Stand: 27.04.2021
Ohne Prägung wäre jede Münze nur eine runde Metallscheibe. Wie aber kommen Motive, Konterfeis, Zahlen oder Hoheitszeichen in das Metall? GOLD.DE informiert: Prägetechniken, Prägequalitäten, Gestaltung, Sicherheitstechnologien.
Münzprägung
Münzen prägen: Das Wichtigste in Kürze
  • Früher nur mechanische Verfahren
  • Heute kommen auch Laser zum Einsatz
  • Wichtigste Prägequalitäten sind Stempelglanz und Polierte Platte 
  • Erhaltungsgrad vor allem bei älteren Münzen wichtig

Was bedeutet eigentlich "prägen"?

Wird die Oberfläche eines Werkstückes unter hohem Druck derart bearbeitet, dass ein reliefartiges Muster entsteht, dann spricht man von Prägen. Was auf einer Münze zu sehen ist, nennt man daher auch das Gepräge.

Warum werden Münzen geprägt?

Prägungen sind zunächst hoheitliche Kennzeichnungen. Denn als Münze gilt nur, was offizielles Zahlungsmittel ist. Nur der Inhaber des Münzrechtes darf Münzen prägen lassen. Zwar kann grundsätzlich jeder ein Stück Metall prägen wie etwa Medaillen oder Schmuck. Aber das darf dann nicht als Münze bezeichnet werden. Die Prägung von Barren machen die Barrenhersteller.

Aber natürlich ist das nicht alles bei der Münzherstellung. Schön aussehen soll es, denn (nicht nur) Münzsammler mögen ästhetische Motive. Robust soll es bei Kursmünzen sein, denn die müssen im Alltag viel aushalten. Möglichst fälschungssicher soll es sein, das versteht sich von selber. Keine leichte Aufgabe also für Münzprägeanstalten.

Um all diesen Erfordernissen gerecht zu werden, reicht heute die Hammerprägung, wie sie für antike Münzen üblich war, nicht mehr aus. Und so kommen bei der Herstellung moderner Anlage- und Sammlermünzen viele weitere Technologien zum Einsatz. Teilweise handelt es sich um etablierte Klassiker der Prägetechnik, teilweise um Innovationen, die mit Münzen prägen im engeren Sinne nichts mehr zu tun haben.

Nachfolgend die wichtigsten Münztechnologien im Überblick.

Prägequalitäten & Techniken

Prägequalitäten

Stempelglanz / Brilliant Uncirculated (BU) / Handgehoben

Beim Stempelglanz handelt es sich zugleich um eine Prägequalität und einen Erhaltungsgrad. Der Erhaltungsgrad Stempelglanz wird vergeben, wenn der ursprüngliche Glanz der Münze vollständig erhalten geblieben ist und keine Gebrauchs- oder Abnutzungsspuren zu erkennen sind.

Dieselben Eigenschaften kommen auch in der international üblichen Entsprechung „Brillant Uncirculated“ zum Ausdruck, oft abgekürzt als „BU“.

Als Prägequalität gehört Stempelglanz (häufig abgekürzt mit "Stgl." oder "st") ebenfalls zu den Prägequalitäten für Sammlermünzen. Da bei den Münzen weder Stempel noch Ronden poliert werden, sind die spiegelnden beziehungsweise glänzenden Effekte deutlich weniger ausgeprägt als bei Münzen in Proof oder Prooflike.

In Österreich wird auch die Bezeichnung "Handgehoben" verwendet, wenn die Münze gleich nach der Prägung von Hand herausgenommen und gekapselt wird. Handgehoben können sowohl Münzen in Stempelglanz, als auch in PP oder Spiegelglanz sein.

Proof / Polierte Platte (PP)

Proof Münze

Proof gilt als die höchste Prägequalität für Münzen. Sie zeichnet sich durch einen makellos spiegelnden Münzgrund aus, von dem sich ein gefrostetes Münzbild abhebt. Für die Prägung werden sowohl die Ronden als auch die Stempel poliert. Bei Proof-Münzen handelt es sich grundsätzlich um Sammlermünzen. In Deutschland wird die Prägequalität auch als Polierte Platte bezeichnet und mit "PP" abgekürzt. 

Bei der Variante Reverse Proof ist das Motiv spiegelnd poliert und der Hintergrund matt.

Prooflike / Spiegelglanz

Münzen in Prooflike (PL) ähneln Münzen in Proof, der Glanz des Münzgrunds ist bei dieser Prägequalität allerdings geringfügig schwächer ausgeprägt. Bei der Herstellung kommen ebenfalls polierte Prägestempel zur Anwendung. Die Ronden bzw. Münzrohlinge sind jedoch nicht poliert. Dadurch erscheinen die erhabenen Stellen der Münze matt. Im Deutschen entspricht die Bezeichnung "Spiegelglanz" dem englischen "Proof like".

Bullion

Das Wort Bullion bedeutet eigentlich Edelmetallbarren. Da diese Barren zur Geldanlage dienen, hat sich für Anlagemünzen der Begriff Bullionmünzen etabliert. Manchmal ist auch bei der Prägequalität von Bullion die Rede und lässt sich dann etwa mit Normalprägung übersetzen, was in der Regel Stempelglanz entspricht.

Weitere Oberflächengestaltungen

Frosting

Das Frosting gehört zu den bewährten Oberflächenbearbeitungen, um Münzen einen besonderen Charakter zu verleihen. Der mattierte und kristalline Effekt des Frostings wurde früher durch Sandstrahlen erreicht und wird heute meist per Laserbehandlung verwirklicht.

Das Frosting dient der optischen Kontrastbildung. Ein klassisches Beispiel für diese Technik sind Münzen in der Prägequalität Proof. Ist der Hintergrund gefrostet und das Münzbild glänzt, werden die Münzen oft auch unter der Bezeichnung „Reverse Proof“ angeboten.

High Relief (Hochrelief)

Bei Münzen in High Relief hebt sich das Münzbild besonders plastisch vom Hintergrund ab. Dadurch erhält das dargestellte Motiv einen reizvollen dreidimensionalen Charakter. Oft wird die Hochreliefprägung mit der höchsten Prägequalität Proof kombiniert.

Kolorierung

Kolorierungen gehören schön seit längerem zu den gängigen Methoden, um Sammlermünzen optisch aufzuwerten. Meist trifft man bei Händlern auf die Bezeichnungen "Coloriert" oder "colored/coloured" – aber auch "mit Farb-Applikation" oder kurz und umgangssprachlich "farbig". Dabei wird mit in der Regel mit Vierfarbdruck mittels eines UV-Druckers direkt auf die Münze gedruckt. 

Irisierende Farben

Eine Weiterentwicklung vonder Technik sind kolorierte Münzbilder mit irisierenden Farben. Der Effekt zeigt sich durch einen Wechsel der erkennbaren Farben bei einem veränderten Lichteinfall. Es ist inzwischen sogar möglich, den Eindruck irisierender Farben auf einem Münzbild zu erzeugen, ohne tatsächlich Farbe aufzutragen. Die optische Täuschung entsteht durch die unterschiedliche Reflektion des Lichts von Nanopartikeln.

Antik-Finish

Beim Antik-Finish wird eine Münze nach Abschluss des Prägevorgangs auf "alt" getrimmt. Das geschieht durch eine kurzfristige Lagerung der Münzen in einem chemischen Bad. Die Technik kommt vorrangig bei Sammlermünzen aus Silber zum Einsatz.

Sicherheit

Mikrogravuren / Mikroinskriptionen

Mikrogravuren sind winzige mit dem Laser applizierte Gravuren auf der Münze. Es kann sich dabei um Inskriptionen in Form von Buchstaben oder Zahlen handeln, aber auch um kleine Bilder oder Embleme. Da Mikrogravuren nur schwer zu imitieren sind, dienen sie der erhöhten Fälschungssicherheit von Münzen.

Radiallinien / Muster

Radiallinien verlaufen wie ein Radius vom Rand der Motiv- oder Wertseite einer Münze zu dessen Mittelpunkt. Es gibt auch zahlreiche andere filigrane Muster. Allgemein machen feine Linien die Münzen zugleich fälschungssicherer und attraktiver. Die Technik wird seit einiger Zeit für verschiedene Bullionmünzen verwendet.

Latenzbilder / latent images

Latenzbilder, international als latent images bezeichnet, dienen ebenfalls der erhöhten Fälschungssicherheit von Münzen und steigern zugleich ihre optische Attraktivität. Typischerweise zeigen Latenzbilder zwei Abbildungen, je nachdem, in welchem Winkel Licht auf das Bild fällt. Technisch sind inzwischen aber bereits auch drei- oder vierfache Latenzbilder möglich.

Sonstige Technologien

Piedfort

Das französische Wort piedfort bedeutet wörtlich übersetzt „dicker Fuß“. Es wird für Münzen verwendet, die eine doppelt so hohe Dicke aufweisen wie die Normalausgaben. Der Durchmesser einer Piedfort-Münze mit einem Gewicht von 2 oz entspricht also exakt dem Durchmesser einer Normalausgabe mit einem Gewicht von 1 oz.

Ungewöhnliche Materialien

Ein Trend, der in den vergangenen Jahren von vielen Prägestätten aufgegriffen wurde, ist die Integration von ungewöhnlichen Materialien in Münzen. Im Bereich der Sammlermünzen werden dabei zum Beispiel Metalle wie Niob, Titan oder Tantal verwendet.

Diese können als Bi- oder auch als Trimetall gemeinsam mit Edelmetallen in der Münze verbunden sein. In Deutschland sind außerdem in den vergangenen Jahren eine Reihe von Münzen mit farbigen Polymerringen erschienen.

Ungewöhnliche Formen

Viele Sammlermünzen weisen nicht mehr die klassische runde Münzform auf. Die bekannteste Abweichung ist das rechteckige Format, für das auch die Bezeichnung Münzbarren üblich ist. Beispiel hierfür wäre z. B. die Dragon Rectangle Goldmünzen. Daneben sind andere geometrische Formen wie Dreiecke (Black Flag Gold oder Black Flag Silber) und figürliche Münzen anzutreffen, wie bei den Chibi Coins oder den Australian Map Shaped. Einige Stücke sind sogar dreidimensional gestaltet, haben also mit Münzen im geläufigen Sinne nur noch den Namen gemein.

Privy Mark Münze

Privy Mark

Privy Marks haben sich aus historischen Münzzeichen entwickelt, die der Identifikation der verausgabenden Prägestätte dienten. Heute werden Privy Marks vor allem auf Sammlermünzen geprägt. Sie sollen den Münzen ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber den Ausgaben ohne Privy Mark verleihen. Als Privy Marks kommen vor allem Miniaturbilder zum Einsatz. 

Münzzeichen in Form eines Buchstabens, an dem die Prägestätte zu erkennen ist, gelten nicht als Privy Marks, sondern werden Mint Mark genannt.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"