Stand: 12.05.2017 1 Kommentare

In einer Scheideanstalt (Affinerie) für Gold, Silber, Platin und Palladium (die gängigsten Edelmetalle) werden Rohstoffe, die entsprechende Edelmetallanteile enthalten, so aufbereitet, dass das Edelmetall übrig bleibt. Dieses wird in Form von Barren oder Halbzeugen verkauft. Für die Aufbereitung gibt es verschiedene Verfahren. Deutschland ist Sitz zahlreicher bekannter Scheideanstalten, die auch alten Goldschmuck anderes Altgold von Privatanbietern ankaufen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Scheideanstalten kaufen Altgold von Händlern und Firmen an
  • Edelmetallrecycling ist das Kerngeschäft einer Scheideanstalt
  • Aufbereitung von Scheidgut thermisch oder mechanisch
  • Karlsruhe und Pforzheim: Hochburgen der deutschen Scheideanstalten

Scheideanstalten in Deutschland (Auswahl)

Deutschland verfügt über zahlreiche Scheideanstalten, sodass es an vielen Wohnorten häufig möglich ist, Scheidgut ohne großen Aufwand persönlich abzuliefern. Als Hauptstadt der Edelmetallscheidung in Deutschland kann Pforzheim gelten.

In der Schmuck- und Uhrenstadt Pforzheim haben mit AGOSI, DODUCO sowie Heimerle & Meule gleich drei der bekanntesten deutschen Unternehmen der Branche Ihren Sitz. Die folgende Übersicht stellt eine Auswahl aktiver deutscher Scheideanstalten dar.

Scheideanstalt Ort
AGOSI (Allgemeine Gold- und Silberscheideanstalt AG) Pforzheim
Aurum Edelmetalle und Recycling GmbH Norderstedt
Berolina GmbH Berlin
Bruno Welz GmbH Schwäbisch Gmünd
C. Hafner Edelmetall Technologie Wimsheim
DIGOSI Edelmetall & Recycling GmbH Berlin
DODUCO GmbH Pforzheim
ESG Edelmetalle Service Rheinstetten
EMH Service GmbH Essen
Ernst Weber e. K. Rottweil
Heimerle + Meule GmbH Pforzheim
Schiefer & Co. Edelmetall-Scheideanstalt Hamburg
Solidus Scheide- und Analyseanstalt Berlin GmbH Berlin
Koos Edelmetalle GmbH Renningen
Goldankauf bei der Scheideanstalt ESG Edelmetall Service in Rheinstetten bei Karlsruhe

Edelmetallrecycling: die Kernaufgabe einer Scheideanstalt

Scheiden von der verschiedenen Edelmetalle

Die Kernaufgabe einer Scheideanstalt besteht im Edelmetallrecycling, also der Rückgewinnung von Gold, Silber oder anderen Edelmetallen entweder aus Metalllegierungen oder aus Scheidgut, das metallische und nichtmetallische Bestandteile enthält.

Die Scheideanstalt stellt nach erfolgtem Scheideverfahren aus den zurückgewonnenen Edelmetallen entweder Barren und Münzen oder Halbzeuge her.

Industriemetalle und Halbzeug für die weiterverarbeitung

Halbzeuge werden in Form von Scharnieren, Rohren, Drähten, Blechen und Stangen der Industrie zur Verfügung gestellt. Sie werden dann in der Schmuckherstellung, der Medizintechnik, der Fahrzeug- und Elektronikindustrie weiterverarbeitet und eingesetzt.

Im globalen Maßstab stellt durch Recycling gewonnenes Edelmetall einen nicht unbedeutenden Teil des Angebots am Markt dar. Das Goldangebot des Jahres 2016 bestand zum Beispiel zu 17 Prozent aus recyceltem Gold.

Prüfung und Ankauf von Scheidgut

Zunächst werden die Edelmetalle von der Scheideanstalt angekauft. Die Herkunft ist ganz verschieden. Es kann sich um Münzen, Barren, Schmuck und Dentalgold, aber auch um Gold, Silber, Platin und Palladium aus der Industrie handeln, das zum Beispiel als Bestandteil von Katalysatoren, Platinen und anderem Elektroschrott vorliegt, der zunächst in thermischen und mechanischen Verfahren aufbereitet werden muss.

Befinden sich die Edelmetalle hingegen bereits in einer wiederverkäuflichen Form, entfällt das Recycling komplett. 

Es besteht kein Grund, eine Goldmünze wie den “Krügerrand” oder ein handelsüblicher Goldbarren zu schmelzen, da die Scheideanstalt diese Produkte Ihren Kunden direkt wieder anbieten kann.

In allen anderen Fällen muss das Scheidgut zunächst im Prüflabor auf seinen Edelmetallgehalt hin überprüft werden. Über den Ankaufspreis entscheidet dabei nicht allein Menge, sondern auch der genaue Anteil des einzelnen Edelmetalls, die sich im Preis stark voneinander unterscheiden.

Der Silberpreis ist um ein vielfaches geringer als der Palladiumpreis und dieses wiederum günstiger als der Goldpreis oder der Platinpreis.

Faire Ankaufspreise für Gold und Silber selber ermitteln

Wenn Sie Altgold oder Altsilber an eine Scheideanstalt verkaufen möchten und Ihnen der Feingehalt an Edelmetall sowie das Gesamtgewicht bekannt ist, können Sie einen fairen Ankaufpreis auf Basis der aktuellen Edelmetallkurse mit unserem Goldpreisrechner leicht selbst ermitteln.
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Aufbereitung von Scheidgut

  • Veraschen: In einer Veraschungsanlage mit zwei Kammern werden die edelmetallhaltigen Ausgangsstoffe mit Erdgas verbrannt. Bei Temperaturen um 1.200° Celsius veraschen alle nicht-metallischen Bestandteile.

    Insbesondere Rückstände aus der Elektroindustrie werden so von den Edelmetallen getrennt. Hierbei genügen selbst geringfügige Reste, zum Beispiel in Form von von Edelmetallpasten in Dosen, Schlämmen, Folien und Wischtüchern mit Edelmetallanhaftungen, um den Vorgang für die Scheideanstalt profitabel zu machen.  

    Das bei der Veraschung entstehende Abgas wird entsprechend gültiger Umweltstandards entgiftet. Zurückbleibende Giftstoffe werden fachgerecht entsorgt, sodass nur Metalllegierungen übrigbleiben. Die Veraschung ist überflüssig, wenn das Edelmetall von vornherein in Form von Metalllegierungen vorliegt.

  • Einschmelzen: Eine induktiv betriebene Anlage schmilzt danach die (übrig gebliebenen) Metalllegierungen bei 1.800° Celsius ein. Aus der Schmelze werden Proben entnommen, um den genauen Gehalt der Legierung zu bestimmen. Einige Scheideanstalten wie die ESG in Reinstetten ermöglicht es Ihren Kunden, beim Gold schmelzen live dabei zu sein.

    Durch die unterschiedlichen spezifischen Gewichte und Härtungspunkte werden die Metalle getrennt, werden elektrolytische und nasschemische Verfahren angewendet. Wenn Rohstoffe Restfeuchte aufweisen, kommen vor dem Prozess Trocknungsaggregate zum Einsatz.

  • Mechanische Aufbereitung: Bei der mechanischen Aufbereitung wird geschreddert, gemahlen und gesiebt. Das geschieht teilweise vor oder nach der thermischen Behandlung. Das Ziel besteht in der kompletten Homogenisierung durch Zerkleinern und Durchmischen des Recyclingmaterials.

    Dazu werden Spezialschredder, Schneidgranulatoren, Hammermühlen, Siebkugelmühlen, Mischaggregate, Magnetseparatoren und Siebsysteme eingesetzt. Die Wahl der Technik hängt von dem vorliegenden Material (hybrid, polymer, keramisch oder metallisch) und von der Größe der einzelner Teile ab.

    Teilweise erfolgt eine Zerkleinerung in mehreren Stufen bis zum Einsatz von Kugelmühlen, die Körner mit 0,6 mm Durchmesser herstellen. Auch hier werden Proben entnommen, um die genaue Zusammensetzung der Stoffe zu bestimmen.


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Das NDR-Magazin DAS! hat die Scheideanstalt Aurum Edelmetalle besucht
Youtube: NTV bei der Scheideanstalt Aurum Edelmetalle in Norderstedt - Geldmarkt-Infos aus März 2008

Geschichte deutscher Scheideanstalten

Degussa Scheideanstalt

Die mit Abstand bekannteste Scheideanstalt Deutschlands war die 1873 gegründete Degussa (Deutsche Gold- und Silberscheideanstalt), deren Edelmetallgeschäfte sich seit 2003 im Besitz des belgischen Materialkonzerns Umicore befinden.

  • Die Geschichte der Degussa beginnt im Jahr 1873 in Frankfurt. Zwei jahre zuvor war das Deutsche Kaiserreich gegründet und die Mark als neuer nationaler Währung etabliert worden. Zahlreiche Münzen in regionalen deutschen Währungen wurden außer Kurs gesetzt und die Degussa spielte eine entscheidende Rolle beim Edelmetallrecycling der alten Münzen.

  • Ein dunkles Stück Geschichte folgte für die Degussa in der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945, als das Unternehmen durch “Arisierungen” - die Enteignung jüdischen Besitzes - stark expandierte. Auch an der Produktion des in konzentrationslagern eingesetzten Zyklon B war die Degussa zumindest indirekt beteiligt.

  • 1998 stellte sich das Unternehmen diesem unrühmlichen Teil seiner Vergangenheit und beauftragte den US-amerikanischen Historiker Peter Hayes mit der Aufarbeitung der Firmengeschichte im Nationalsozialismus. Das Ergebnis wurde unter dem Titel  „Die Degussa im Dritten Reich. Von der Zusammenarbeit zur Mittäterschaft“ im Jahr 2004 veröffentlicht.

  • Im Jahr 1980 wurde aus Degussa, die Degussa AG. Die Bankgeschäfte des Unternehmens wurden in die Degussa Bank GmbH überführt. Bei der Etablierung des DAX im jahr 1988 war die Degussa AG einer von 30 Unternehmen, aus denen sich der deutsche Leitindex zusammensetzte.

  • 1999 fusionierte die Degussa AG mit der Hüls AG zur Degussa-Hüls AG und die VEBA, Mutterkonzern von Hüls, wurde zum Haupteigentümer.

  • Im Jahr 2000 wurden die Edelmetallgeschäfte des Unternehmens ausgegliedert und 2003 vom belgischen Materialkonzern Umicore übernommen.Nach der Fusion der VEBA und VIAG zum Energiekonzern E.ON kam es zur Fusion der Degussa-Hüls AG mit der VIAG-Tochter SKW Trostberg.

  • Das neue Unternehmen wurde 2006 in Evonic Degussa umbenannt und gehört seitdem  zum Spezialchemiekonzern Evonic Industries.

  • Die Namensrechte an der historischen Degussa wurden im Jahr 2010 verkauft und befinden sich im Besitz des Edelmetallhändlers Degussa Sonne/Mond Goldhandel GmbH mit Firmensitz in Frankfurt am Main, der in vielen deutschen Großstädten präsent ist.

Die Barren mit dem Markennamen “Degussa” und dem berühmten Sonne-Mondo-Logo fertigt die Schweizer Scheideanstalt Valcambi für das Frankfurter Handelshaus an.

AGOSI

Die AGOSI (Allgemeine Gold- und Silberscheideanstalt) ist eine Scheideanstalt mit Firmensitz in Pforzheim. Das Unternehmen wurde im jahr 1891 auf eine Initiative von elf Pforzheimer Schmuckfabrikanten als Aktiengesellschaft gegründet.

  • Gegen Ende des 2. Weltkriegs im Jahr 1945 kam es zur Zerstörung sämtlichen Produktions- und Verwaltungsgebäude. Der Geschäftsbetrieb wurde eingestellt, jedoch bereits ein Jahr später wieder aufgenommen.

  • 1969 wurde das bis heute verwendete Firmenlogo gestaltet: ein voller kleiner Kreis innerhalb eines größeren Kreises. Dieses Logo ist auch auf den Silberbarren und Goldbarren von AGOSI zu sehen.

  • 1989 wurde die AGOSI von der LBMA (London Bullion Market Association) akkreditiert und ist seither berechtigt die großen “Good Delivery Goldbarren” mit einem Gewicht von 400 Feinunzen herzustellen, die am Londoner Goldmarkt gehandelt werden.

  • Im Jahr 1998 übernahm die AGOSI mit der Edelmetaal B.V die älteste aktive Scheideanstalt der Welt sowie die heutige Umicore Thailand in Bangkok. Seither gehört das Unternehmen zu den führenden Scheideanstalten Europas.

  • 1999 und 2000 erfolgten mit der Übernahme der Umicore Galvanotechnik GmbH sowie dem Erwerb von 99 Prozent der ÖGUSSA (Österreichische Gold- und Silberscheideanstalt) weitere wichtige Zukäufe.

  • Seit 2003 befindet sich die AGOSI im Mehrheitsbesitz von Umicore. Im Jahr 2011 wurde das Unternehmen als erste deutsche Scheideanstalt vom Responsible Jewellery Council mit der RJC-Zertifizierung für verantwortungsbewusste Unternehmensführung ausgezeichnet.

    Im Jahr 2014 folgte eine CoC-Zertifizierung für die konfliktfreie Lieferkette der Edelmetalle Gold, Platin und Palladium.

DODUCO

DODUCO ist eine ist eine 1922 gegründete Scheideanstalt mit SItz in Pforzheim. Neben der Edelmetallrückgewinnung etablierte das Unternehmen bereits vier Jahre nach seiner Gründung mit galvanisierten Farbgoldbäder für die am Ort ansässige Schmuckindustrie ein zweites Standbein.

  • Ab 1930 kam mit der Herstellung von elektrischen Kontakten ein drittes Tätigkeitsfeld hinzu.

  • Bei der Bombardierung von Pforzheim im Februar 1945 kam es zur Unterbrechung der Geschäftstätigkeit, die jedoch bald nach Kriegsende wieder aufgenommen wurde. 1949 etablierte das Unternehmen eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung, aus der bis zum heutigen Tag in großer Zahl  in- und ausländische Patente kommen.

  • Im Jahr 1971 wurde DODUCO von der Unternehmensgruppe des Fürstenhauses Thurn & Taxis übernommen unter deren Führung das Unternehmen stark expandiert und vielfältige Geschäftsbeziehungen in der  Elektro-, Elektronik- und Automobilindustrie aufbaute.

  • 1999 kommt es zu einem erneuten Besitzerwechsel, als Technitrol aus den USA das Unternehmen aus Pforzheim übernimmt und kurze Zeit später mit der Tochterfirma Advanced Metallurgy Inc. fusioniert.

  • Bis 1999 wird das Unternehmen unter dem Namen AMI DODUCO geführt.

  • Seit 2010 befindet sich DODUCO wieder unter seinem alten Namen im Besitz Investorengruppe Tinicum Capital Partners II und JP Asia Partners.

THEMA INHALTE:
Edelmetall/Gold Recycling in Scheideanstalt
Edelmetall Recycling in einer Scheideanstalt: Das Einschmelzen wird im Fachjargon "Scheiden" genannt. Scheiden von Edelmetall bedeutet also Rückgewinnung von Reinmetall durch Einschmelzen
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Kommentare [1]
  • von Hildegard Pleuss | 12.02.2017, 17:53 Antworten

    Anfrage: Bei Zusendung von verschiedenen Schmuckstücken, und dem Schätzen des Wertes, evtl. Einschmelzen der verschieden geabeiteten Schmuckstücke, würde es mich interessieren, was mit den verarbeiteten Edelsteinen oder auch kl. Brillianten geschieht. Gehen diese in die Wertung ein oder werden sie vorher herausgelöst?
    Ich bitte um Informationen.

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