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Stand: 12.07.2022 von © Gold.de Redaktion / AB
Die Autofelgen sind nicht standesgemäß? Das Hirschgeweih an der Wand muss künstlerisch gepimpt werden? Oder wie wärs mit einer eigenen goldenen Schallplatte? Ratgeber Vergolden: Techniken, Tipps und Preise.
Vergolden: Techniken, Tipps und Preise!
Das Wichtigste in Kürze
  • Fast alles lässt sich vergolden
  • Dünne Goldschicht wird aufgetragen
  • Früher vor allem als Blattgold, heute Galvanik
  • Selber vergolden möglich
  • Oder vergolden lassen als Service
Vergolden Vergolden: Doch alles Gold, was glänzt!

Vergolden einfach erklärt

Als Vergolden bezeichnet man das Aufbringen von Gold auf Gegenstände. Dabei ist es unerheblich, ob diese Objekte aus Holz, Plastik, Keramik, Metall, 3-D Druck oder sonst einem Material sind. Einzige Regel: Je starrer der Untergrund, desto besser.

Dieser Wunsch, alltägliche Gegenstände gülden schimmern zu lassen, ist so alt wie die menschliche Faszination für Gold selbst. Schon in der Antike kannte man die Technik von Blattgold. Gold wurde solange gewalzt und geschlagen, bis eine hauchdünne Folie entstand. Mithilfe spezieller Klebemittel wurde diese Goldfolie dann auf den gewünschten Gegenstand aufgebracht. Da die Blattgoldfolie sehr dünn ist (bis zu 1/9000 mm), schmiegt sich das Gold wie eine zweite Haut um das Objekt.

Diese Technik ist auch heute noch nicht ausgestorben. Zwar erfolgt das Schlagen zu einer dünnen Folie inzwischen größtenteils maschinell, aber auf Handarbeit kann nicht komplett verzichtet werden, insbesondere bei Restaurierungen.

Ebenfalls schon in der Antike bekannt war die Technik der Feuervergoldung , ein Verfahren, bei dem aber gesundheitsschädliches Quecksilber zum Einsatz kommt. So waren noch viele weitere Jahrhunderte nötig, bis man eine viel effektivere Technik zum Vergolden fand: Die elektro-chemische Abscheidungsmethode, besser bekannt als Galvanotechnik.

Heute ist galvanisches Vergolden Standard.

Galvanik

Unter Galvanisierung versteht man allgemein das Überziehen eines Werkstückes mit einer Metallschicht unter Zuhilfenahme von Strom. Beim galvanischen Vergolden scheidet sich Gold als Überzug auf dem Werkstück ab. In Wirklichkeit ist der Prozess natürlich viel komplexer. Inzwischen gibt es auch Galvanisierungstechniken, die ohne Strom auskommen.

Stunde Null der Galvanik

1780: An einem trüben Novembertag seziert der italienische Anatom und Naturforscher Luigi Galvani mal wieder Froschschenkel. Schon seit einiger Zeit war ihm aufgefallen, dass die Froschschenkel immer zuckten, sobald sie mit Kupfer und Eisen in Berührung kamen.

Was Galvani zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Er war einem Phänomen auf der Spur, das bald einen ganzen Industriezweig prägen sollte. Denn zwei verschiedene Metalle in einem Elektrolyten stellen einen Stromkreis dar. Diese Erkenntnis wiederum lässt sich zur Oberflächenveredelung nutzen. Also auch, um etwas mit einem Goldüberzug zu versehen. Und wie bei großen wissenschaftlichen Leistungen üblich, so ist auch bei dieser Technik der Entdecker im Namen verewigt.

Vergolden im Trend

Ein kurzer Gang über eine der zahllosen Tuning-, Kunsthandwerk- oder Luxusmessen zeigt: Vergolden ist im Trend.

Die unbegrenzten Möglichkeiten, Kunstobjekte selbst herzustellen und Alltagsgegenstände zu veredeln, stoßen bei vielen Personen auf großes Interesse. Unsere Kunden berichten von einer starken Nachfrage im Bereich der Auftragsvergoldung. Wir haben auch viele Erstkunden und Galvanikeinsteiger. Das Interesse steigt stetig

Dr. Weiß, tifoo.de, 2017

Und vergolden kann man so gut wie alles: Ob Handy, Harley-Auspuff oder Hummer, ob Omas alte Teekanne oder Opas altes Jagdgewehr, ob der Kerzenständer auf dem Tisch oder der Golfschläger in der Tasche, ob Fahrradhelm oder Fitness-Hantel, ob Balkongeländer oder Bügeleisen, ob E-Gitarre, E-Book oder die Skulptur vom letzten VHS Hobbykurs.

Selber vergolden

Grenzen setzen das nur Bankkonto und ob sich das Objekt im Galvanisierungsverfahren technisch handhaben lässt.

Vergolden lassen

Sollte sich ein Objekt nicht galvanisieren lassen, dann gibt es immer noch die Vergoldung per Handarbeit, also das Anbringen von Blattgold wie seit Jahrtausenden üblich.

Wir haben selbst mal eine tote Eidechse vergoldet, die der Hund der Sekretärin beim Sommerfest aufspürte. Skurril fanden wir auch Hirschkäfer oder Raubkatzenschädel die Kunden vergoldet hatten

Dr. Weiß, www.tifoo.de, 2017

Wer ein festliches Dinner besonders edel gestalten möchte: Gold ist auch essbar. Spezialisierte Anbieter führen von der Goldpraline über Süffig-Güldenes bis zum Gold-Lolli trink- und essbares Gold in all seinen Facetten. Wobei Gold hier eher die hübsche Zierde obendrauf oder innen drin ist, nämlich in Form von Blattgold oder Goldflitter. Zum Dessert empfiehlt sich die mit 24 Karat Blattgold umwickelte Zigarre.

Auch die Wellness und Beauty Gemeinde wird bedient: Für das körperliche Wohlbefinden sorgen die Gesichtsmaske aus purem Gold, das Gold-Tattoo oder das vergoldete Klopapier.

Schmuck oder Essbesteck sind also heute längst nicht mehr das primäre Objekt der Begierde für Vergolder. Auch die vergoldete Badezimmer-Armatur, lange Zeit das Sinnbild schlechthin für Luxus, war gestern. Der Wunsch nach dem Besonderen bedeutet heute: Es darf extravaganter sein.

Was ist Luxus?

Nun bringt einen der vergoldetete Wasserhahn natürlich schnell zur Frage: Was ist Luxus? Wo ist die Grenze zum Protz? Was ist Kitsch? Denn nicht alles, was golden ist, ist Luxus. Und nicht alles, was Luxus ist, ist auch Protz. Der goldene Ehering gilt schließlich als Symbol inniger Verbundenheit und nicht als Prunk.

Natürlich kann Luxus der Selbstdarstellung nach außen dienen. Hierbei hat Luxus einen Zweck. Ist er öffentlich ist, dient er der Kommunikation. Seht her, ich kann das.

Luxus hat aber auch eine zweite Ebene. Es ist die subjektive Erfahrung, die sich einstellt, wenn die Grenze dessen, was als angemessen oder notwendig gilt, überschritten wird. Wo diese Grenze liegt, definiert jeder für sich persönlich. In dieser Grenzüberschreitung manifestiert sich der Wunsch nach Ich-Erfahrung, nach Besonderheit, nach dem subjektiv empfundenen Schönen. Insofern ist Luxus, auch, privat. Wer ein mit 24 Karat Gold überzogenes Klo im Bad hat, der will nichts zeigen.

Ausgerechnet Adorno, einflussreicher linker Ästhetik-Theoretiker des letzten Jahrhunderts, verteidigte Luxus als Aufbegehren des souveränen Subjekts gegen die "Sklaverei der Zwecke" in einer anonymen durchrationalisierten Welt. Wenn man so will, ein Plädoyer für das Irrationale, das Überflüssige, das Sinnlose, das Zweckfreie.

Und hier schließt sich der Bogen zum Kitsch. Kitsch beschränkt sich auf die Verniedlichung des Bekannten, auf das klischeehafte Zitieren. Oder anders: Das gülden schimmernde Einrichtungszubehör aus dem Billig-Discounter ist natürlich nicht mit 24 Karat Echtgold überzogen, sondern tut nur so. Echt am Farbton RAL 1036 sind nur Messingpigmente oder Musivgold. Letzteres auch bekannt als unechtes Muschelgold oder Zinn(IV)-Sulfid.

Keine Frage des Reichtums

Das nötige Kleingeld spielt natürlich auch eine Rolle. Die kleine aber feine Schicht derer, die richtig gut verdienen, wächst bekanntlich.

Statistik: Anzahl der Millionäre* weltweit nach Regionen von 2012 bis 2016 (in Millionen) | Statista
Quelle: Capgemini, zitiert nach Statista

Dies ist aber nur die halbe Wahrheit. In einer Welt voller standardisierter Massenprodukte oder Ramschwaren ist der Wunsch nach werthaltigen Gegenständen nachvollziehbar. Pimpen, Verschönern oder Customizing heißt das Motto. Damit einher geht nicht nur eine reale Aufwertung der Dinge, sondern auch eine individuelle Zuschreibung von Werthaftigkeit. Und was böte sich besser an als Gold, um diese Werthaftigkeit zu betonen?

Wenn aber auch der kleine Fließbandarbeiter all sein sauer verdientes Geld in einen fett aufgemotzten Golf mit Echtgold-Felgen steckt, dann greift das Klischee vom Superreichen nicht. Luxus ist eben relativ.

Für ein Laptop bei einer angenommen Schichtdicke von 2 Micron können da schon 20 Gramm Gold zusammenkommen

Roland Betzmann, Betzmann Galvanik, 2017

Anleitung zum Vergolden

Geschehen Vergoldungen im industriellen Bereich aus handfesten technischen Gründen, so steht im privaten Consumer Bereich die Ästhetik im Vordergrund. Besteck, Ringe, Schmuck und Uhren allgemein werden vergoldet, weil wir es als schön(er) empfinden und weil es den Wert erhöht. Goldüberzüge können aus Rotgold, Gelbgold, Weißgold und Rosé bestehen. Populär ist 999er Gold, also 24 Karat. Gefragt bei Schmuck ist auch immer mal wieder Roségold.

Daneben bietet der Handel auch noch Pudergold an (ganz fein zerriebenes Blattgold) oder Schlagmetall. Letzteres ist aber kein echtes Gold, sondern nur dünn ausgewalztes Messing oder Kupfer.

Zum Vergolden braucht es noch nicht mal hochspezialisierte Dienstleister. Man kann auch selbst vergolden. Das ist gar nicht so schwer.

Selber vergolden

Wenn man keine Berührungsängste mit Chemie hat: Für den Do-it-yourself-Vergolder bietet der Fachhandel das nötige Zubehör von der einzelnen Klemme oder Elektrode bis hin zum Galvanik Komplettset. Entsprechende Ratgeber erklären die Techniken und Unterschiede von Badgalvanik, Stiftgalvanik oder Tampongalvanik. Den Rohstoff selbst, also das Gold, gibt es als fertige Goldelektrolyten in handlichen Fläschchen.

Vergolden lassen

Wer nicht selber vergolden will, der nimmt einen professionellen Vergoldungsdienst in Anspruch. Man bringt oder schickt sein Objekt entweder dorthin oder der Service kommt ins Haus. In diesem Fall kommen neben dem Material noch Fahrtkosten hinzu. Ansonsten wird abgerechnet nach Stunden.

Was kostet Vergolden?

Wer vergolden lassen will, wird mit Preisen rechnen müssen, die sich generell nach Größe, Zustand und Ausgangsmaterial des Objekts richten sowie Stärke und Karat der gewünschten Goldbeschichtung.

Dabei zählen Schmuck, Uhren, Münzen oder Ringe zu den Gegenständen, die besonders gern vergoldet werden. Bei solch kleinen und einfachen Objekten sind auch Kosten unter 100.- Euro möglich.

Bei größeren Objekten wie Felgen oder Bad-Armaturen liegen die Preise für einen Goldüberzug schnell im dreistelligen Bereich, nach oben offen.

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von Horst | 23.01.2022, 05:45 Antworten

Wäre halt mal schön wenn schon dauernd von Elektroloyt gesprochen wird, das man
auch mal sagt was genau für's vergolden z.B. genommen wird !
Salzsäure - Schwelsäure ? Was ist das genau Mischung aus was ?

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