Stand: 22.11.2017 von © Gold.de Redaktion / AB 0 Kommentare

Die Autofelgen sind nicht standesgemäß? Das Hirschgeweih an der Wand muss künstlerisch gepimpt werden? Oder wie wär´s mal mit einer eigenen goldenen Schallplatte? Alles kein Problem - vergolden heißt die Lösung! Denn mit echtem Gold lässt sich (fast) alles überziehen. Und dazu braucht es noch nicht mal hochspezialisierte Industriebetriebe. Man kann auch selber vergolden, das ist gar nicht so schwer. Alles über Vergolden: Geschichte, Techniken, Kurioses, Philosophisches.

Schon ein kurzer Gang über eine der zahllosen Tuning-Shows zeigt: Vergolden liegt im Trend. Dies belegen auch die inzwischen weltweit veranstalten Luxusmessen. “Die unbegrenzten Möglichkeiten, Kunstobjekte selbst herzustellen und Alltagsgegenstände zu veredeln, stoßen bei vielen Personen auf großes Interesse. Unsere Kunden berichten von einer starken Nachfrage im Bereich der Auftragsvergoldung. Wir haben auch viele Erstkunden und Galvanikeinsteiger. Das Interesse steigt stetig”, so Dr. Weiß von tifoo.de, einem Anbieter von Galvanik Zubehör.

Ähnlich äußert sich Roland Betzmann von Betzmann Galvanik aus dem oberschwäbischen Pfullendorf: “Der Wunsch nach Vergoldung und Beschichtung hat in den vergangenen Jahren rasant zugenommen”.

Nun bringt einen das sinnbildhafte “goldene Klo” natürlich schnell zur der Frage: Was ist Luxus - und wo ist die Grenze zum Protz?


Vergolden

Was ist Luxus?

Nicht alles, was golden ist, ist Luxus. Der goldene Ehering gilt schließlich als Symbol inniger Verbundenheit. Und nicht alles, was Luxus ist, ist auch Protz.

Natürlich kann Luxus der Selbstdarstellung nach außen dienen. Hierbei hat Luxus einen Zweck. Weil er öffentlich ist, dient er der Kommunikation. Seht her, ich kann das.

Luxus hat aber auch eine zweite Ebene. Es ist die subjektive Erfahrung, die sich einstellt, wenn die Grenze dessen, was als “angemessen” oder “notwendig” gilt, überschritten wird. Wo diese Grenze liegt, definiert jeder für sich persönlich. In dieser Grenzüberschreitung manifestiert sich der Wunsch nach Ich-Erfahrung, nach Besonderheit, nach dem subjektiv empfundenen “Schönen”. Insofern ist Luxus, auch, privat. Wer ein mit 24 Karat Gold überzogenes Klo im Bad hat, der will nichts zeigen.

Ausgerechnet Adorno, einflussreicher linker Ästhetik-Theoretiker des letzten Jahrhunderts, verteidigte Luxus als Aufbegehren des souveränen Subjekts gegen die "Sklaverei der Zwecke" in einer anonymen durchrationalisierten Welt. Wenn man so will, ein Plädoyer für das Irrationale, das Überflüssige, das Sinnlose, das Zweckfreie.

Und hier schließt sich der Bogen zu Kitsch. Kitsch beschränkt sich auf die Verniedlichung des Bekannten, auf das klischeehafte Zitieren. Golden schimmerndes Einrichtungszubehör aus dem Billig-Discounter ist natürlich nicht mit 24 Karat Echtgold überzogen. Es tut nur so. Echt am Farbton RAL 1036 sind nur Messingpigmente oder Musivgold. Letzteres auch bekannt als unechtes Muschelgold oder Zinn(IV)-Sulfid.

Keine Frage des Reichtums

Das nötige Kleingeld spielt natürlich auch eine Rolle. Die kleine aber feine Schicht derer, die richtig gut verdienen, wächst bekanntlich.

Statistik: Anzahl der Millionäre* weltweit nach Regionen von 2012 bis 2016 (in Millionen) | Statista
Quelle: Capgemini, zitiert nach Statista

Dies ist aber nur die halbe Wahrheit. In einer Welt voller standardisierter Massenprodukte oder gar Ramschwaren ist der Wunsch nach werthaltigen Gegenständen nachvollziehbar. Pimpen, Verschönern oder Customizing heißt das Motto. Damit einher geht nicht nur eine reale Aufwertung der Dinge, sondern auch eine individuelle Zuschreibung von Werthaftigkeit. Und was böte sich besser an als Gold, um diese Werthaftigkeit zu betonen?

Für ein Laptop bei einer angenommen Schichtdicke von 2 Micron können da schon 20 Gramm Gold zusammenkommen

Roland Betzmann, Betzmann Galvanik

Wenn aber auch der kleine Fließbandarbeiter all sein sauer verdientes Geld in einen fett aufgemotzten Golf mit Echtgold-Verzierungen steckt, dann greift das Klischee vom Superreichen nicht. Luxus ist relativ.

Der besondere Kick

Schmuck oder Essbesteck sind heute längst nicht mehr das primäre Objekt der Begierde für Vergolder. Auch die vergoldete Badezimmer-Armatur, lange Zeit das Sinnbild schlechthin für Luxus, war gestern. Der Wunsch nach dem Besonderen bedeutet heute: Es darf, ja es muss extravagant sein. Wer das Besondere sucht, der lässt individuell vergolden. Entweder bei einem Dienstleister, oder man vergoldet selber.


Selber vergolden

Vergolden kann man so gut wie alles: Ob Handy, Harley-Auspuff oder Hummer, ob Omas alte Teekanne oder Opas altes Jagdgewehr, ob der Kerzenständer auf dem Tisch oder der Golfschläger in der Tasche, ob Fahrradhelm oder Fitness-Hantel, ob Balkongeländer oder Bügeleisen, ob E-Gitarre, E-Book oder die Skulptur vom letzten VHS Hobbykurs.


Vergolden lassen

Wer ein festliches Dinner besonders edel gestalten möchte: Gold ist auch essbar. Spezialisierte Anbieter führen von der Goldpraline über Süffig-Güldenes bis zum Gold-Lolli trink- und essbares Gold in all seinen Facetten. Wobei Gold hier eher die hübsche Zierde obendrauf oder innen drin ist, nämlich in Form von Blattgold oder Goldflitter. Zum Dessert empfiehlt sich die mit 24 Karat Blattgold umwickelte Zigarre.

Auch die Wellness und Beauty Gemeinde wird bedient: Ob die Gesichtsmaske aus purem Gold, das Gold-Tattoo für den besonderen Chic auf nackter Haut, oder das vergoldete Klopapier - es gibt fast nichts, was es nicht auch mit echtem Gold gibt.

Wir haben selbst mal eine tote Eidechse vergoldet, die der Hund der Sekretärin beim Sommerfest aufspürte. Skurril fanden wir auch Hirschkäfer oder Raubkatzenschädel die Kunden vergoldet hatten

Dr. Weiß, www.tifoo.de.

Was genau heißt überhaupt Vergolden?

Als Vergolden bezeichnet man das Aufbringen von Gold auf Gegenstände. Dabei ist es unerheblich, ob diese Objekte aus Holz, Plastik, Keramik, Metall, 3-D Druck oder sonst einem Material sind. Einzige Regel: Je starrer der Untergrund, desto besser.

Dieser Wunsch, alltägliche Gegenstände gülden schimmern zu lassen, ist so alt wie die menschliche Faszination für Gold selbst. Schon in der Antike kannte man vergolden mit Blattgold. Gold wird solange gewalzt und geschlagen, bis eine hauchdünne Folie entsteht. Mithilfe spezieller Klebemittel wird diese Goldfolie dann auf den gewünschten Gegenstand aufgebracht. Da die Blattgoldfolie sehr dünn ist (bis zu 1/9000 mm), schmiegt sich das Gold wie eine zweite Haut um das Objekt.

Diese Technik ist auch heute noch nicht ausgestorben. Zwar erfolgt das Schlagen zu einer dünnen Folie inzwischen größtenteils maschinell, aber auf Handarbeit kann nicht komplett verzichtet werden

Ebenfalls schon in der Antike bekannt war die Technik der Feuervergoldung, ein Verfahren, bei dem aber gesundheitsschädliches Quecksilber zum Einsatz kommt. So waren noch viele weitere Jahrhunderte nötig, bis man eine viel effektivere Technik zum Vergolden fand: Die elektro-chemische Abscheidungsmethode, heute bekannt als Galvanotechnik.

Stunde Null der Galvanik

1780: An einem trüben Novembertag seziert der italienische Anatom und Naturforscher Luigi Galvani mal wieder Froschschenkel. Schon seit einiger Zeit war ihm aufgefallen, dass die Froschschenkel immer zuckten, sobald sie mit Kupfer und Eisen in Berührung kamen.

Was Galvani zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Er war einem Phänomen auf der Spur, das bald einen ganzen Industriezweig prägen sollte. Denn zwei verschiedene Metalle in einem Elektrolyten stellen einen Stromkreis dar. Diese Erkenntnis wiederum lässt sich zur Oberflächenveredelung nutzen. Also auch, um etwas mit einem Goldüberzug zu versehen. Und wie bei großen wissenschaftlichen Leistungen üblich, so ist auch bei dieser Technik der Entdecker im Namen verewigt.

Wie funktioniert Vergolden?

Unter Galvanisierung versteht man allgemein das Überziehen eines Werkstückes mit einer Metallschicht unter Zuhilfenahme von Strom. Beim Vergolden scheidet sich Gold als Überzug ab auf dem Werkstück. In Wirklichkeit ist der Prozess natürlich viel komplexer, und es gibt inzwischen Galvanisierungstechniken, die sogar ohne Strom auskommen.

Was kann man alles Vergolden?

Theoretisch so gut wie alles. Grenzen setzen das Bankkonto, und ob sich das Objekt im Galvanisierungsverfahren technisch handhaben lässt.

Und was sich nicht galvanisieren lässt, dafür gibt es immer noch die Vergoldung per Handarbeit, also das Anbringen von Blattgold. Seit Jahrtausenden werden damit Tempel, Kirchen, Schlösser oder Kunstgegenstände verziert und verschönert. Restauratoren auf der ganzen Welt arbeiten bis heute mit Blattgold.

Welches Gold kommt zum Einsatz - und wofür?

Gold hat eine sehr gute elektrische Leitfähigkeit, eine sehr gute Formbarkeit und Dehnbarkeit, es reflektiert Infrarot-Strahlung sehr gut, und es korrodiert nicht. Diese Eigenschaften macht sich die Industrie zunutze. Vor allem die Elektrobranche hat einen hohen Bedarf an Gold, aber auch Branchen wie die Wärmetechnik, die Nanotechnik, Medizin oder Optik kommen ohne dieses Edelmetall nicht aus. Da Gold allein zu teuer und oftmals auch zu schwer wäre, werden aber nur die entsprechenden Oberflächen mit Gold überzogen. Vergoldungen im industriellen Bereich geschehen aus handfesten technischen Gründen, und dies spiegelt sich auch in den verwendeten Legierungen wieder.

Im privaten Consumer Bereich steht dagegen die Ästhetik im Vordergrund. Besteck, Ringe, Schmuck und Uhren allgemein werden vergoldet, weil wir es als schön(er) empfinden, und weil es den Wert erhöht. Hier spielt die Optik eine entscheidende Rolle. Goldüberzüge können aus Rotgold, Gelbgold, Weißgold und Rosé bestehen. Populär ist 999er Gold, also 24 Karat. Gefragt bei Schmuck ist derzeit auch Roségold.

Daneben bietet der Handel auch noch Pudergold an (ganz fein zerriebenes Blattgold) oder Schlagmetall. Letzteres ist aber kein echtes Gold, sondern nur dünn ausgewalztes Messing oder Kupfer.

Selbst vergolden oder vergolden lassen?

Für den Trend zum Vergolden gibt es natürlich längst auch einen Markt. Man kann entweder die Dienste von einem professionellen Vergoldungs-Service in Anspruch nehmen, oder man vergoldet selber, wenn man keine Berührungsängste mit Chemie hat. So kompliziert ist die Technik nicht. Für den Do-it-yourself-Vergolder bietet der Fachhandel alles nötige Zubehör - von der einzelnen Klemme oder Elektrode bis hin zum Galvanik Komplettset. Ob Badgalvanik, Stiftgalvanik oder Tampongalvanik, ob Tipps, Tricks oder Ratgeber, alles ist erhältlich, inklusive Anleitung zum Vergolden. Den “Rohstoff” selbst, also das Gold, gibt es als fertige Goldelektrolyten in handlichen Fläschchen.


Was kostet Vergolden?

Einsteigersets gibt es, je nach Ausstattung, ab 200 - 400 Euro. Ein Fläschchen Elektroloyt ist in der Regel mit dabei. Bei größeren Flächen ist Gold natürlich der Kostenfaktor. Man sollte mit etwa 10 Cent Materialkosten pro Quadrat-Zentimeter rechnen.

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