Was ist eine Scheideanstalt, wie funktioniert sie, was sind die gängigsten Verfahren? Kann man privat Altgold verkaufen an Scheideanstalten, und welche Vorteile hat das? Wo finde ich eine Goldscheideanstalt in der Nähe, und kann man dort auch Gold kaufen? Alle Antworten hier!
Scheideanstalten
Das Wichtigste in Kürze
  • Scheideanstalten recyclen Metalle und Edelmetalle
  • Gelten als Spezialbetriebe der chemischen Industrie
  • Viele Scheideanstalten bieten auch Ankauf und Verkauf für Privatkunden
  • Gerichtsurteil: Altgoldankäufer sind keine Scheideanstalt
Lies hier:

Scheideanstalten in Deutschland

In Deutschland gibt es mehrere Scheideanstalten. Viele davon kaufen auch Altgold an. Pforzheim gilt als heimliche Hauptstadt der Scheideanstalten, denn mit AGOSI, DODUCO sowie Heimerle + Meule sitzen gleich drei der bekanntesten deutschen Unternehmen in der Schmuck- und Uhrenstadt. Dazu ganz in der Nähe noch C. Hafner, ebenfalls ein bekannter Name.

Übersicht: Wo gibt es Scheideanstalten?

(Auswahl)

Scheideanstalt Ort
AGOSI (Allgemeine Gold- und Silberscheideanstalt AG) Pforzheim
Berolina GmbH Berlin
Bruno Welz GmbH Schwäbisch Gmünd
C. Hafner Edelmetall Technologie Wimsheim
DIGOSI Edelmetall & Recycling GmbH Berlin
DODUCO GmbH Pforzheim
ESG Edelmetalle Service Rheinstetten
EMH Service GmbH Essen
Ernst Weber e. K. Rottweil
Koos Edelmetalle GmbH Renningen
Norddeutsche Edelmetall Scheideanstalt GmbH Norderstedt
Heimerle + Meule GmbH Pforzheim
Rheinische Scheidestätte GmbH Düsseldorf
Schiefer & Co. Edelmetall-Scheideanstalt Hamburg
Solidus Scheide- und Analyseanstalt Berlin GmbH Berlin

Während es Scheideanstalten nur in einigen Orten gibt, könnte bei Goldankäufern die Auswahl nicht besser sein. Wer Altgold oder Altsilber verkaufen will, findet in nahezu jedem größeren Ort einen Ankäufer.

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Was ist eine Scheideanstalt?

Eine Scheideanstalt, auch Affinerie genannt, ist im Wesentlichen ein Recyclingbetrieb, der sich auf die Rückgewinnung von Metallen spezialisiert hat. Von besonderem Wert sind dabei natürlich Edelmetalle. Diese werden aus dem angelieferten Altmaterial, in der Regel ein Mix aus verschiedenen Elementen und Bestandteilen, zurückgewonnen ("geschieden").

Die so gewonnenen Metalle oder Edelmetalle kommen dann wieder zurück auf den Markt. Wesentlicher Teil der Geschäftstätigkeit von Scheideanstalten besteht somit darin, Vorprodukte für Industrie, Handwerk oder Handel zu liefern. Scheideanstalten gelten daher als Spezialbetriebe der chemischen Industrie.

Urteil: Was ist keine Scheideanstalt?

Um Metalle industriell und in der nötigen Qualität zu analysieren, zu recyclen und dann dem Markt wieder zuzuführen ist ein erheblicher technischer Aufwand nötig. Zudem sind bestimmte behördliche Genehmigungen nötig. Für einfache Altgoldankäufer trifft das in der Regel nicht zu.

Dieser Sachverhalt führte Ende 2018 zu einem Gerichtsverfahren, bei dem festgestellt wurde, dass die Bezeichnung "Scheideanstalt" nicht irreführend verwendet werden darf, wenn die tatsächliche Geschäftstätigkeit im Wesentlichen nur im Zwischenhandel besteht. Hintergrund mag die Überlegung mancher Altgold-Ankäufer gewesen sein, dass "Scheideanstalt" wohl seriöser klingt als "Altgoldankauf". Gold einschmelzen in einem kleinen Schmelzofen allein ist kein Scheideprozess im engeren Sinne, sondern nur die Vorbereitung. Der eigentliche Scheideprozess erfolgt in aufwändigen industriellen Verfahren.

Ankauf und Verkauf für Privatkunden

Die Hauptkundschaft von Scheideanstalten kommt aus dem Gewerbe. Industrieschrott wie etwa alte Handys, Platinen oder Elektroschrott wird tonnenweise angekauft, aufbereitet, und als Vorprodukte oder Halbzeuge wieder verkauft an Industrie, Handel oder Handwerk. Juweliere und Goldschmiede zählen auch zur Kundschaft von Scheideanstalten.

Dennoch haben einige Betriebe auch den Privatkunden entdeckt. Darin spiegelt sich nicht nur die Werthaftigkeit von Edelmetallen wider, sondern auch die Knappheit.

Gold verkaufen an die Scheideanstalt

Manche Unternehmen haben extra Schalter für das Privatkundengeschäft, wo man sein Altgold verkaufen kann. Auch die Mindestmengen bei der Annahme sind oftmals kein wirkliches Hindernis mehr. Da der Zwischenhandel entfällt können Scheideanstalten auch attraktive Ankaufspreise für Altgold oder Altsilber bieten. Es kann sich also auch privat lohnen bei Scheideanstalten wegen Altgoldankauf nachzufragen, selbst wenn es "nur" eine Handvoll Goldschmuck ist.

Das NDR-Magazin DAS! hat die Scheideanstalt Aurum Edelmetalle besucht

Tipp: Materialwert vorab selber checken

Ist Ihnen Feingehalt sowie Gesamtgewicht von ihrem Altgold bekannt, gibt der Goldpreisrechner von GOLD.DE schonmal eine ungefähre Vorstellung vom Wert. Davon abgezogen werden muss natürlich die Marge des Unternehmens. Damit können Sie besser einschätzen ob Ihnen ein fairer Goldpreis geboten wird.
Zum Goldpreisrechner

Gold kaufen von einer Scheideanstalt

Auch hier haben manche Scheideanstalten das Privatkundengeschäft entdeckt wie etwa die ESG Scheideanstalt, Heimerle + Meule, AGOSI oder C. Hafner.Teils wird ein eigener Online-Shop betrieben, wo Münzen und Barren zum Verkauf angeboten werden, oder auch Verkauf vor Ort.

Goldpreis Scheideanstalt

Der Goldpreis von Scheideanstalten richtet sich im Wesentlichen nach den tagesaktuellen Weltmarktpreisen, dem sogenannten Spotpreis. Empfehlenswert ist daher immer auch der Blick auf die Weltmarktpreise. Ist der Goldpreis hoch, bekommt man generell auch mehr Geld beim Altgold Verkauf, und umgekehrt. Entsprechendes gilt natürlich auch beim Goldkauf, sowie für andere Edelmetalle. Aktuelle Spotpreise können Sie hier leicht selber einsehen:

Goldpreis
Silberpreis
Palladiumpreis
Platinpreis

Kernaufgabe: Edelmetallrecycling

Die Kernaufgabe einer Scheideanstalt besteht im Edelmetallrecycling, also der Rückgewinnung von Gold, Silber oder anderen Edelmetallen entweder aus Metalllegierungen oder aus Scheidgut, das metallische und nichtmetallische Bestandteile enthält.

Die Scheideanstalt stellt nach erfolgtem Scheideverfahren aus den zurückgewonnenen Edelmetallen entweder Barren und Münzen oder Halbzeuge her.

Halbzeuge werden in Form von Scharnieren, Rohren, Drähten, Blechen und Stangen der Industrie zur Verfügung gestellt. Sie werden dann in der Schmuckherstellung, der Medizintechnik, der Fahrzeug- und Elektronikindustrie weiterverarbeitet und eingesetzt.

Veraschen in einer Scheideanstalt
Industriemetalle
Goldrecycling in Scheideanstalt

Im globalen Maßstab stellt durch Recycling gewonnenes Edelmetall einen nicht unbedeutenden Teil des Angebots am Markt dar. So betrug nach Angaben des World Gold Council im Jahr 2019 der Anteil von Recycling-Gold am gesamten Weltmarktangebot rund 1304 Tonnen. In Prozent ausgedrückt waren es über 27 %, also mehr als ein Viertel.

Prüfung und Ankauf von Scheidgut

Die Herkunft des angekauften Materials ist sehr unterschiedlich. Es kann sich um Münzen, Barren, Schmuck und Dentalgold handeln, aber auch um Gold, Silber, Platin, Palladium oder weitere Edelmetalle, die in Industrieschrott enthalten sind. Das wird zunächst in thermischen und mechanischen Verfahren aufbereitet.

Bei Münzen und Barren entfällt das Recycling, wenn sich diese in einem guten und somit wiederverkäuflichen Zustand befinden.

In allen anderen Fällen wird das Scheidgut dann im Prüflabor auf seinen Edelmetallgehalt hin überprüft. Über den Ankaufspreis entscheidet dabei nicht allein Menge, sondern auch der genaue Anteil des einzelnen Edelmetalls, die sich im Preis stark voneinander unterscheiden.

Aufbereitung von Scheidgut

  • Veraschen: In einer Veraschungsanlage mit zwei Kammern werden die edelmetallhaltigen Ausgangsstoffe mit Erdgas verbrannt. Bei Temperaturen um 1.200° Celsius veraschen alle nicht-metallischen Bestandteile.

    Insbesondere Rückstände aus der Elektroindustrie werden so von den Edelmetallen getrennt. Hierbei genügen selbst geringfügige Reste, zum Beispiel in Form von von Edelmetallpasten in Dosen, Schlämmen, Folien und Wischtüchern mit Edelmetallanhaftungen, um den Vorgang für die Scheideanstalt profitabel zu machen.

    Das bei der Veraschung entstehende Abgas wird entsprechend gültiger Umweltstandards entgiftet. Zurückbleibende Giftstoffe werden fachgerecht entsorgt, sodass nur Metalllegierungen übrigbleiben. Die Veraschung ist überflüssig, wenn das Edelmetall von vornherein in Form von Metalllegierungen vorliegt.

  • Einschmelzen: Eine induktiv betriebene Anlage schmilzt danach die (übrig gebliebenen) Metalllegierungen bei 1.800° Celsius ein. Aus der Schmelze werden Proben entnommen, um den genauen Gehalt der Legierung zu bestimmen. Einige Scheideanstalten ermöglichen es Ihren Kunden, beim Gold schmelzen live dabei zu sein.

    Durch die unterschiedlichen spezifischen Gewichte und Härtungspunkte werden die Metalle getrennt. Zudem werden elektrolytische und nasschemische Verfahren angewendet. Wenn Rohstoffe Restfeuchte aufweisen, kommen vor dem Prozess Trocknungsaggregate zum Einsatz.

  • Mechanische Aufbereitung: Bei der mechanischen Aufbereitung wird geschreddert, gemahlen und gesiebt. Das geschieht teilweise vor oder nach der thermischen Behandlung. Das Ziel besteht in der kompletten Homogenisierung durch Zerkleinern und Durchmischen des Recyclingmaterials.

    Dazu werden Spezialschredder, Schneidgranulatoren, Hammermühlen, Siebkugelmühlen, Mischaggregate, Magnetseparatoren und Siebsysteme eingesetzt. Die Wahl der Technik hängt von dem vorliegenden Material (hybrid, polymer, keramisch oder metallisch) und von der Größe der einzelner Teile ab.

    Teilweise erfolgt eine Zerkleinerung in mehreren Stufen bis zum Einsatz von Kugelmühlen, die Körner mit 0,6 mm Durchmesser herstellen. Auch hier werden Proben entnommen, um die genaue Zusammensetzung der Stoffe zu bestimmen.

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von Hildegard Pleuss | 12.02.2017, 17:53 Antworten

Anfrage: Bei Zusendung von verschiedenen Schmuckstücken, und dem Schätzen des Wertes, evtl. Einschmelzen der verschieden geabeiteten Schmuckstücke, würde es mich interessieren, was mit den verarbeiteten Edelsteinen oder auch kl. Brillianten geschieht. Gehen diese in die Wertung ein oder werden sie vorher herausgelöst?
Ich bitte um Informationen.

3 Antworten an Hildegard Pleuss anzeigen
von Dr. Trutzel, Diplomchemiker Norddeutsche ES | 02.04.2019, 10:21 Antworten

Sehr geehrte Redaktion,
leider steht bei Ihnen auf der Seite "Scheideanstalten" eine recht peinliche und falsche Aussage, die bei uns Zweifel an der informativen Korrektheit auch anderer Berichte auslösen. Die Vermeidung von offensichtlichem Unsinn sollte doch in unser aller Interesse liegen. Die Aussage, ein "Schmelzen von Edelmetallen" sei "Scheiden"... oder führe zur Trennung von Edelmetallen oder zu deren Rückgewinnung ist absurd, und eine Erklärung warum sich so viele angebliche Scheideanstalten im Internet tummeln. Man schmilzt ein wenig und bezeichnet sich dann als Scheideanstalt. Kann das im Interesse gutgläubiger Kunden liegen, die eine Scheideanstalt suchen? Das Scheiden von Edelmetallen läuft stets über sehr aufwendige chemische und elektrochemische Prozesse. Scheideanstalten sind immer "Betriebe der Spezialchemie mit allen Problemen, die dies mit sich bringt. Angefangen von der Standortwahl über Zulassungsverfahren, Einspruchsverfahren usw." Metallurgische Vorgänge wie Schmelzprozesse dienen bei Goldhändlern nur zu sicheren Beprobung und Vereinheitlichung unterschiedlicher Legierungen vor dem Weiterverkauf an eine echte Scheideanstalt, sie können eben nicht scheiden. In einer echten Scheideanstalt dienen Schmelzprozesse lediglich der Erzeugung homogener Proben zur Berechnung der Reaktionschemikalien, Schaffung spezieller Oberflächen für die chemische Scheidung oder später zur Schaffung neuer Legierungen oder Formung von Barren.
Ich würde mich freuen wenn diese Klarstellung hilft, etwas Licht in das Dunkel der Edelmetallscheidung zu bringen.

1 Antwort an Dr. Trutzel, Diplomchemiker Norddeutsche ES anzeigen

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