausprägung:

  1. Exchange Traded Commodities (ETCs)

  2. Zertifikate (Knock Outs, Bonus, Discount-, Express-, Quanto Style, Faktor-Zertifikate etc.)

  3. Optionsscheine (Calls und Puts)

Bei der Suche nach dem richtigen Papier-Gold-Produkt helfen spezielle Suchmaschinen.

Alle in Deutschland zugelassen Papier-Gold-Produkten unterliegen dem Emittentenrisiko, sofern dies nicht separat abgesichert wurde. Das Investment in Papier-Gold ist ergo immer nur so sicher wie die Bonität des Produkt-Anbieters oder die dahinterstehenden Garantien. Das eingesetzte Kapital kann im Zweifel komplett verloren gehen, egal, wo der Goldpreis in Euro notiert.

Anbei eine Übersicht der nach Anlegerinteresse bedeutendsten Papier-Gold-Produkte in Deutschland:

  • Xetra-Gold, Emittent ist die Deutsche Börse Commodities

  • ETFS Physical Gold, Emittent ist ETF Securities

  • Invesco Physical Gold A, Emittent ist Invesco Physical Markets PLC

  • iShares Physical Gold ETC, Emittent ist iShares Physical Metals PLC, BlackRock

  • Gold Bullion Securities, Emittent ist ETF Securities

  • DB Physical Gold ETC Euro Hedged, Emittent ist die Deutsche Bank

  • ETFS Physical Swiss Gold, Emittent ist ETF Securities

  • EUWAX Gold, Emittent ist die Boerse Stuttgart Securities

  • EUWAX Gold II, Emittent ist die Boerse Stuttgart Securities

Fazit und Ausblick

Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Anlagemotive hat auch Papiergold seine Existenzberechtigung. Für institutionelle Investoren (Profianleger), zu denen auch Stiftungen und große Investmentfonds gehören, ist Papiergold aufgrund der Anlagerichtlinien oft sogar die einzige Möglichkeit, an der Goldpreisentwicklung zu partizipieren.

Private Anleger können mit Derivaten auf Gold auch an fallenden Kursen partizipieren und so z. B. Goldminenaktienportfolios gegen kurzfristige Schwankungen absichern.

Der bedeutendste Unterschied zwischen physischem Metall und Papier-Gold ist der zwischen Eigentum und Partizipation. Mit Papiergold ist die Teilhabe an Preisveränderungen bei Gold sehr schnell und relativ einfach möglich. Aber nur wer Gold in Form von Münzen und Barren im direkten Zugriffsbereich hält, kann sich auf sein Gold und die spezifische Menge im künftigen Krisenfall verlassen.

Autor: Hannes Zipfel
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von Baron Barr | 14.05.2021, 14:32 Antworten

Der Handel mit phys. Gold hat sich im vergangenen (Krisen-) Jahr etwas schwierig gestaltet.
Wieviele Wohnungen wurden im Ausland wohl mit Fakegold bezahlt...(zugegeben: Ich weiß wo Du wohnst ;)

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