Stand: 27.10.2017 0 Kommentare

Um die Echtheit von Silberschmuck, Silberbarren oder Silbermünzen zu prüfen, gibt es eine Reihe unterschiedlicher Verfahren. Dazu zählen unter anderem die Augenscheinprüfung, das Wiegen und Messen, die Tauchwägung, die Säureprüfung und die Magnetprüfung. Hier finden Sie eine Beschreibung der einzelnen Testmethoden für die Echtheitsprüfung von Silber.

Das Wichtigste in Kürze

  • Augenscheinprüfung: Fälschungen auf den ersten Blick erkennen
  • auchwägung: sehr zuverlässig, kostengünstig
  • Magnettest: nur als Ergänzung sinnvoll
  • Ultraschalltest: sehr zuverlässig, aber hohe Anschaffungskosten

Die Augenscheinprüfung (Silbermünzen und Silberbarren)

Silberbarren und Silbermünzen werden in Serie produziert und haben bei gleichem Jahrgang und Hersteller ein einheitliches Erscheinungsbild. Ein großer Teil der Fälschungen hält einer gründlichen optischen Prüfung nicht stand. Vergleichen Sie jedes Details des Münzbilds oder der Barrengestaltung.

Auch kleinere Unstimmigkeiten, zum Beispiel eine falsche Angabe der Feinheit, ein abweichendes Logo oder eine falsch platzierte Seriennummer auf Barren sowie geringfügige Unstimmigkeiten bei Münzmotiven sind bereits ein fast sicherer Hinweis darauf, dass Sie es mit einer Fälschung zu tun haben.

Als Vorlage für den Vergleich sollten Sie entweder ein zweifelsfrei echtes Silberprodukt (erhältlich bei etablierten Edelmetallhändlern) oder aber ein Referenzbild aus einer vertrauenswürdigen Quelle wählen. Am besten vergleichen Sie das Silberprodukt mit den Bildern auf der Webseite des Herstellers oder der Prägeanstalt. Für eine Vielzahl von Silberprodukten können Sie auch zum Vergleichen die Galerie auf Gold.de einsehen.

Wichtig: Selbst geringfügige Abweichungen in der Gestaltung von Silberbarren und Silbermünzen weisen fast sicher auf eine Fälschung hin.

Messen und Wiegen (Silbermünzen und Silberbarren)

Silber und Silberlegierungen verfügen über eine bekannte spezifische Dichte (Reinsilber 10,49 g/cm³ bei 20°C) aus der sich zwingend ein bestimmtes Verhältnis von Maßen und Gewicht ergibt.

In den allermeisten Fällen sind die Abweichungen bei Fälschungen aus unedlen Metallen groß genug, um durch genaues Wiegen und Messen entlarvt zu werden. Als Instrumente bieten sich Feinwaagen und digitale Messschieber an.

Stellen Sie beim Heraussuchen der Referenzgewichte und Maße sicher, dass es sich um Angaben zu Raugewicht (Gesamtgewicht) handelt, nicht um das reine Feingewicht, mit dem nur das enthaltene Silber angegeben wird. Je geringer der Silberanteil, desto größer ist der Gewichtsunterschied.

Die aktuell verausgabten deutschen Silber Euro-Gedenkmünzen bestehen zum Beispiel aus einer Legierung aus 92,5 Prozent Silber und 7,5 Prozent Kupfer. Das Raugewicht beträgt 18 g, das Feingewicht aber nur 16,65 g. Der Unterschied liegt damit bei 1,35 g.

Bei Anlagemünzen gibt es auch viele Münzen, die wie das „Känguru“ der Perth Mint aus Feinsilber bestehen, also keinerlei Legierungsmetalle enthalten bzw. nur minimalste Mengen anderer Metalle beinhalten. Die Feinheit dieser Münze liegt z. B. bei 99,99 Prozent und die Unterschiede zwischen Rau- und Feingewicht sind also nicht nennenswert. Im Fall des „Känguru“(Perth Mint) beträgt das Feingewicht zum Beispiel 1 oz (31,103 g) und das Raugewicht etwa 31,107 g.

Wichtig: Verwenden Sie beim Messen möglichst digitale Messschieber und beim Wiegen Feinwaagen, um ein sehr genaues Ergebnis zu erhalten.

Tauchwägung nach Archimedes (alle Silberprodukte)

Der Wassertest beziehungsweise die Tauchwägung als Testverfahren geht auf den griechischen Mathematiker, Physiker und Ingenieur Archimedes von Syrakus (287 v. Chr. -212 v. Chr.) zurück. Archimedes fand heraus, dass Körper scheinbar Gewicht verlieren, wenn Sie sich im Wasser befinden.

Dieser Gewichtsverlust entspricht exakt dem Gewicht des Wassers entspricht, das durch den Körper verdrängt wurde. Das spezifische Gewicht (Gewicht relativ zum Volumen) von Wasser ist bekannt. Es liegt bei 1 g/cm3.

Der Unterschied zwischen dem Gewicht eines so genannten Prüflings aus Silber und dem scheinbaren Gewicht des Prüflings im Wasser lässt also indirekt Rückschlüsse über das Volumen des Prüflings und damit auch mittelbar über sein spezifisches Gewicht zu. Verwenden Sie diese Rechenformel:

Gewicht des Prüflings / Gewichtsdifferenz des Prüflings im Wasser = spezifisches Gewicht

Um das mit dieser Formel errechnete Gewicht mit dem Sollgewicht zu vergleichen, müssen Feinheit sowie die genaue Zusammensetzung des Silberprüflings bekannt sein. Bei Silberschmuck finden Sie Feinheitsangaben in Form von Stempeln oder Punzen in Form von dreistelligen Zahlen, die dem Feingehalt in Promille (Tausendsteln) entsprechen.

Der Stempel „625“ sagt also aus, dass es sich um eine Silberlegierung mit einem Silberanteil von 625/1000 handelt. Nun benötigen Sie noch die typische spezifische Dichte für gängige Silberlegierungen:


Spezifisches Gewicht gängiger Silberlegierungen

Silber / Silberlegierung Spezifisches Gewicht
Feinsilber 999 oder 999.9 10,49 g/cm3
Silber 935 10,44 g/cm3
Silber 925 10,36 g/cm3
Silber 900 10,32 g/cm3
Silber 835 10,20 g/cm3

Beispiel:

  1. Sie möchten die Echtheit eines Schmuckstücks mit 20 g Gewicht überprüfen. So gehen Sie vor:

  2. Befüllen Sie einen Becher mit Wasser. Lassen Sie oben etwas Spielraum. Beim Eintauchen des Prüflings darf kein Wasser überlaufen.

  3. Stellen Sie das Glas mit Wasser auf eine Waage und tarieren Sie diese auf 0.

  4. Halten Sie das Schmuckstück an einem dünnen Bindfaden in das Glas, sodass es frei im Wasser schwebt.

  5. Notieren Sie das nun angezeigte Gewicht, das der Gewichtsdifferenz des Schmuckstücks im Wasser gegenüber dem Gewicht an der Luft entspricht.  Angenommen, die Waage zeigt Ihnen ein Gewicht von 1.762 g an.

  6. Teilen Sie das Gewicht des Schmuckstücks an der Luft (20 g) durch die angezeigte Gewichtsdifferenz im Wasser (1,762 g) und Sie erhalten ein spezifisches Gewicht des Prüflings von 11,351 g an. Es handelt sich um eine Fälschung, die vermutlich aus Blei besteht. Blei hat ein spezifisches Gewicht von 11,35 g.


Schmuckstück 20 g / Gewichtsdifferenz im Wasser 1,762 g = &spezifisches Gewicht 11,35 g

Wichtig: Die Tauchwägung ist sehr zuverlässig und obendrein sehr kostengünstig. Wenden Sie dieses Testverfahren aber nur dann an, wenn Sie genau wissen, wie hoch der Silberanteil im Prüfling ist.

Säuretest (alle Silberprodukte)

Jedes Metall verfügt über eine ihm eigenen Resistenz gegenüber der Einwirkung von verschiedenen Säuren. Diese spezifische Resistenz kann man sich mit dem Säuretest zunutze machen. Es ist dabei wichtig, ein spezielles Prüfsäure-Set für Silber zu verwenden. Sie erhalten solche Sets problemlos im Handel. So funktioniert der Säuretest für Silber:

  1. Behandeln Sie den Prüfstein (Schiefertafel) mit Pflegeöl. Prüfstein und Öl sind Teil eines Prüfsäuresets.

  2. Reiben Sie den Prüfling auf den Prüfstein, sodass ein deutlich sichtbarer Abrieb entsteht.

  3. Ziehen Sie Schutzhandschuhe an.

  4. Geben Sie ein wenig Prüfsäure auf den Abrieb und warten Sie etwa 30 Sekunden.

  5. Anhand der farblichen Veränderungen können Sie nun Fälschungen entlarven.


Farbliche Veränderung von Silberlegierungen im Säuretest


Farbliche Veränderung Ist es Silber?
Hellrot Ja (Feinsilber)
Dunkelrot Ja (Silber 925/Sterlingsilber)
Braun Ja (Silber 800 / Tafelsilber
Grün Ja (Silber 500)
Gelb Nein (Blei oder Zinn)
Dunkelbraun Nein (Messing)
Blau Nein (Nickel)
Keine Veränderung Nein (Zink)

Wichtig

Die Silberprüfsäure reagiert lediglich mit dem Abrieb. Um Fälschungen mit Silberabrieb zu erkennen müssten Sie den Prüfling mindestens 1 mm tief anschleifen. Bedenken Sie aber, dass Sie dadurch den Wiederverkaufswert senken. Als Ergänzung für den Säuretest bietet sich die Tauchwägung an.

Röntgenfluoreszenzanalyse (alle Silberprodukte)

Die Röntgenfluoreszenzanalyse ist ein sehr zuverlässiger Test, um die Echtheit von Edelmetallprodukten zu verifizieren. Um die Analyse durchzuführen, ist ein Röntgenfluoreszenzspektrometer nötig.

Diese Geräte sind nicht billig. Die Anschaffung macht nur im professionellen Bereich Sinn, wenn Sie regelmäßig viele Prüflinge einem Echtheitstest unterziehen möchten. So funktioniert der Röntgenfluoreszenzspektrometer:

Der Prüfling wird im Spektrometer mit Röntgenstrahlung “beschossen“. Diese reflektiert dann als Röntgenfluoreszenzstrahlung und wird vom Spektrometer genau analysiert. Das Ergebnis liefert weit mehr als eine einfache Verifizierung der Echtheit, nämlich eine präzise Angabe der metallischen Zusammensetzung des Prüflings.

Der einzige Nachteil der Röntgenfluoreszenzanalyse besteht wie beim Säuretest darin, dass lediglich die Oberfläche überprüft wird. Um sicher zu gehen, müssten ergänzenden Testverfahren angewendet werden oder die Prüflinge angefeilt werden.

Wichtig: Röntgenfluoreszenzspektrometer prüfen lediglich die Oberfläche des Prüflings und sind außerdem sehr teuer. Für Privatanleger lohnt sich die Anschaffung nicht.

Ultraschallanalyse (alle Silberprodukte)

In allen Elementen setzt sich Schall mit einer charakteristischen Geschwindigkeit fort. In Silber beträgt diese Geschwindigkeit zum Beispiel 3600 m/s, in Zink 3700 m/s und in Blei 1260 m/s. Diese spezifischen Schallgeschwindigkeiten dienen als Grundlage für den Echtheitstest von Edelmetallprodukten mittels Ultraschallanalyse.

Der große Vorteil gegenüber der Röntgenfluoreszenzanalyse und Säuretest liegt in der der vollständigen Durchdringung des Prüflings. Beschichtete Fälschungen werden im Ultraschall-Prüfgerät eindeutig entlarvt.

Achten Sie beim Kauf darauf, dass eine umfangreiche Tabelle mit Schallgeschwindigkeiten enthalten ist. Die Tabelle sollte nicht nur alle Edelmetalle, sondern auch alle gängigen Edelmetalllegierungen auflisten.

Wichtig: Die Ultraschallanalyse liefert sehr zuverlässige Ergebnisse und prüft das gesamte Volumen des Prüflings. Beim Kauf eines Messgeräts sollten umfangreiche Tabellen mit Referenzwerten für verschiedene Edelmetalle und Edelmetalllegierungen enthalten sein.

Magnettest (alle Silberprodukte)

Silber ist diamagnetisch. Das bedeutet, es wandert aus einem Magnetfeld heraus, wird also von einem Magneten abgestoßen. Das Gegenteil ist der Paramagnetismus, bei dem Metalle in ein Magnetfeld hineinwandern, also von einem Magneten angezogen werden. Ferromagnetische Metalle werden ebenfalls von Magneten angezogen und zwar noch deutlich stärker als paramagnetische Elemente.

Um eine deutlich sichtbare Reaktion eines Silberprodukts hervorzurufen, ist ein sehr starker Magnet nötig, zum Beispiel ein Neodymmagnet. Der Magnettest entlarvt allerdings nur Fälschungen aus Metallen die nicht ebenfalls diamagnetisch sind.

  • Eisen: (ferromagnetisch): Magnettest entlarvt Fälschungen leicht

  • Nickel: (ferromagnetisch): Magnettest erkennt Fälschungen leicht

  • Zinn (paramagnetisch): Magnettest entlarvt Fälschungen

  • Zink (diamagnetisch): Magnettest entlarvt Fälschungen nicht

  • Blei (diamagnetisch): Magnettest entlarvt Fälschungen nicht

  • Kupfer: (diamagnetisch): Magnettest entlarvt Fälschungen nicht

Wichtig: Der Magnettest entlarvt Fälschungen nur dann, wenn diese nicht dieselben magnetischen Eigenschaften wie Silber aufweisen. Die Tauchwägung bietet sich als ergänzender Test an.

Test der elektrischen Leitfähigkeit (alle Silberprodukte)

Die elektrische Leitfähigkeit in Metallen erlaubt einen eindeutige Aussage darüber, ob es sich bei dem Prüfling um eine Fälschung handelt oder nicht. Ein Leitfähigkeitsmessgerät überprüft das gesamte Volumen. Es zeigt sogar bei verpackten Silberprodukten wie eingeschweißten Silberbarren oder Silbermünzen in Kapseln korrekte Ergebnisse an.

Stellen Sie beim Kauf eines solchen Gerätes sicher, dass eine umfangreiche Tabelle mit allen wichtigen Referenzwerten für verschiedene Edelmetalle und Edelmetallegierungen mitgeliefert wird. Vermeiden Sie außerdem „Schnäppchen“. Minderwertige Messgeräte scheitern an der Aufgabe, einer exakten Überprüfung der elektrischen Leitfähigkeit.

Wichtig: Eine Analyse der elektrischen Leitfähigkeit liefert sehr zuverlässige Ergebnisse auch bei verpackten Silberprodukten. Vermeiden Sie jedoch den Kauf von Billiggeräten.

Gesunden Menschenverstand beim Silberkauf einschalten

Bereits vor dem Kauf können Sie einiges dafür tun, den Kauf potentieller Fälschungen zu vermeiden. Ein klarer Hinweis auf unseriöse Angebote sind auffällig zu günstige Preise. Fast immer handelt es sich dabei entweder um Fälschungen oder Sie haben es mit einem kompletten Fake-Shop zu tun, der überhaupt keine Ware liefert.

Wir berichten regelmäßig über solche Fake-Shops.

Vertrauen Sie lieber auf einen seriösen und etablierten Händler, zum Beispiel aus der Händlerliste auf Gold.de. Vor einer Aufnahmen in den Preisvergleich werden die Händler einer gründlichen Überprüfung durch unsere Redaktion unterzogen. Beim Kauf von Tafelsilber oder Silberschmuck empfiehlt sich entsprechend der Einkauf im Fachhandel.

Wichtig: Misstrauen Sie allzu günstigen Angeboten für Silberprodukte. Der Einkauf im Fachhandel zu fairen Preisen bietet bereits einen umfassenden Schutz vor Fälschungen.

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